Daniel R. Bonenkamp/Takuma Melber

In der allerersten Ausgabe des AKM-Newsletters betonte der damals Erste Vorsitzende des AKM, Prof. Wilhelm Deist, „[…] daß die Gründung des Arbeitskreises einem tatsächlichen Bedürfnis entsprach. Nun gilt es, den geschaffenen Rahmen mit Leben zu erfüllen. Mit Ihrer aktiven – darauf sind wir angewiesen – aktiven Teilnahme an der Gestaltung des wissenschaftlichen Forums, als das sich der Arbeitskreis versteht, sollte und wird uns das gelingen. Es wird u.a. auch darauf ankommen, die Vielgestaltigkeit der militärgeschichtlichen Fragestellung und der sich daraus ergebenden neuen und interessanten Untersuchungsfelder immer wieder zu betonen und in den Vordergrund zu rücken.“1

Diese auf den 18. Dezember 1995 datierten Worte stammen aus einer Zeit, als weltweit den Opfern des Zweiten Weltkrieges 50 Jahre nach Kriegsende gedacht wurde und der damals amtierende US-Präsident Bill Clinton die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Vietnam 20 Jahre nach dem Vietnamkrieg beschloss. 1995 war auch das Jahr, als mit dem „Massaker von Srebrenica“ ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und das größte Kriegsverbrechen auf europäischem Boden seit Ende des Zweiten Weltkrieges stattfand. Dies waren nur einige der zu jener Zeit tagesaktuellen militärgeschichtlichen Themen im Jahr 1995 – einer Zeit, als an wissenschaftliche Onlineportale noch nicht zu denken und das Internet allgemein „in den Kinderschuhen“ steckte. Im 21. Jahrhundert kaum mehr vorstellbar, waren Beitragstexte für den AKM-Newsletter Mitte der 1990er-Jahre noch auf Diskette einzureichen.

Heute, im September 2020 und zu einer Zeit, in der die Covid19-Pandemie die ganze Welt in Atem hält, kann mit einem gewissen Stolz auf „25 Jahre Arbeitskreis Militärgeschichte e.V. (1995-2020)“ zurückgeblickt werden. Dass sich die im ersten AKM-Newsletter unter der Rubrik „Le mot du Président“ (dt. Das Wort des Vorsitzenden) erschienen obigen Zeilen Wilhelm Deists bewahrheitet haben, lässt sich ein Vierteljahrhundert nach Gründung des AKM konstatieren: Der in Form eines eingetragenen Vereins ins Leben gerufene Arbeitskreis Militärgeschichte e.V., der sich seit Bestehen als Wissenschaftsforum und Forschungsnetzwerk von Militärhistorikerinnen und Militärhistorikern versteht, ist heute ein fest etablierter, nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft. Militärgeschichtliche Themen wurden und werden im regionalen und epochalen Längs- und Querschnitt unter Berücksichtigung allen Facettenreichtums und mitunter interdisziplinär im Rahmen des Arbeitskreises wissenschaftlich diskutiert, erörtert, präsentiert und publiziert. Vorneweg sind die als „Kernveranstaltung“ des AKM alljährlich stattfindenden Jahrestagungen zu nennen, die stets auf äußerst relevante Themen militärgeschichtlicher Forschung fokussier(t)en. Exemplarisch aufgeführt seien hier die AKM-Jahrestagung definitorischen Charakters „Was ist Militärgeschichte?“ aus dem Jahr 1998, die nach „Gewaltkulturen“ fragende „Kriegsgreuel“-Tagung aus dem Jahr 2005 oder auch die Konferenz „Konfliktlandschaften. Militärgeschichte im interdisziplinären Dialog“ von 2018, welche – wie der Titel schon vermuten lässt – wie die meisten AKM-Tagungen und -Workshops interdisziplinärer Couleur war.2 Zahlreiche Publikationen im Bereich der Militärgeschichte würden heute ohne den AKM, die Forschungen und Aktivitäten seiner Mitglieder kaum existieren – verwiesen sei hier beispielsweise auf die 37 von 1995 bis 2011 in gedruckter Form erschienenen Ausgaben des AKM-Newsletters mit Aufsätzen, Miszellen und Projektbeschreibungen, auf das als „Newsletter-Nachfolger“ zu verstehende wissenschaftliche Onlineportal „Portal Militärgeschichte“ oder die militärhistorische Buchreihe „Krieg in der Geschichte“3. Auch die Förderung militärhistorisch orientierter Nachwuchshistorikerinnen und -historiker ist ein wesentliches Charakteristikum des AKM und ein Anliegen, dem insbesondere mit dem seit 2006 verliehenen Wilhelm-Deist-Preis für Militärgeschichte Ausdruck verliehen wird. Zu den lebensfüllenden Aktivitäten des heute knapp 500 Mitglieder zählenden AKM gehören ferner Exkursionen an militärhistorische Erinnerungsorte (z.B. an den Isonzo, in die Normandie oder nach Tannenberg).4

Aufgrund der weiterhin anhaltenden Covid19-Pandemie mit all ihren Konsequenzen kann es im AKM-Jubiläumsjahr 2020 bedauerlicherweise keine Jahrestagung geben. Die Feierlichkeiten anlässlich „25 Jahre Arbeitskreis Militärgeschichte e.V. (1995-2020) müssen gebührlich bei der AKM-Jahrestagung „Ordnung und Gewalt. Wechselwirkungen zwischen Militär und Politik von der Antike bis heute“ Ende März 2021 in Potsdam nachgeholt werden. Die von Dr. Wencke Meteling und Dr. Christoph Nübel – beide im AKM-Vorstand und der Redaktion des Portal Militärgeschichte aktiv – organisierte Jahrestagung wird in Kooperation mit dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) stattfinden, was auch und gerade angesichts der 25-jährigen Historie und mit Blick auf die Anfänge des AKM kaum passender sein könnte.

Die Redaktion des Portal Militärgeschichte trägt in den kommenden Monaten mittels einer von Daniel R. Bonenkamp, M.A. und Dr. Takuma Melber konzipierten und durchgeführten Interviewreihe dem 25-jährigen AKM-Jubiläum Rechnung. In den Interviews werden Protagonisten, (ehemalige) AKM-(Vorstands)Mitglieder, Wegbegleiter, Kooperationspartner sowie Freunde und Förderer des AKM zu Wort kommen, um gemeinsam mit der Redaktion auf ein Vierteljahrhundert Arbeitskreis Militärgeschichte e.V. zu blicken, an gewisse AKM-Ereignisse, -Aktivitäten und -Anekdoten zu erinnern, aber auch einen Ausblick auf die Zukunft des Arbeitskreises zu werfen. Natürlich werden auch militärgeschichtliche Fragestellungen ein wesentlicher Bestandteil der Interviewreihe sein.

Stellvertretend für die gesamte Redaktion des Portal Militärgeschichte wünschen wir in den nächsten Monaten eine spannende, freudige und erkenntnisreiche Interviewlektüre.

Daniel R. Bonenkamp und Takuma Melber

Artikeltyp: 
Takuma Melber
Veröffentlicht am: 
Montag, 14. September 2020 - 8:17