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Wahrnehmung und Deutung von Diversität und Alterität in den Reiseberichten deutscher Soldaten im Dienste der Vereinigten Ostindischen Kompanie der Niederlande (VOC)

Beobachtungen zur ‚Bordgesellschaft‘ des 17. und 18. Jahrhunderts.
Von: 
Marco Kollenberg
DOI: 
10.15500/akm17072018
Kleinmünze der Niederländischen Ostindien Kompanie von 1744

1. Aufstieg, Struktur und Niedergang der VOC – eine einführende Skizze

Die Vereenichde Geoctroyeerde Oostindische Compagnie (VOC) stellt ein Faszinosum der globalen Migrationsgeschichte in der Frühen Neuzeit dar.1 In weniger als 200 Jahren verschiffte die Organisation beinahe eine Millionen Menschen nach Südostasien. Während das Leben, Kämpfen und Sterben im Dienst der VOC am anderen Ende der Welt wie auch die Konkurrenz der Kompanie mit den anderen aufstrebenden Handelsorganisationen bereits umfassend beleuchtet wurde2, sind insbesondere die über mehrere Monate andauernde Seereise, die damit in Verbindung stehenden Spezifika und deren Auswirkungen auf die Besatzung noch vergleichsweise unerforscht. Auf der Basis zahlreicher deutscher Reiseberichte wird der auf den Schiffen zeitweilig entstandene Sozialkomplex deshalb im Folgenden genauer betrachtet.

Zunächst soll jedoch kurz die VOC als Organisation umrissen werden. Diese wurde 1602 in dem Bestreben gegründet, auch in Asien mit dem dort bereits aktiven – und mit den nördlichen Provinzen der Niederlande in dauerhaftem Konflikt stehenden – Spanien wirtschaftlich in Konkurrenz treten zu können. Die Kompanie stellte insofern ein Novum für die Niederlande dar, als dass sie aus der Fusion von sechs zuvor konkurrierenden regional ansässigen Handelsgesellschaften3 hervorging. In letzter Konsequenz, so Peter Kirsch, wurden die Eliminierung der lokalen Konkurrenz und die Kontrolle über den Ostindienhandel angestrebt.4 Das bei der Gründung der Kompanie ausgestellte und 46 Paragraphen umfassende ‚Oktroi‘ beinhaltete eine Reihe herrschaftlicher Vorrechte5 für den ostasiatischen Raum, auf deren Grundlage regierend der später eingesetzte Generalgouverneur für Ostindien mit den Machtbefugnissen eines Vizekönigs die Geschicke der VOC vor Ort leiten konnte. Sitz des Gouverneurs wurde das 1619 gegründete Batavia, welches infrastrukturell eigens für die Bedürfnisse der Organisation angelegt wurde und neben entsprechenden Hafenanlagen über zahlreiche Lagerhäuser sowie ein dringend benötigtes Lazarett verfügte.6 Die unmittelbare Anwesenheit des zuständigen Entscheidungsträgers ermöglichte es der Kompanie, schnell und effektiv auf die sich verändernden Bedingungen vor Ort zu reagieren. Aus der hieraus resultierenden Eigendynamik der Gesellschaft wird die rapide Ausbreitung der Einflusssphäre östlich des Kaps der Guten Hoffnung innerhalb weniger Jahre verständlich.7 Zahlreiche Berichte beschreiben, wie die VOC „nehmlich an etlichen Orthen die grossen Machten der Indianischen Monarchen mit verständigen und anlockenden Umbgang suchet auff ihre Seite zu bekommen; an andern Orthen hingegen die groben und von allen Sitten entblösten Barbaren durch Ihre Waffen zwinget.“8 Ein religiöses Sendungsbewusstsein oder ein übergreifendes Prinzip der Verbreitung europäischer Kulturpraktiken kann dagegen nicht explizit nachgewiesen werden.9

Einer der vielleicht markantesten Vorteile der VOC gegenüber anderen Handelsorganisationen war ihre Konzeption als noch frühneuzeitlich anmutende Aktiengesellschaft. Theoretisch konnte sich dabei jede Privatperson, der es durch die topographischen Eigenheiten der Niederlande unmöglich war, Wohlstand durch Landbesitz zu generieren, dazu entscheiden, in die Ausstattung der Handels- und Transportschiffe zu investieren. Die Anleger gehörten nicht nur der städtischen Wirtschaftselite, sondern auch dem gemeinen Bürgertum an, vom Bäcker und Schlachter bis hin zum Arzt – ein Umstand, durch welchen die VOC schon in den Anfangsjahren über erhebliche Geldsummen verfügte.10 Bereits nach wenigen Jahren konnte – mit der Eroberung von Malakka und der Sicherung der Sundastraße – die Kontrolle über die beiden Routen zwischen dem Indischen und dem Stillen Ozean erlangt werden, noch bevor die Eroberung von Ceylon erfolgt war.11

Der Niedergang der Kompanie begann in den 1740er Jahren, als anstelle der Monopolwaren wie Nelken, Muskatnuss und Zimt mit einer prozentual beeindruckenden Gewinnspanne aufgrund der steigenden Nachfrage auch Artikel importiert wurden, die außerhalb des im Oktroi und seinen Erweiterungen festgelegten Monopols lagen, insbesondere Textilwaren, Kaffee und Tee.12 Zudem stiegen im Verlauf des 18. Jahrhunderts sowohl die Verwaltungs-, als auch die Unterhaltskosten stetig an, da Handelswege und Niederlassungen vor den immer stärker werdenden Konkurrenzunternehmen aus England und Frankreich geschützt werden mussten, was eine Aufstockung der Garnisonstruppen erzwang. Gleichsam sorgten die hohen Mortalitätsraten der VOC-Bediensteten dafür, dass immer wieder ungelernte Kräfte angeworben, ausgebildet und ausgerüstet werden mussten – ein nicht unwichtiger Kostenmehraufwand für die Kompanie. Die Verwaltungslage begünstigte zudem Korruption, die im Verlauf der Jahre weiter zunahm und sich zum Ende des 18. Jahrhunderts in Verbindung mit weiteren Auflösungserscheinungen fatal auf die finanzielle Gesamtlage der Gesellschaft auswirkte.13 Umstritten ist die Frage, inwieweit ein in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts langsam auftretender Personalmangel für die VOC zum Problem wurde und ob dieser unter anderem auf die immer leichter zugänglichen Informationen über die katastrophalen Arbeitsbedingungen zurückzuführen sei.

2. Multiethnizität als Kernmerkmal der Schiffsbesatzungen

Von Beginn an beeindruckte die Kompanie besonders durch zwei Aspekte: zum einen durch die für die Zeit ungemein hohen Zahlen an Beschäftigten, zum anderen durch die daraus resultierende Multiethnizität dieser frühneuzeitlichen Organisation. Wie die anderen Seefahrernationen mit ihrer durch geringe Eigenbevölkerung begrenzten Rekrutierungskapazität – Portugal im 16. Jahrhundert, England vor allem ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – waren auch die Niederlande auf Arbeitsmigranten angewiesen, um ihre Schiffe bemannen, Waren löschen und Kastelle garnisonieren zu können. Während die Kompanie in den Niederlanden ihre Ränge fast ausschließlich mit Einheimischen auffüllte14, war das in Ostindien eingesetzte Personal nicht nur an Zahl weitaus größer, sondern auch kulturell deutlich differenzierter. Hier musste neben Verwaltungsangestellten, Händlern und Handwerkern vor allem eine stetig wachsende Zahl von Soldaten, Offizieren, Matrosen und Wundärzten unterhalten werden, um die Interessen der Kompanie schützen und durchsetzen zu können.15 Die enorme Gesamtzahl der Beschäftigten, von der ein großer Teil auf die eben genannten Schutztruppen entfiel, konnte von der Gesellschaft nur durch den intensiven Rückgriff auf ausländische Truppen aufgebracht werden.16 Da sich das Gros vor allem dieser bewaffneten Truppen aus dem deutschsprachigen Raum rekrutierte, ist das Phänomen auch für die deutsche Militär- und Sozialgeschichte relevant.

3. Motivationen und Anreize für den Dienst in der VOC

Um 1660 kamen etwa 65% der Soldaten, jedoch nur 35% der übrigen Schiffsbesatzung der VOC aus dem Ausland. Bis 1770 erhöhte sich der Anteil der ausländischen Soldaten auf über 80%, und der Anteil der ausländischen Matrosen stieg auf etwa 50% an.17

Die Erinnerungen von Nicolas de Graaf18 geben einen guten – wenngleich wohl negativ überfrachteten – Eindruck von den verschiedenen Ethnien, welche sich auf den Schiffen der VOC einfanden. Die Rede ist von „Polacken, Hamburgern, Lübeckern, Danzigern, Königsbergern, Norwegern“ und einer Vielzahl von „Moffen, Popen, Knoten und Hannekemäher[n].“19 Diese Vielzahl spiegelt sich in den Anteilen der jeweiligen Gruppen allerdings nicht proportional wieder. Aus deutschsprachigen Gebieten stammende Männer machten im Durchschnitt 45 bis 75% der ausländischen Bediensteten aus. Wird dies auf die Anzahl derer übertragen, die lebend aus dem Osten zurückkehrten, sahen zwischen 100.000 bis 150.000 Deutsche die niederländische Küste wieder.20 Bei derartigen Zahlen stellt sich unweigerlich die Frage, welche Motive so viele Deutsche nach Ostindien trieb?

Die Vorgeschichte des jungen Johann Heinrich Schröder mutet wie der typische Lebensweg eines vom Soldatentum geprägten Mannes an. Dem Ruf der Ferne folgend, habe er sich nach mehreren Jahren als Kavallerist in Polen und Brabant, der durch seine Rechen- und Schreibfähigkeiten schnell zum Corporal aufgestiegen war, nach Holland begeben. Allem Anschein nach erhoffte sich Schröder eine signifikante Verbesserung seiner Lebensumstände, die in Polen von „Uneinigkeit, Verfolgung, Hinterlist, Rachgier, Unruhe“ bestimmt gewesen seien.21 Den Dienst in den Reihen der VOC wählte Schröder nach eigenen Worten also, um „das Glück in Indien zu verfolgen“22, wobei diese Motivation etwa einem Drittel der hier Untersuchten unterstellt werden kann. Ein weiteres Drittel bildeten Männer wie Daniel Parthey und David Tappe.

Ersterer befand sich bereits seit sechs Jahren auf seiner Gesellenreise, als er sich im Jahr 1677 mit drei Freunden nach Amsterdam aufmachte, um von dort aus wieder nach Frankenberg in Sachsen zurückzukehren. Innerhalb kurzer Zeit mussten die Männer feststellen, dass die Lebenshaltungskosten in den Niederlanden weitaus höher waren als erwartet. Und so „begaben wir uns nach dem Ost-Indianischen Hauß / um daselbst Dienst zu nehmen“, da das Geld aufgebraucht und keine Bleibe mehr erschwinglich war. In diesem Falle hatte das doppelte Handgeld, welches die VOC zum Ende des 17. Jahrhunderts immer öfter ausstellte, um mehr Männer zur Heuer zu bewegen, seinen Zweck erfüllt. Es wurden „alle Tage drey Groschen Zehrgeld / nebst zwey Monat Gagi / nemlich vor jedes Monat zehen Gulden / auf die Hand gegeben.“23 Daniel Parthey trieb also eine finanzielle Notlage nach Ostindien. Die zugehörige Seereise betrachtete er schlicht als einen Teil der angenommenen Arbeit.

Auch David Tappe trat aufgrund seiner misslichen Lage in den Kompaniedienst. Im Gegensatz zu Parthey machte Tappe jedoch deutlich, dass er nicht ganz freiwillig die Heimat Bernburg verlassen hatte, wenn er am Beginn seines Berichtes schreibt: „Wer Vater und Mutter nicht will gehorchen / der muß dem Kalbfelle folgen.“24 Seine Reisen führten ihn zuletzt nach Holland, wo er, wie es auch Parthey ein Jahrzehnt später feststellen sollte, seine Ersparnisse schneller verbrauchte als zunächst angenommen: „Nun war der Beutel ledig […] und wuste fast nicht worzu ich greiffen sollte / biß endlich auf einen Tag / da ich voll Bekümmerniß auf einer Brücke stund / eine Person / welche man Seelen-Verkäuffer nennet / zu mir kam / und mich fragete / was ich machte / und ob ich keine Dienste hätte oder annehmen wollte / und ob ich nicht Lust in Indien zu reisen hätte?“25

Besonders die großen Städte der Niederlande konnten, so scheint es, für Reisende aus dem deutschsprachigen Raum, schnell zu einer finanziellen Falle werden, wenn die jeweilige Person auf die hohen Lebenshaltungs- und Unterkunftskosten nicht vorbereitet war.

Auf Männer wie Christoph Frik traf dies wiederum nur bedingt zu. Der in Ulm ausgebildete Barbier, der nach einer Reise durch ganz Zentraleuropa schließlich in Amsterdam ankam, war von der Stadt und ihrer Pracht begeistert. Entgegen sämtlicher Ratschläge der „Matrone“26, die ihn eine Zeitlang bei sich aufnahm und trotz der Warnungen vor „hunderterley Mühe / Elend / Trangsal / Hunger und Durst“ begab sich Frik nach eigener Aussage aus reiner Abenteuerlust zur Kompanie, um sich für den Dienst in Ostindien zu verpflichten und die Welt zu bereisen.27

Jene, welche sich auf den Schiffen der VOC wiederfanden, stammten also nicht nur aus nahezu allen protestantischen Gebieten des Reiches, sie verfolgten auch gänzlich unterschiedliche Ziele – wenn auch die Meisten der mögliche Reichtum lockte – was eine genauere Kategorisierung fast unmöglich macht.

Zusammenfassend sei daher nur festgehalten, dass die VOC für viele Männer eine durchaus attraktive Erwerbsoption darstellte und sie dem Einen oder Anderen, der nicht ganz freiwillig zur Heuer antrat, eine Möglichkeit bot, Problemen in der Heimat für eine gewisse Zeit zu entfliehen. Es muss aber davon ausgegangen werden, dass die negativen Aspekte des Ostindiendienstes, die in der hohen Sterbewahrscheinlichkeit gipfelten, spätestens mit dem beginnenden 18. Jahrhundert durch die in großer Zahl erschienenen Reiseberichte öffentlich bekannt waren. Der im Vergleich zu deutschen Münzen starke holländische Gulden, die feste Anstellung über mindestens fünf Jahre und die Aussicht, sich im sagenumwobenen Ostindien neben dem eigentlichen Militärdienst durch verschiedene Geschäfte eine gewissermaßen goldene Nase zu verdienen, machen den für viele Männer ohne festen Platz in Europa so großen Reiz der VOC verständlicher.

4. Die ‚Bordgesellschaft‘

Der Fokus wird nun auf die Lebenswelt der deutschen Soldaten während ihrer Zeit auf See gerichtet. Für die auf den Transportschiffen zusammenkommenden, in ihrer Zusammensetzung in hohem Maße heterogenen Mannschaften, soll im Folgenden, in Anlehnung an das Konzept der ‚Lagergesellschaft‘, die ‚Bordgesellschaft‘ als Zentralbegriff der Untersuchung eingeführt werden.

Bernhard R. Kroener definiert die ‚Lagergesellschaft‘ im Umfeld der Analyse von Geschlechterbeziehungen und Überlebensstrategien während des Dreißigjährigen Krieges. Demnach musste jeder Kombattant neben der Eigenverpflegung auch für eine ganze Reihe von ihm zugehörigen (Nicht-)Kombattanten aufkommen.28 Gegründet auf der finanziellen Lage des jeweiligen Soldempfängers, konnte dieser Tross mehrere Knechte und Dienstmägde, Pferdejungen, Wagenmeister und eben auch die gesamte Familie des Söldners umfassen. Insbesondere wird auf die Funktion der Frau in dieser ‚Beutegemeinschaft‘ hingewiesen.29 Neben der zusätzlichen Nahrungsmittelbeschaffung und der etwaigen Gelegenheitsplünderung habe sie auch den Verkauf von Beutegut auf dem Lagermarkt geregelt. Zudem sei die Frau als Lagerköchin, Wundheilerin oder bei der Schanzarbeit in Erscheinung aufgetreten und sei so nicht nur für den unmittelbar mit ihr in Verbindung stehenden Mann zu einer unverzichtbaren Präsenz geworden.30 Umgekehrt sei auch der Mann für die mit dem Heer ziehende Frau ein Angelpunkt der fragilen Existenz gewesen. Der Verlust dieses Ankerpunktes konnte den sozialen Abstieg bis hin zur Prostitution nach sich ziehen.31 Neben dem wechselseitigen Schutz, in wenig ertragreichen Zeiten mitunter gar gegen andere Kombattanten auf gleicher Seite, dürfe der moralische Halt, der durch diese familienähnlichen Bande gegeben wurde, nicht gering geschätzt werden.32 Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Heeresverband als sozialer Ordnung, dem Erhalt von Moral sowie von psychischer und physischer Gesundheit der Söldner müsse demnach als gegeben angesehen werden.

Bei der ‚Lagergesellschaft‘ in Söldnerheeren handelt es sich also zunächst begrifflich um eine Spezifikation der zwar umfassenden, nicht selten jedoch in ihren Beziehungsgeflechten als schwammig wahrgenommenen ‚militärischen Gesellschaft‘. Mit der ‚Lagergesellschaft‘ können die Existenzbedingungen und hierarchischen Strukturen, die sozialen Wechselwirkungen zwischen Kombattanten und Tross wie auch deren Organisation vom Komandanturzelt in der Mitte des Lagers bis hin zu dessen Peripherie beschrieben werden.33

In ähnlicher Weise kann auch die ‚Bordgesellschaft‘ die Hierarchie auf dem Schiff und die sozialen Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Besatzungsmitgliedern, die zwangsweise über eine Zeit lang zusammenleben und reisen mussten, umschreiben. Dieses Beziehungsgeflecht bildete sich aus den Interaktionen der verschiedenen beruflich getrennten ‚Bordgruppen‘, deren Mitglieder, bis auf wenige Ausnahmen im Sold der VOC stehend, die Reise von den Niederlanden bis nach Batavia antraten. Im Folgenden soll daher kurz die Sozialstruktur der ‚Bordgesellschaft‘ im Kontrast zur ‚Lagergesellschaft‘ auf der Grundlage einiger Reiseberichte genauer beleuchtet werden.

Christoph Schweitzer, der im Dezember 1675 seinen Dienst bei der VOC begann, hinterließ die Auflistung der sozialen Gruppen auf der Asia. Auf diesem Schiff waren anwesend „ein Oberkauffmann / ein Schiff-Herr / ein Reformierter Pfarrer sampt seiner Frau und vier Kinder / vier Steurleuth / ein Buchhalter / fünff Barbierer / zwey Bothsleuth / zwey Schidleuth / zwey Dispensier34 / zwey Köch / zwey Constabel / vier Zimmerleuth / drey Kieffer35 / zwey Segelmacher / zwey Quartiermeister / ein Sergant / zwey Corporal / zwey Landspassaten36 / 150. Soldaten 93. Bothsgesellen / 9. kleine Knaben […] / und ein Profoß / in allem 297. Personen.“37

Eindrücklich ist zunächst die durchgängig an erster Stelle erfolgende Nennung des Oberkaufmanns, der als Vertreter der VOC das Oberkommando auf dem Schiff innehatte und gemeinsam mit dem Kapitän die kommandierende ‚Bordgruppe‘ bildete, von welcher der Leser in den Reiseberichten der deutschen Soldaten meist nur wenig erfährt. Deutlich prominenter finden sich nautische und militärische Offiziere in den Berichten, die als eine von der Kommandoebene separate Gruppe betrachtet werden müssen. Die als „Schiffsvolk“, „Seevolk“ oder „Bootsgesellen“ bezeichneten Matrosen bildeten eine weitere Gruppe und standen in vermeintlich direktem Gegensatz zu den transportierten Soldaten. Diese wiederum stellten den auf den Transportschiffen größten Anteil der Besatzung und müssen, der landsmannschaftlich sozialen Heterogenität der Truppe zum Trotz, als eigene ‚Bordgruppe‘ gelten. Demgegenüber stellten zivile Handwerker zwar eine kleine, jedoch stark ausdifferenzierte Gruppe. Diese hatten während der mehrmonatigen Reise für den Erhalt des oft schwer in Anspruch genommenen Schiffes ebenso zu sorgen wie für die Verpflegung an Bord und das Wohlergehen der Besatzung – so im Falle der Köche, Barbiere und Geistlichen38 –, treten aber innerhalb der den Seereisen gewidmeten Textpassagen nur randständig auf. Zivile Passagiere, die aus den verschiedensten Gründen eine Reise nach Ostindien auf sich nahmen, stellen eine numerisch stark begrenzte ‚Bordgruppe‘ dar, über die nur in Ausnahmefällen berichtet wurde.39

In der Rolle der Frauen offenbart sich der vielleicht schärfste Gegensatz zur ‚Lagergesellschaft‘. Diesen war die Mitfahrt auf den VOC-Schiffen grundsätzlich verboten. Kein Mann durfte seine Ehefrau mit sich führen, es sei denn, „daß er solches / als eine sonderbahre Gnade / in der Vergaderung40 erhalte.“41 Dies war freilich ein Luxus, den sich meist nur reiche Kaufleute, Pastoren oder ähnliche Wohlhabende leisten konnten. Hin und wieder konnte es jedoch dazu kommen, dass Frauen sich in Verkleidung eines Mannes an Bord der Ostindienfahrer begaben. Der ausgebildete Kaufmann und von der Kompanie als Soldat angeheuerte Ernst Christoph Barchewitz hielt einen solchen Fall in seinen Ausführungen fest.42 Als gesichert kann nur gelten, dass die Schreiber einen solchen Vorfall zwar interessiert, jedoch niemals gutheißend vermerkten.43 In jedem Falle unterschied sich die Rolle der Frau in der ‚Bordgesellschaft‘ der VOC fundamental von ihrer Rolle innerhalb der ‚Lagergesellschaft‘.

Zuletzt sei kurz auf den Faktor Zeit in Verbindung mit der ‚Bordgesellschaft‘ hingewiesen.44 Anders als dies bei den meisten Mitgliedern der ‚Lagergesellschaft‘ in Europa der Fall war, in welcher die Soldverträge zwar zunächst eine zeitliche Begrenzung hatten, diese aber häufig aus verschiedenen Gründen, nicht selten aus Alternativlosigkeit und Lebensgefahr, nahezu unbegrenzt verlängert wurden, lässt sich eine solche Hoffnungslosigkeit in den Reiseberichten nur in den seltensten Fällen ausmachen. Während die Gründe für den Antritt des VOC-Dienstes vielfältig waren, blieb der Aufenthalt in Ostindien mit durchschnittlich fünf Jahren bei allen untersuchten Reisenden relativ kurz.45 Die Männer gingen in der Erwartung an Bord, nach dem Ablauf der festgelegten Dienstzeit – so sie denn überlebten – als reiche Abenteurer wieder in die Heimat zurückzukehren. Eine derartige Denkweise konnte innerhalb der ‚Lagergesellschaft‘ nicht aufkommen, da es sich bei dieser für viele der Beteiligten um eine Art der Lebensversicherung und nicht um einen Weg handelte, Abenteuer zu erleben oder sich finanziell zu bereichern. Das Bewusstsein der VOC-Soldaten – die zwar in den Berichten als Soldaten bezeichnet, eigentlich aber noch unter den Sammelbegriff des Söldners gefasst werden können – den Dienst nach eigenem Verlangen zeitlich auszuweiten, unterscheidet sich somit grundlegend von der Situation der Männer und Frauen im Dreißigjährigen Krieg. Dies mag ein Grund dafür sein, dass sich der Ton der Reiseberichte – und mögen auf der Reise auch Grausamkeiten beobachtet und der Schreiber nur knapp mit dem Leben davongekommen sein – fundamental von dem Tagebuch Hagendorfs unterscheidet.46 Die in Verbindung mit dem zeitlichen Rahmen des VOC-Dienstes stehende Selbstbestimmtheit, wenn diese auch nur vermeintlich gewesen ist, schlägt sich in jedem Fall im Ton der Berichte nieder. Auf einer anderen Ebene ist die Zeit zudem für die Stimmung innerhalb der ‚Bordgesellschaft‘ mitverantwortlich. Trotz der Tatsache, dass die Reise von den Niederlanden nach Batavia Schwankungen ausgesetzt war, was die finale Reisedauer anbelangte47, gingen die Besatzungsmitglieder doch auch in dem Wissen an Bord, dass sie nach einigen Monaten ihren Bestimmungsort erreichen würden. Folglich ist die ‚Bordgesellschaft‘ ein in der Wahrnehmung des Einzelnen zeitlich sehr limitiertes, wenn auch häufig eindrückliches Ereignis. Es handelt sich um ein an die Grunderwartung der zeitlichen Begrenztheit geknüpftes Phänomen, bei welchem Menschen unterschiedlicher landsmannschaftlicher und beruflicher Zugehörigkeit auf engstem Raum über einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum von bis zu acht Monaten sozial miteinander agieren und sich in ungewohnte Strukturen einfügen mussten.

5. ‚Bordgesellschaft‘ und Diversität

5.1 Alltag an Bord

Die Reiseberichte der deutschen Soldaten geben einen recht umfassenden Einblick in den Bordalltag, wenn dieser Eindruck auch stets nur subjektiv sein kann. Die Männer erlebten die Situation vor Ort vor dem Hintergrund ihres ganz individuellen Erfahrungsraumes. Vor diesem Hintergrund wurden Geschehnisse gedeutet und die Meinungen über andere Mitglieder der ‚Bordgesellschaft‘ konstituiert, die durch die Einbindung in bestehende Stereotype dem lesenden Publikum verständlich gemacht werden sollten.48

Natürlich fanden nur jene Informationen und Begebenheiten der Reise Eingang in einen Reisebericht, die von dem jeweiligen Reisenden für wichtig befunden und für mitteilenswert erachtet wurden. Bezeichnenderweise bilden Berichte, die schon vor dem Beginn der Reise Aussagen über die Eigenschaften der Niederländer enthalten, die Ausnahme. Informationen, die in dieser Hinsicht vermittelt wurden, waren meist auf eine überschwängliche Begeisterung bei dem Anblick großer Städte wie Den Haag begrenzt, die „von unvergleichlicher Zierde“ seien.49 Neben der Bewunderung dieser architektonischen Leistungen, dem Verweis auf eine allgemeine Andersartigkeit der Menschen50 und vereinzelt dem Vorwurf der Orientierung auf materiellen Besitz51, wurden protonationale Stereotype52 kaum herangezogen. Urteile über die Einheimischen wurden eher indirekt gefällt, so zum Beispiel wenn Ernst Barchewitz frohlockte, wie höflich die Umgangsformen in Den Haag seien, weil dort die „Ambassadours“ mit ihrem Gefolge zusammenkommen und er damit für das übrige Land einen deutlich raueren Umgangston impliziert.53 Einzig der „Seelenverkäufer“ erscheint als durchweg negativ belastete – typischerweise niederländische – Person in den Berichten.54 Tatsächlich scheint aber das Zusammentreffen mit „Seelenverkäufern“ vor dem Beginn der Seefahrt und die daraus gewonnene Erfahrungen keine große Auswirkung auf die Beschreibung der Menschen an Bord gehabt zu haben.

Gefragt werden muss also, ob der unter anderem von Anja Chales de Beaulieu aufgestellte Stereotypenkanon, der im 17. und 18. Jahrhundert mit den Niederländern assoziiert wurde, in den Reiseberichten der VOC-Soldaten für die Mitglieder der ‚Bordgesellschaft‘ Verwendung fand,55 und – sollte dies nicht der Fall gewesen sein – welche Gesichtspunkte die Diversität innerhalb der ‚Bordgesellschaft‘ und die sozialen Interaktionen zwischen den einzelnen Gruppen ausmachten. Daher sollen kurz die Felder Stereotypisierung, Sprache, Konfession und berufliche Antagonismen als Untersuchungsgegenstände beleuchtet werden.

5.2 Stereotypisierung

An Bord angelangt, wurde die nautische Lebenswelt und die mit dieser in direkter Verbindung stehende Schiffsbesatzung oft und schnell negativ belastet. Die nicht selten naiven Vorstellungen von der Seefahrt wurden meist am ersten Tag „gäntzlich zu nichte“ gemacht.56 Es seien die Schiffsquartiermeister, die „[…] mit ihren guten Stricken, welche sie beständig an statt des Stockes in denen Fäusten trugen, uns niemahls, absonderlich den Teutschen […], von der Seite wichen.“57 Im Verlauf der Reise wechselte der Vorwurf der Grausamkeit jedoch fast immer von der niederländisch dominierten nautischen Offiziersschicht, hin zur Gruppe der ebenfalls zu großen Teilen niederländischen Matrosen. Daniel Parthey berichtete schreckerfüllt, mit welcher Grausamkeit Matrosen einen Gefangenen folterten, indem sie diesem zunächst die Fußsohlen abtrennten, um die Wunden anschließend mit kochendem Pech zu beträufeln.58 Zwar bezeugten einige Reisende auch Streit innerhalb der ja ebenfalls landsmannschaftlich heterogenen Gruppe der Soldaten59, doch bildeten Ausführungen über Trunksucht60 und Grausamkeit der Matrosen und deren Vorgesetzten – auch innerhalb der eigenen Gruppe – die deutliche Mehrheit.61 Gerade bei dem Vorwurf der Trunksucht handelte es sich allerdings um eine gern genutzte Form des Heterostereotyps, mit welchem auch für den Leser eine klare Trennung zwischen dem Reisenden und seinen Kameraden auf der einen und den Matrosen, allgemein der nautischen Welt, auf der anderen Seite erreicht werden sollte. Ähnlich verhielt es sich mit der Gier, die als Generalverdacht nahezu jedem Matrosen unterstellt wurde62 und sich in allen untersuchten Reiseberichten als eine spezifisch dem Matrosen zuzuordnende Untugend wiederfinden lässt. Gestohlene Habseligkeiten seien stets zuerst in den Kisten der Matrosen vermutet worden, obwohl – wie selbiger Autor bald darauf feststellte – sich auf dem Schiff selbst die Kranken untereinander bestahlen.63 Dass der Topos des gierigen Matrosen in diesen Fällen aus dem Stereotyp des gierigen Niederländers erwuchs, ist aber eher unwahrscheinlich. Wenn Diebstahl also durchaus ein ‚Bordgruppen‘ übergreifendes Phänomen war, welches mitunter überaus hart geahndet wurde64, so wurde es in den untersuchten Reiseberichten doch fast ausschließlich mit den Matrosen assoziiert.

Während unzweifelhaft eine Kluft zwischen den Diensträngen bestand, waren landsmannschaftlich übergreifende Freundschaften unter den Offizieren keine Seltenheit. Baron von Wurmb bescheinigte dem ihm vorgesetzten Kapitän gar eine „Politur […] die man oft umsonst bei steifen, und von sich selbst eingenommenen Hof-Schranzen […] sucht.“65 Baron von Wollzogen hielt fest, wie sich die niederländischen Offiziere an Bord doch sehr schnell für seine Person erwärmen konnten.66 Eine landsmannschaftliche und berufliche Grenzen überwindende Annäherung zwischen den verschiedenen ‚Bordgruppen‘ war also zumindest auf der Befehlsebene möglich. Demgegenüber wurde die Kluft zwischen Soldaten und Matrosen in nahezu allen Berichten konsequent aufrechterhalten. Festzustellen sind auch Fälle, bei welchen anfängliche Bewunderung der Matrosen, zum Beispiel ob ihrer Schwimmkünste67, sich im Verlauf der Reise immer weiter ins Negative verkehrte, bis diese dem Autor schlicht als „Thier“ galten.68 Auch Insubordination wurde immer wieder als ein Merkmal der affektgesteuerten Seeleute ausgemacht und verurteilt69, dem in einigen Situationen – diese Ausführungen sind in Anbetracht der vorliegenden Quelle allerdings fragwürdig – durch die Soldaten Einhalt geboten werden musste.70

Während die deutschen Soldaten den niederländisch dominierten Matrosen diebische Gesinnung, Trunksucht, Brutalität und Gottlosigkeit vorwarfen, zeichneten die wenigen untersuchten Offiziere ein eher typisches System von Untergebenen und Befehlenden, wobei doch ein klarer Unterschied zwischen Matrosen und Soldaten gemacht wurde. Gegenüber den immer wieder durch Insubordination negativ auffallenden Seeleuten wurde jenen lediglich die schwächliche Konstitution vorgehalten, mit welcher sie das Schiff bestiegen, was aber in Anbetracht der Rekrutierungspraxis in den Niederlanden wenig verwundert haben dürfte. Die Stereotypisierung der Matrosen diente, basierend auf den untersuchten Reiseberichten, der Identitäts- und Gruppenbildung in einer Umgebung, in welcher die beruflich homogenen Gruppen durch landsmannschaftliche Heterogenität geprägt waren. Die Identifikation mit der eigenen beruflichen Gruppe an Bord fand also vornehmlich durch die negative Abgrenzung von anderen Gruppen statt.

5.3 Religion und Konfession als Distinktionsmittel an Bord

Ob und wenn ja inwieweit dabei die Konfession als Distinktionsmittel eine Rolle spielte, ist nur schwer aus den Quellen zu entnehmen. Während in den Niederlanden die ‚Toleranz‘ gegenüber Katholiken bis hin zur Abhaltung von Messen in Privathäusern reichte – insofern diese nicht das öffentliche Leben beeinträchtigten – und die Anwesenheit von katholischen Priestern in der Gemeinde gegen einen zu zahlenden Geldbetrag akzeptiert wurde71, stellte die Kompanie diesbezüglich deutlich weniger Spielraum zur Verfügung. Die Ausübung des katholischen Glaubens war ebenso untersagt wie die Anwesenheit von geweihten Priestern auf den Schiffen.72 Seelsorge, Beichte oder gar die im Todesfalle so wichtige letzte Ölung konnten während der gefahrvollen Seereise also nicht erteilt werden, was eine unmittelbare Bedrohung für das Seelenheil eines jeden Katholiken darstellte. Die Zahl der katholischen VOC-Reisenden war daher wohl verschwindend gering, weswegen diese als für die Zusammensetzung der ‚Bordgesellschaft‘ unerheblich eingestuft werden können. Keiner der hier untersuchten Reiseberichte stammt aus katholischer Feder.

Tatsächlich nehmen Religion und Konfession in keiner betrachteten Quelle eine prominente Rolle ein. Einzig das Vertrauen auf die schützende Hand Gottes ist bei Gefahrensituationen allen Berichten gemein.73 Nur in Ausnahmefällen stach die Religion als Spezifikum hervor, etwa wenn Barchewitz berichtet, wie ein Soldat (sic!) zu 25 Jahren Kettenhaft verurteilt wurde, nachdem er einen Pakt mit dem Teufel eingegangen sei, das entsprechende Schriftstück aber an einen Offizier gelangt war.74 Singulär in den untersuchten Berichten ist auch die Beschwerde David Tappes, nach welcher die calvinistischen Pfarrer an Bord bei der Krankenpflege merklich zwischen den mehrheitlich niederländisch-calvinistischen Matrosen und den vor allem deutsch-lutherischen Soldaten differenzierten.75

Der Einfluss des Glaubens auf die Zusammensetzung der Mannschaften war folglich substantiell, die Rolle der Konfession im Alltag auf See wurde demgegenüber aber nur selten aufgegriffen und muss zunächst im Bereich der Mutmaßungen verbleiben. Eine Unterteilung der Mannschaft fand wohl weniger aufgrund der Konfession, sondern viel eher auf der Basis der Beurteilung von gottgefälligem oder gottlosem Handeln statt – ein Zusammenhang, der besonders im Bereich der Sprache immer wieder augenfällig wird.

5.4 Sprache und Rituale

Die von der Kompanie verordnete Amts- und Kommandosprache an Bord, das Niederländische, stellte insbesondere jene Männer vor eine Herausforderung, die sich noch nicht lange in den Niederlanden aufgehalten hatten. Aber auch solche, die bereits seit vielen Wochen auf das Auslaufen einer Flotte warteten, taten sich mit dieser Hürde bisweilen schwer. Beaulieu stellte anschaulich heraus, dass viele Deutsche die Sprache des Nachbarlandes lediglich als Dialekt der eigenen Mundart verstanden, was vor Ort zu allerlei bösen Überraschungen führte.76 Einige mögen gar nur deshalb im Ostindienhaus der VOC gelandet sein, weil sie aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nirgends sonst Arbeit fanden. Spätestens auf dem Schiff musste dann aber jeder Soldat schnellstmöglich zumindest ein rudimentäres Verständnis der Sprache entwickeln. Insofern ist die Sprachbarriere zwischen Deutschen und Niederländern ein in den Berichten meist nur anfänglich auftauchendes Problem.

Demgegenüber versuchte der Großteil der Reisenden, die sprachliche Abgrenzung der Soldaten von nautischen ‚Bordgruppen‘ hervorzuheben.77 Sowohl den anderen Besatzungsmitgliedern gegenüber, als auch untereinander wurde vornehmlich bei den Matrosen ein spezifischer Sprachduktus ausgemacht, welcher sich der Empfindung vieler Schreiber nach stark von dem eigenen unterschied. Georg Meister schilderte insbesondere die Schimpfworttiraden, welche die Soldaten immer wieder über sich ergehen lassen mussten. „Schabe-Hälse“, „Land-Krebse“, „Muff Kunth“, oder – in Anspielung auf die Herkunft der jeweiligen Männer – „Nordscher Bock“ sind nur einige der immer wieder genutzten Bezeichnungen.78 ‚Typische‘ Gespräche zwischen Matrosen schrieben die Reisenden beispielhaft nieder, explizit um sich von diesen zu distanzieren. Insbesondere der Hang zum Fluchen und die Gottlosigkeit des Gesagten konnotierten und kommentierten die Männer durchweg negativ.79 Auch die Gesprächsthemen zwischen den „Schiff-Knechten“ wurden unter anderem von David Tappe immer wieder als gottloses Geschwätz abgetan.80

Nicht weniger befremdlich, wenn auch weit weniger negativ aufgeladen, erscheinen in den Reiseberichten der deutschen Soldaten die nautischen Rituale an Bord. Dennoch wurden auch hier häufig Pragmatismus und fehlender Gottesbezug moniert. Insbesondere die Seebestattung sei zu schmucklos und unpassend. Daniel Parthey beschrieb eine solche mit den Worten „Eins / Zwey / Drey! Welche drey Wörter an statt eines Sterb-Gesangs denen erblichenen Leibern dienen mussten.“81 Gleiches galt für die Äquatortaufe, einen initiierenden Ritus an Bord der Schiffe, der auf Höhe des Äquators abgehalten wurde und eine gute Weiterfahrt erwirken sollte. Baron Wollzogen beschrieb dies schlicht als eine „lächerliche Zeremonie“.82 Und auch die Spiele der Matrosen, die während der häufig erdrückenden Langeweile an Bord gespielt wurden, wirkten auf die meisten Soldaten gottlos – wohl auch weil diese oft auf Kosten der Soldaten gingen.83

Es erscheint also weniger die niederländische Sprache selbst in den Berichten problematisch, wenn auch durchaus Verständigungsprobleme vermutet werden müssen. Vielmehr war es die den Matrosen zugeschriebene Sprache, welche als schändlich wahrgenommen wurde. Textpassagen über die als gottlos empfundene Seemannszunge und die Werturteile über die an Bord abgehaltenen Rituale dienten dabei auch als Differenzierungsmechanismen, um die eigene Gruppe von der nautischen abzugrenzen.

5.5 Berufliche Antagonismen

Über explizite berufliche Antagonismen erfährt der Leser insgesamt jedoch weniger, als die negativen Zuschreibungen der deutschen Soldaten gegenüber den Matrosen vermuten lassen würden. Einige Schreiber entwickelten mitunter auch Mitgefühl für die Matrosen, wofür zum Beispiel Christoph Langhansz Bemerkung spricht, dass diese von den Schiffern wie „Sclaven“ gehalten würden.84 Aufgrund der vielfachen Beschreibungen der Zügellosigkeit der (wohl auch besonders kräftigen) Matrosen wird die harte Gangart der Schiffsoffiziere gegen diese Gruppe zumeist jedoch als nachvollziehbar dargestellt. Wenn innerhalb der Offiziersgruppe auch unabhängig von der landsmannschaftlichen Zugehörigkeit Freundschaften entstanden, so warfen die Militärs den Schiffern doch immer wieder Inkompetenz vor, sobald der Kurs verloren ging.85

Mit dem zunehmenden Personalbedarf der Kompanie ab der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde auch die Heuer von gänzlich unerfahrenen Männern als Soldaten immer häufiger. Während es gängige Praxis war, eigentlich dafür überqualifizierte deutsche Männer als Soldaten anzuheuern, um die Kommandoebene auf den Schiffen und in den Handelsniederlassungen – zumindest so weit wie möglich – niederländisch dominiert zu halten, häuften sich im weiteren Verlauf die Beschwerden über unerfahrene Männer an Bord.86 Dabei wurde nicht nur nicht nur deren erbärmlicher Zustand moniert87, sondern auch immer häufiger beschrieben, wie die Rekruten während der Überfahrt an Deck „exerciret“ werden mussten88 – eine Praxis, die das Eindringen der Militärs in den Arbeitsraum der Matrosen bedeutete.89 Auf der Basis der Negativstereotypisierung der Matrosen ist nur schwer vorstellbar, dass dies stets konfliktfrei ablief. In diesem Zusammenhang wäre ein Einblick in die Reisetagebücher von Matrosen und Schiffsoffizieren sicher ertragreich.

Ein letzter beruflich aufgeladener Aspekt, der jedoch gleichsam als ein aus Stereotypen entstandener literarischer Topos auftrat, ist der ‚weise Seemann‘. Die damit beschriebene Persönlichkeit – die aller Wahrscheinlichkeit nach in den meisten Fällen eine Amalgamierung verschiedener Bootsmänner und Matrosen darstellte – fällt immer wieder durch ihre für den Leser und den Autor gleichermaßen hilfreiche Exposition von nautischen Spezifika und außergewöhnlichen Naturschauspielen auf, sei es nun eine vermeintlich notwendige Erklärung des Steuermannhandwerks, oder die Beschreibung der Biologie des so häufig beobachteten fliegenden Fisches. Bei dieser Figur handelt es sich um die einzig durchweg positiv konnotierte nautische Persönlichkeit in den Berichten.90 Während die Bewunderung, die die Soldaten den Seeleuten ob ihres Wissens um das fremde Element entgegenbrachten, also sehr wahrscheinlich in dieser Figur ihren Ausdruck findet, blieb die ‚Bordgruppe‘ der Matrosen für die deutschen Reisenden zu großen Teilen negativ aufgeladen.

6. Zusammenfassung

Das in diesen Ausführungen vorgestellte Konzept der ‚Bordgesellschaft‘ basiert auf der Untersuchung veröffentlichter Reiseberichte deutscher Soldaten und kann daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit vertreten.91 Die angesprochenen Rubriken basieren in der Gesamtheit auf den in den Berichten mehrheitlich auftretenden subjektiven Erfahrungen und deren Deutung.

Für die meisten der als Soldaten bei der VOC angeheuerten deutschen Männer stellte die mehrmonatige Seereise die erste große Herausforderung und ein für die Dienstzeit prägendes Erlebnis dar. Die Reise auf dem Meer nahm daher in der Mehrzahl der Berichte eine exponierte Stellung ein. In diesem Zusammenhang kann durch das Konzept der ‚Bordgesellschaft‘, abgeleitet von der ‚Lagergesellschaft‘ nach Bernhard R. Kroener, die während der Reisemonate etablierte Hierarchie ebenso beschrieben werden wie die soziale Wechselwirkung zwischen den beruflich zentrierten ‚Bordgruppen‘ und die Interaktion der einzelnen Besatzungsmitglieder.

Anders als in der ‚Lagergesellschaft‘ können Familienbande in den meisten Fällen nicht nachgewiesen werden. Dies erklärt sich dadurch, dass die Arbeit für die VOC ebenso wie die Dauer der Überfahrt in den meisten Fällen zeitlich klar begrenzt war, und die Frau als Faktor nahezu keine Rolle spielte. Ein weiteres Charakteristikum der Bordgesellschaft war, dass die im Zuge der Personalpolitik und des hohen Personalbedarfs der Kompanie entstandene Diversität auf den Transportschiffen weit weniger durch die Heterogenität der landsmannschaftlichen Zusammengehörigkeit, sondern mehr durch die Identifikation mit der eigenen Berufsgruppe und der Negativstereotypisierung der jeweils anderen geprägt war. Die negativ belastete Verallgemeinerung vor allem der Matrosen findet in den Berichten somit weniger über die protonationale Zugehörigkeit, sondern durch davon unabhängige Differenzierungsmechanismen statt. Ein landsmannschaftlicher Gegensatz, besonders zwischen Deutschen und Niederländern, taucht lediglich randständig in den Berichten auf. Der Umstand, dass die Heterogenität der einzelnen ‚Bordgruppen‘ für sich – also zum Beispiel die landsmannschaftliche Heterogenität der Soldatengruppe – in den Berichten kaum bis gar nicht thematisiert wird, stützt diese Beobachtung.

  • 1. Ausführlicher dazu vgl. Matthias Asche, Bellizität, Staat und Migration im Alten Reich. In: Jochen Oltmer (Hrsg.), Handbuch Staatd und Migration in Deutschland seit dem 17. Jahrhundert, Berlin 2016, S. 87-116.
  • 2. Vgl. beispielsweise Femme S. Gaastra, De geschiedenis van de VOC, Zutphen 1991.
  • 3. Diese werden auch als Vorkompanien bezeichnet und hatten Niederlassungen in Amsterdam, Middelburg / Zeeland, Hoorn, Enkhuizen, Delft und Rotterdam, vgl. Roelof van Gelder, Das ostindische Abenteuer. Deutsche in Diensten der Vereinigten Ostindischen Kompanie der Niederlande (VOC) 1600 – 1800, Hamburg 1997/2004, S. 27f.
  • 4. Der Begriff ‚Ostindien‘ umfasste ein Gebiet, welches sich, beginnend am Kap der Guten Hoffnung, nach Osten bis hin zur Magellanstraße erstreckte, vgl. Peter Kirsch, Die Reise nach Batavia. Deutsche Abenteurer in Ostindien 1609 bis 1695, Hamburg 1994, S. 42.
  • 5. Zunächst beinhaltete das Oktroi ein vorläufiges Handelsmonopol für ganz Ostindien, welches aber in unregelmäßigen Abständen gegen immense Zahlungen – 1602 noch 25000 Gulden, 1697 schließlich 3 Million Gulden – verlängert wurde. Zudem war die VOC zur Führung von Kriegen, zur Befestigung ganzer Landstriche, zu Verhandlungen mit indigenen Völkern und Feinden der Niederlande, wie auch zur Einstellung von Personal in großem Umfang und der – wenn nötig – gewaltsamen Abschließung von Handelsverträgen mit den lokalen Machthabern befugt, vgl. Gelder, Das ostindische Abenteuer, S. 28.
  • 6. Der erste niederländische Generalgouverneur für Ostindien, Pieter Both, traf erst 1611 in Ostindien ein. Er sollte das Gewürzmonopol auf den Banda-Inseln gewaltsam durchsetzen und löste den bis dahin kommandierenden Flottenadmiral ab, vgl. Johann Verken, Eylffter Schiffart ander Theil / Oder Kurtzer Verfolg vnd Continuierung der Reyse, Frankfurt a.M. 1613, S. 28; zusammenfassend Kirsch, Die Reise nach Batavia , S. 232.
  • 7. Erst habe die Kompanie versucht, auf diplomatischem Wege das Vertrauen der Einheimischen zu gewinnen. Unmittelbar nach der Erfahrung von Gewalt gegen die Führungspersonen vor Ort seien die Interessen der Kompanie aber mit Waffengewalt durchgesetzt worden, vgl. Johann Verken, Eylffte Schiffart / Oder Kurtze Beschreibung einer Reyse, 1612 S. 93-98; vgl. ders., Eylffter Schiffart ander Theil , S. 5f.
  • 8. Johann Schreyer, Neue Ost-Indianische Reisz-Beschreibung / Von Anno 1669. biß 1677., Leipzig 1681, S. 2.
  • 9. Vgl. Kirsch, Die Reise nach Batavia, S. 15f.
  • 10. Auch wenn sich die Dividenden der ersten Jahre als überaus enttäuschend herausstellten, entwickelte sich die Investition in die Kompanie binnen kurzer Zeit zu einem lukrativen Geschäft. In den ersten acht Jahren konnten bereits 55 Schiffe ausgerüstet werden. Die jährliche Dividende pendelte sich bei etwa 18% ein, vgl. ebd. S. 43.
  • 11. Vgl. Gelder, Das ostindische Abenteuer, S. 29.
  • 12. Vgl. ebd., S. 30.
  • 13. Vgl. ebd., S. 30f. Es wird die Vermutung geäußert, dass die Korruption, von den Bediensteten als vielversprechende Möglichkeit zur Selbstbereicherung angesehen, einer der Hauptgründe für das Fortbestehen der VOC gewesen sein könnte.
  • 14. Die Zahl der Beschäftigen schwankte dabei je nach Kammer zwischen 200 und 1300, wobei Amsterdam die höchste Zahl Bediensteter unterhielt, vgl. ebd., S. 32.
  • 15. Femme S. Gaastra zeichnet einen kontinuierlichen Anstieg des VOC-Personals, über etwa 18.000 Personen im Jahr 1700, bis zum Hochpunkt 1753 (25.000), gefolgt von einem Abfall der Beschäftigtenzahlen auf 18.500 im Jahr 1780. Den Großteil der Bediensteten stellen dabei die bewaffneten Garnisons- und Eingreiftruppen, vgl. Gaastra, De geschiedenis van de VOC, S. 85f.
  • 16. Ausgegangen wird von 973.000 Personen, die zwischen 1602 und 1798 nach Ostindien verschifft wurden. Davon kehrten laut Schätzungen nur etwa 366.900 zurück, vgl. Jaap R. Brujin / Femme S. Gaastra / Ivo Schöffer, Dutch-Asiatic Shipping in the 17th and 18th Centuries: Outward-bound voyages from the Netherlands to Asia and the Cape (1595-1794), Den Haag 1979, S. 144.
  • 17. Vgl. Gaastra, De geschiedenis van de VOC, S. 81.
  • 18. Nicolas de Graaf fuhr als Wundarzt zwischen 1639 und 1683 fünfmal für die VOC nach Ostindien.
  • 19. Die letzten Bezeichnungen lassen bereits den vorherrschenden negativen Einschlag erkennen. Es handelt sich um häufig verwendete Beleidigungsformen, vgl. Nicolas de Graaf, Oostindise Spiegel. Hrsg. v. J.C.M. Warnsinck, Den Haag 1930, S. 47.
  • 20. Vgl. Gelder, Das ostindische Abenteuer, S. 50 f.
  • 21. Vgl. Johann Heinrich Schröder, Der Seefahrer, Leipzig 1749, S. 4.
  • 22. Vgl. ebd.
  • 23. Daniel Parthey, Ost=Indianische und Persianische Neun=jährige Kriegs=Dienste, Nürnberg 1698, S. 8.
  • 24. David Tappe, Funffzehen Jährige Curiose und denkwürdige auch sehr gefährliche Ost=Indianische Reise=Beschreibung, Hannover und Wolfenbüttel 1704, S. 1. In Anspielung auf die mit Kalbfellen bespannten Trommeln der militärischen Werber.
  • 25. Tappe, Ost=Indianische Reise=Beschreibung, S. 1f.
  • 26. Ältere, Gesetztheit und Würde ausstrahlende Frau.
  • 27. Vgl. Christoph Frik, Ost-Indianische Räysen und Krieges-Dienste, Ulm 1692, S. 3f.
  • 28. Vgl. Bernhard R. Kroener, „…und ist jammer nit zu beschreiben.“ Geschlechterbeziehungen und Überlebensstrategien in der Lagergesellschaft des Dreißigjährigen Krieges. In: Karen Hagemann; Ralf Pröve (Hrsg.), Landsknechte, Soldatenfrauen und Nationalkrieger. Militär, Krieg und Geschlechterordnung im historischen Wandel, Frankfurt a.M. 1998, S. 284.
  • 29. In diesem Zusammenhang vgl. unter anderem auch Ralf Pröve, Landsknechte, Huren und Marketender. Heer und Tross um Dreißigjährigen Krieg. In: Pax Geschichte 1 Heft 1 (2007), S. 26-31.
  • 30. Vgl. Kroener, „…und ist jammer nit zu beschreiben.“, S. 287.
  • 31. Vgl. ebd.
  • 32. Vgl. ebd., S. 284.
  • 33. Vgl. ebd., S. 187.
  • 34. Mit einer Mitfahrerlaubnis ausgestattete Privatpersonen.
  • 35. Küfer.
  • 36. Ein Unteroffiziersrang.
  • 37. Christoph Schweitzer, Christoph Schweitzers württemb. Journal- und Tage=Buch Seiner Sechs=Jährigen Ost=Indianischen Reise, Tübingen 1688, S. 3.
  • 38. Da die Geistlichen eine funktionale Rolle an Bord erfüllten und neben dieser häufig als Krankenpfleger in Erscheinung traten, lassen sie sich eher der ‚Bordgruppe‘ der Handwerker, als der Gruppe der privaten Passagiere zuordnen.
  • 39. Vgl. Christoph Langhansz, Neue Ost-Indische Reise, Leipzig 1705, S. 6.
  • 40. Eigentlich die Versammlung aller Provinzial-Staaten der Niederlande, hier eher die Versammlung der Entscheidungsträger im Ostindienhaus der Kompanie während der Heuer, vgl. Vergaderung, in: Johann Heinrich Zedler (Hrsg.), Grosses vollständiges Universallexicon aller Wissenschafften und Künste, Bd. 47, Leipzig 1746, Spalte 618 https://www.zedler-lexikon.de/ (letzter Zugriff 08.07.2018).
  • 41. Vgl. Christoph Langhansz, Neue Ost-Indische Reise, S. 6f.
  • 42. „Auf unserer Flotte waren auch 6. holländische Weibes-Personen vertheilet, welche entweder ihre Curiosität, oder sonst etwas anders bewogen, sich in Mannes-Kleider zu verstecken, theils vor Matrosen, theils aber vor Soldaten auf dem Ost-Indianischen Hause in Holland Dienste zu nehmen, und mit nach Batavia zu fahren. Nachdem sie aber in dieser Stadt angelanget, hatten sie die Manns-Kleider wieder von sich geworffen, und hingegen weibliche angezogen, in Meynung, nunmehr ohne jemandes Anspruch in Indien zu bleiben; Allein der Herr Gouverneur-General hatte sie bey den Köpffen nehmen lassen, und schickte sie mit uns nach Holland zurück.“ Ernst C. Barchewitz, Allerneuste und wahrhaffte Ost=Indianische Reise=Beschreibung, Chemnitz 1730, S. 609.
  • 43. In diesem Fall beschrieb der Autor den Vorfall als „hazard“ der eher „sträflich als lobens werth“ sei, vgl. Barchewitz, Allerneuste und wahrhaffte Ost=Indianische Reise=Beschreibung, S. 609.
  • 44. In diesem Zusammenhang sei auch auf den Tagungsbericht des AMG zum Thema „Militär und Zeit in der frühen Neuzeit“ verwiesen, vgl. https://militarystudies.wordpress.com/2015/09/30/tagungsbericht-militaer... (letzter Zugriff: 15.06.2018).
  • 45. Beispielhaft: Christoph Frik 1680 bis 1685, Johann Verken 1607 bis 1612, Christoph Langhansz 1694 bis 1696, Daniel Parthey 1677 bis 1686.
  • 46. Peter Hagendorf nahm während des Dreißigjährigen Krieges erzwungenermaßen auf verschiedenen Seiten über mehr als zwanzig Jahre hinweg an Kampfhandlungen teil. Das ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit gedachte Tagebuch ermöglicht einen Einblick in die mit dem andauernden Kriegszustand einhergehenden psychischen Verrohung des Schreibers, die bei den hier untersuchten Reiseberichten nur in Ansätzen beobachtet werden kann, vgl. Jan Peters, Peter Hagendorf: Tagebuch eines Söldners aus dem Dreißigjährigen Krieg, Göttingen 2012.
  • 47. Je nach Witterung werden, wenn angemerkt, Segelzeiten zwischen vier und acht Monaten angegeben. Schweitzer beschreibt eine durchschnittliche Reisedauer von fünf Monaten und zwölf Tagen, vgl. Schweitzer, Journal- und Tage=Buch, S. 17.
  • 48. Zur Wechselwirkung von Erfahrungsraum und Erwartungshorizont vgl. Reinhart Koselleck, Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten, Frankfurt a.M. 1989, S. 352-359.
  • 49. Vgl. Johann von der Behr, Diarium, Oder Tage=Buch, Jena 1668, S. 4.
  • 50. Vgl. ebd., S. 4. Hier wird auf die Staatsform „Republic“ angespielt.
  • 51. Vgl. Schröder, Der Seefahrer, S. 6f.
  • 52. Zum Topos des Stereotypes in der Literatur vgl. unter anderem Ruth Florack, Bekannte Fremde. Zu Herkunft und Funktion nationaler Stereotype in der Literatur, Tübingen 2007, S. 39 und 59.
  • 53. Vgl. Barchewitz, Allerneuste und wahrhaffte Ost=Indianische Reise=Beschreibung, S. 22.
  • 54. Personen, die so lange Kost und Logis für den Reisenden stellten, bis dieser von der VOC gemustert und angeheuert wurde. Der Rekrut erhielt dabei von der Kompanie ein Handgeld und einen Transportbrief über 150 holländische Gulden, welche er dem „Seelenverkäufer“ als Zahlung für die erhaltene Dienstleistung überließ, der daraufhin nicht selten die Ausrüstung des Rekruten stellte, oft von minderer Qualität, um die Gewinnspanne zu erhöhen, mit welcher der Soldat an Bord ging. Nach einer festgelegten Zeit konnte der „Seelenverkäufer“, häufig ein Wirt, den Brief gegen die entsprechende Geldsumme eintauschen, insofern der zugehörige Soldat noch lebte, vgl. ausführlich Schweitzer, Journal- und Tage=Buch, S. 2. Ebenfalls sehr umfangreich vgl. Tappe, Ost=Indianische Reise=Beschreibung , S. 2. Auch Gelder, Das ostindische Abenteuer, S. 109f.
  • 55. Demnach sei der Niederländer damals als geizig, höflich, grausam, offen, tolerant, fleißig und neugierig eingeschätzt worden, vgl. Anja C. d. Beaulieu, Deutsche Reisende in den Niederlanden. Das Bild eines Nachbarn zwischen 1648 und 1795, Frankfurt a.M. 2000, S. 204-206.
  • 56. Vgl. Schröder, Der Seefahrer, S. 9.
  • 57. Ebd., S. 9.
  • 58. Vgl. Parthey, Ost=Indianische und Persianische Neun=jährige Kriegs=Dienste , S. 61.
  • 59. Vgl. Barchewitz, Allerneuste und wahrhaffte Ost=Indianische Reise=Beschreibung, S. 56.
  • 60. Trunksucht unter den Matrosen ist immer dann ein Thema in den Reiseberichten, wenn aufgrund von Festivitäten oder Zeremonien die reguläre Ration Alkohol erweitert wurde, vgl. Tappe, Ost=Indianische Reise=Beschreibung, S. 6.
  • 61. Vgl. auch Behr, Diarium, Oder Tage=Buch, S. 16.
  • 62. Vgl. Karl August Baron von Wollzogen, Briefe. In: Anon. (Hrsg.), Briefe des Herrn von Wurmb und des Herrn Baron von Wollzogen auf ihren Reisen nach Afrika und Ostindien in den Jahren 1774 bis 1792, Gotha 1794, S. 277-430, S. 298.
  • 63. Vgl. Karl Friedrich Baron von Wurmb, Briefe. In: ebd., S. 1-276, S. 35.
  • 64. Eindrucksvolle Beschreibungen von Strafen, die weit über das Auspeitschen des Beschuldigten hinausgehen, vor allem bei Behr, Diarium, Oder Tage=Buch, S. 14.
  • 65. Wurmb, Briefe, S. 35.
  • 66. Vgl. Wollzogen, Briefe, S. 281.
  • 67. Vgl. Barchewitz, Allerneuste und wahrhaffte Ost=Indianische Reise=Beschreibung, S. 51.
  • 68. Vgl. ebd., S. 639.
  • 69. Vgl. Wollzogen, Briefe, S. 291.
  • 70. Vgl. Tappe, Ost=Indianische Reise=Beschreibung, S. 6.
  • 71. Ausführlich in Beaulieu, Deutsche Reisende in den Niederlanden S. 155f.
  • 72. Vgl. Gelder, Das ostindische Abenteuer, S. 55.
  • 73. Zum Beispiel bei Schröder, Der Seefahrer, S. 26; Schweitzer, Journal- und Tage=Buch, S. 10f.; Frik, Ost-Indianische Räysen und Krieges-Dienste, S. 35.
  • 74. Vgl. Barchewitz, Allerneuste und wahrhaffte Ost=Indianische Reise=Beschreibung, S. 177f.
  • 75. Vgl. Tappe, Ost=Indianische Reise=Beschreibung, S. 9.
  • 76. Vgl. Beaulieu, Deutsche Reisende in den Niederlanden, S. 210.
  • 77. Zudem bemühen sich die Schreiber stets um die Auflösung erstmalig auftauchender nautischer Begriffe, um dem Leser die fremde Lebenswelt verständlich zu machen, vgl. unter anderem Martin Wintergerst, Der Durch Europam lauffende / durch Asiam fahrende / an Americam und Africam anländende / und in Ost-Indien lange Zeit gebliebene Schwabe: Oder Reißbeschschreibung, Wittenberg 1713, S. 9.
  • 78. Georg Meister, Der Orientalisch-Indianische Kunst- und Lust-Gärtner, Dresden 1692, S. 108f.
  • 79. Vgl. ebd., S. 13.
  • 80. Vgl. Tappe, Ost=Indianische Reise=Beschreibung, S. 19.
  • 81. Parthey, Ost=Indianische und Persianische Neun=jährige Kriegs=Dienste, S. 21.
  • 82. Vgl. Wollzogen, Briefe, S. 291.
  • 83. Prominente Beispiele sind hier das „Müller-Spiel“, das „Orgel-Spiel“ oder das „Schmiede-Spiel“. Die leitenden Personen gehen dabei durchaus sehr rabiat mit den Mitspielern um, wobei sich auffallend oft Soldaten in den besonders unangenehmen Rollen wiederfanden, vgl. Tappe, Ost=Indianische Reise=Beschreibung, S. 20-25.
  • 84. Vgl. Langhansz, Neue Ost-Indische Reise, S. 415.
  • 85. Vgl. Wollzogen, Briefe, S. 429. Ein Umstand, der wiederum von den Soldaten als irritierend wahrgenommen wurde, da auf diese Weise die Autorität der Schiffsoffiziere massiv untergraben worden zu sein scheint.
  • 86. Daniel Parthey beschrieb rückblickend, wie sich kein einziger Deutscher in höherer Position auf dem Schiff befand, vgl. Parthey, Ost=Indianische und Persianische Neun=jährige Kriegs=Dienste, S. 9. Dies lag wohl in dem Versuch der Kompanie begründet, die Interessen der Kompanie durch die Besetzung kommandierender Positionen mit Landsleuten einfacher durchsetzen zu können.
  • 87. Vgl. Albrecht Herport, Eine kurtze Ost-Indianische Reiß=Beschreibung, Bern 1669, S. 3.
  • 88. Vgl. Behr, Diarium, Oder Tage=Buch, S. 16.
  • 89. Vgl. auch Wollzogen, Briefe, S. 287.
  • 90. Vgl. Herport, Eine kurtze Ost-Indianische Reiß=Beschreibung, S. 10; S. 18, vgl. auch Barchewitz, Allerneuste und wahrhaffte Ost=Indianische Reise=Beschreibung, S. 353.
  • 91. Das Bild könnte durch die Hinzuziehung vergleichbarer Berichte von Seiten der bisher vor allem durch Fremdbeschreibung erschienenen Matrosen und der englischen und französischen Überlieferung abgerundet werden.
Conrad Kunze

Zitierempfehlung

Marco Kollenberg, Wahrnehmung und Deutung von Diversität und Alterität in den Reiseberichten deutscher Soldaten im Dienste der Vereinigten Ostindischen Kompanie der Niederlande (VOC). Beobachtungen zur ‚Bordgesellschaft‘ des 17. und 18. Jahrhunderts. . Schwerpunkt Diversität im Militär, hg. v. Sönke Neitzel, in: Portal Militärgeschichte, 16. Juli 2018, URL: http://portal-militaergeschichte.de/VOC_Kollenberg. (Bitte fügen Sie in Klammern das Datum des letzten Aufrufs dieser Seite hinzu.)

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