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Friedens- und Kriegserfahrung im bayerischen Offizierskorps 1815-1866

Von: 
Gundula Gahlen
Das Bild zeigt das Münchner Siegestor

Emil Kühlmann, der 1848 im Zuge der Mobilisierung aus dem Zivilstand als Unterleutnant angestellt worden war, schrieb über seine Gefühle bei der Demobilisierung 1850 in sein Tagebuch:

„Was meine Person betrifft, so war ich zwar durch den in Folge der Mobilmachung am 21sten November 1850 erschienenen Armeebefehl definitiv als Unterlieutenant mit dem Range vom 21sten August 1848 angestellt worden, doch konnte die Freude darüber ein wehmüthiges Gefühl nicht ganz bemeistern, als die Geschütze, ohne gebraucht worden zu sein, großentheils wieder von den Wällen entfernt u. im Zeughause geborgen wurden; war doch die Hoffnung auf kriegerische Thätigkeit u. mithin auch auf Auszeichnung u. weiteres Avancement wieder in nebelgraue Ferne entschwunden!" 1

Aus dem Zitat Emil Kühlmanns, der von den Offiziersernennungen im Zuge der Mobilmachung des bayerischen Heeres 1848 profitiert hatte 2, wird deutlich, dass er sich nach der Demobilisierung wieder auf einen langen Frieden einstellte. Er sah die Chancen auf Krieg „in nebelgraue Ferne entschwunden". Wehmut befiel ihn, weil damit drei Hoffnungen zerstoben: die Hoffnung auf kriegerische Tätigkeit, auf Auszeichnung und auf weiteres Avancement, das heißt auf einen weiteren Aufstieg in der Offizierslaufbahn. Implizit wird klar, dass sich Kühlmann auf einen Garnisonsdienst, der seiner Meinung nach kaum Möglichkeiten bot, sich hervorzutun, sowie auf ein schleppendes Beförderungsprocedere einstellte.

Diese Wahrnehmung von Krieg und Frieden war typisch für einen großen Teil der bayerischen Offiziere zur Zeit des Deutschen Bundes, wenn sie auch nicht die einzige Auffassung darstellte, wie im Folgenden deutlich werden wird. Die Zeit des Deutschen Bundes, von 1815 bis zum Vorabend des Krieges von 1866, stellte für Bayern nach den vorherigen zwölf Kriegsjahren eine weitgehende Friedensperiode dar. Es kam lediglich zu einigen General-Mobilmachungen in den Jahren 1848, 1859 und schließlich 1866, die jeweils zu schubartigen Heeresvergrößerungen führten. Daneben fanden einige beschränkte Militäreinsätze statt: die Entsendung eines Hilfskorps nach Griechenland in den Jahren 1832-1835 3, Assistenzeinsätze in Südwestdeutschland im Jahre 1848/49 4, der Feldzug in Schleswig-Holstein 1849 und die Stellungnahme gegen Preußen im Verfassungskonflikt um Kurhessen im Jahre 1850. 5

Die Analyse der Friedens- und Kriegserfahrung im bayerischen Offizierskorps 6zur Zeit des Deutschen Bundes beginnt mit ihren Friedenserfahrungen. Hier werden im Sinne des wissenssoziologischen Erfahrungsansatzes die Wahrnehmungen und Deutungen der bayerischen Offiziere der Friedenszeit behandelt. Erfahrung wird dabei nicht als ein spezifischer Ausdruck unmittelbaren individualistischen Erlebens begriffen, sondern als Prozess, der sich auf unterschiedlichen und zugleich eng aufeinander bezogenen Ebenen vollzieht. Jede Erfahrung greift in ihrer Struktur und Sinnstiftungsfunktion auf die diskursiv zugänglichen Bestände kulturellen Wissens zurück. Anschließend strukturiert der jeweils aktuelle Deutungskontext die gemachten Erfahrungen um und bringt veränderte Erinnerungen hervor. Dieses prozesshafte Verständnis von Erfahrung schließt individuelle Akteure und Institutionen, Vermittlungsinstanzen und Medien ein. Entsprechend sollen neben den Selbstzeugnissen auch die militärischen und öffentlichen Diskurse sowie das Verhalten der Offiziere in den Blick genommen werden. 7

Nachfolgend wird auf die Kriegserfahrung der bayerischen Offiziere zur Zeit des Deutschen Bundes eingegangen. Der Begriff Erfahrung wird hierbei in zweierlei Hinsicht verwendet. Zum einen wird der Blick auf die Deutungen der vergangenen Kriegszeit gerichtet. 8 Zum anderen galt Kriegserfahrung zeitgenössisch als Attribut von Offizieren, mit dem sie sich gegenüber Militärs, die über keinerlei entsprechende Erfahrung verfügten, abgrenzen konnten. In dieser Hinsicht wurde Kriegserfahrung zur Zeit des Deutschen Bundes ähnlich wie Bildung, körperliche Fitness und technisches Können als Charakteristikum eines Offiziers angesehen, das wesentlich seinen Wert bestimmte. 9

Glaube an einen langen Frieden

Die Friedenserfahrung der bayerischen Offiziere wurde in entscheidendem Maße durch die bayerische Militärpolitik geprägt. Im Bewusstsein der Friedensordnung Europas von 1815, der defensiven Militärkonzeption sowie der für die Verteidigung und Status-quo-Sicherung eingerichteten Kriegsverfassung des damals neu gegründeten Deutschen Bundes schien es der bayerischen Regierung, dass ausreichend Vorkehrungen für etwaige militärische Auseinandersetzungen getroffen worden seien. Falls kriegerische Konflikte auftreten sollten, erwartete sie zeitlich und regional begrenzte Auseinandersetzungen. 10

Als Gliedstaat des Deutschen Bundes war Bayern in dessen kollektive Außen- und Sicherheitspolitik integriert. Nicht eigene militärische Stärke, sondern dieser Bund war in der politischen Vorstellungswelt der Wittelsbacher Monarchen die Institution, die die souveräne Eigenstaatlichkeit des bayerischen Königreichs ermöglichte und garantierte. 11

Erstrangige Aufgaben nach 1815 waren die Sanierung der Finanzen sowie die innere und äußere Neugestaltung und Integration des durch die Napoleonischen Kriege hoch verschuldeten Staates. Das infolge der Kriege unter der Militärdiktatur Napoleons neu geschaffene Königreich Bayern umfasste am Ende der Napoleonischen Ära ein stark vergrößertes, weitgehend arrondiertes Gebiet 12, war aber dem Staatsbankrott nahe. 13 Entsprechend setzte sich in Bayern zur Zeit des Deutschen Bundes die Tendenz durch, abzurüsten und den Heeresetat stetig zu kürzen. Die brisantesten Folgen der Kürzungen im Militärbudget waren sinkende Präsenzstärken der Truppe, ein Mangel an brauchbarem Kriegsmaterial und die Verschlechterung der militärischen Ausbildung. Verschiedene Reformansätze zwischen 1830 und 1866 blieben aus Kostengründen weitgehend stecken. Das bayerische Heer geriet in einen zunehmend schlechteren Zustand. Im Feldzug von 1866 trat seine Kriegsuntüchtigkeit überdeutlich zu Tage. 14

Bei diesem Blick auf den bayerischen Fall ist hervorzuheben, dass nach 1815 in den Beziehungen aller deutschen wie auch europäischen Staaten das Gewicht des Militärs relativ gering war. Der Deutsche Bund hielt sein Heer lediglich auf einem für die Verteidigung angemessenen Stand. Die militärische Selbstbeschränkung sollte die Außenbeziehungen des Bundes beruhigen und die Kosten der Einzelstaaten zügeln. 15 Alle Staaten mussten in den Jahrzehnten nach 1815 in erster Linie die finanziellen Kriegsfolgen bewältigen und hierfür Sparmaßnahmen ergreifen. Erst nach der Jahrhundertmitte, insbesondere aber nach dem Krimkrieg seit 1854, als die Großmächte Österreich und Preußen zunehmend revisionistischen Einzelstaatsinteressen den Vorrang vor gemeineuropäischen einräumten, erhöhte sich das Gewicht des Militärs bei den Großmächten spürbar. Hingegen trat in den anderen Mittel- und Kleinstaaten keine wesentliche Änderung ein. 16

Frustration über die Friedensverhältnisse

Während der Glaube an einen langen Frieden bei den bayerischen Offizieren allgemein vorhanden war, war ihre Wahrnehmung und Bewertung dieses Friedens zweigeteilt. Ein großer Teil der Offiziere reagierte frustriert -- die Stimmung im Offizierskorps wurde vielfach als niedergeschlagen bezeichnet. 17 Diese Militärs betonten insbesondere die schlechten Beförderungsaussichten, einhergehend mit den geringen Löhnen in den niederen Offiziersdienstgraden, die Langeweile des Garnisonsdienstes und die geringen Chancen auf Auszeichnung.

Die unzureichenden Löhne in den niederen Offiziersdienstgraden und die kaum vorhandenen Beförderungsaussichten in der Friedenszeit waren drängende Sorgen der Offiziere zur Zeit des Deutschen Bundes. Beispielhaft sei ein bayerischer Hauptmann zitiert, der im Jahre 1821 über die Nöte, die die Offiziere in der Friedenszeit hatten, berichtete, dass

„[...] Verbesserung der Subsistenz im Allgemeinen ein sehnlicher Wunsch der Officire ist, indem die jetzigen 10 und 12jährigen Lieutenants laut jammern -- Was einmahl aus Ihnen werden könte; indem sie jetzt nur mit Entbehren jedes angenehmen Lebens Genusses nur kärglich leben; [...] Auch selbst mit der Hauptmanns Charge 2ter Classe, welche itzt für den Schluss der Militair Dauer für hunderte angesehen werden müsse, erhalte man nur karge Lebens Subsistens." 18

Die Offiziere stellten sich auf einen langen Frieden und ein anhaltendes schleppendes Beförderungsprocedere ein und befürchteten eine nur kärglich gesicherte finanzielle Lebensgrundlage. Diese Einschätzung war nicht übertrieben, sondern entsprach der Entwicklung im Vormärz recht genau. Angesichts der prekären Finanzlage des bayerischen Staates lautete das oberste Gebot, den Militäretat durch die Personalpolitik nicht zu belasten.19 Im Hinblick auf das Offizierskorps führte der Sparkurs zu der Strategie, Offiziere möglichst nicht in den Ruhestand zu versetzen und frei gewordene Stellen lange Zeit unbesetzt zu lassen. Dies bewirkte Überalterungstendenzen und einen Beförderungsstau bei einem Beförderungssystem, das weitgehend nach Anciennität 20geregelt war. 21 Zudem wirkte sich aus, dass die Offiziere aus den während der Befreiungskriege aufgestellten Mobilen Legionen beibehalten wurden, so dass das Offizierskorps nach 1815 eine Reihe „überzähliger" junger Männer aufwies. 22

In den direkten Nachkriegsjahren, als das Heer von 1815 an auf den Friedensstand reduziert wurde, waren die Beförderungschancen gleich Null. Doch auch in den nachfolgenden Jahren fielen die jährlichen Zugänge, Beförderungen und Abgänge aufgrund des kontinuierlichen Sparzwangs äußerst gering aus.23 Mehr als die Hälfte der im Vormärz dienenden Offiziere erreichte im Laufe ihrer Karriere nicht den Dienstgrad eines Hauptmanns 1. Klasse, ab welchem erst ein auskömmliches, standesgemäßes Leben möglich war. 24Selbst bei den Offizieren, die über 20 Jahre im Korps verblieben und daher als Berufsoffiziere angesehen werden können, verharrten fast 40 Prozent über ihre gesamte Dienstzeit in den Leutnantsrängen. 25 Und hier ermöglichten die Löhne lediglich das Überleben. 26 Entsprechend beklagte der Generalquartiermeister Karl von Baur (1771-1847) 1837, dass die jüngeren Offiziere in der bayerischen Armee nach dem bestehenden System zusammen mit den Veteranen ohne eine Chance auf eine Karriere alt und gebrechlich würden. 27

Zur Zeit des Deutschen Bundes fanden in Bayern nur bei den Mobilmachungen in den Krisenzeiten 1848/49, 1859 und 1866 gehäuft Rekrutierungen und Beförderungen statt. 28 Hierbei spielte das aus den Befreiungskriegen perpetuierte Leitbild eine entscheidende Rolle, dass eine Armee wie auch Offiziere kurzfristig aufgestellt werden und sich hervorragend bewähren könnten.29 So ergaben sich für die bayerischen Offiziere, die seit 1848 dienten, aufgrund der Mobilmachungen 1848/49, 1859 und 1866 gegenüber der Zeit des Vormärz innerhalb von 18 Jahren drei Situationen mit guten Beförderungschancen. In den zeitlichen Zwischenräumen zwischen diesen drei Beförderungsmomenten verbesserte sich die Beförderungshäufigkeit allerdings wenig gegenüber der Zeit vor 1847. Aber insgesamt wurden immerhin schnellere und höher hinaufreichende Karrieren möglich. 30

Die bayerischen Offiziere selbst schätzten indes ihre Karrierechancen seit 1848 nicht höher ein als im Vormärz. Das zeigen die Selbstzeugnisse wie auch die Tatsache, dass damals viele Offiziere nach wenigen Dienstjahren ihren Abschied nahmen. 31 Die dienenden Offiziere sahen, dass die Beförderungen lediglich den aktuellen Krisenlagen geschuldet waren. Nach Beendigung der jeweiligen Krise stellten sie sich wieder auf einen langen Frieden und damit zusammenhängend auf ein schleppendes Avancement ein. Neben den eingangs zitierten Ausführungen von Emil Kühlmann, der über die negative Auswirkung der Demobilisierung auf seine Beförderungschancen schrieb 32, sei der bayerische Offizier Ferdinand von Gumppenberg zitiert. In seinem Offiziersratgeber warnte er 1854, dass ein Offizier sich vor dem Ehrgeiz, „vorwärts zu kommen", hüten solle. Sonst müsse er „Tantalusqualen, zu denen er sich selbst verdammt hat", erleiden. 33 Und der Generalquartiermeister Anton von der Mark sah noch 1857 das langsame Avancement in den niederen Offiziersdienstgraden als eines der schwerwiegendsten Probleme in der Armee an. 34

Zu dieser Einschätzung kam sicherlich hinzu, dass in Bayern nach Krisenjahren generell die Anzahl der Offiziersstellen leicht sank. 35 Diesen Umstand kommentierte Unterleutnant Emil Kühlmann mit Blick auf die Jahre 1848/49 in seinem Tagebuch wie folgt:

„Läßt sich auch die Zweckmäßigkeit dieser Maßregel vom ökonomischen Standpunkte aus sehr begreiflich finden, so werden doch die Offiziere hart davon getroffen u. es darf zu den trübsten Seiten des Militärstandes gerechnet werden, daß es sein Los von jeher war u. bleiben wird, sich hintangesetzt u. verkürzt zu sehen, sobald die Tage der Gefahr vorüber sind." 36

Die Masse der Offiziere befand sich aufgrund der schlechten Beförderungsverhältnisse und der geringen Gehälter in einer wirtschaftlich angespannten Lage. Gleichzeitig führten die Langeweile des Garnisonsdienstes und die geringen Chancen auf Auszeichnung zu Frustration. Die Zahl der in den Sitten- und Fähigkeitslisten als befähigt eingestuften Offiziere war bei weitem größer als die der vorhandenen höheren Stellen. Hinzu kam, dass in Bayern aus Kostengründen keine Militärakademie existierte und größere Manöver eine Seltenheit darstellten. 37Aufgrund der Friedenszeit und des niedrigen Präsenzbestandes bei der Mannschaft belief sich der Dienst außerhalb der Exerzierzeiten im Sommer im Allgemeinen auf lediglich zwei bis drei Stunden Routinetätigkeit pro Tag. 38 Die dienstlichen Anforderungen bestanden zum Großteil aus Wachdienst, Exerzieren und wenigen Gefechtsübungen 39, ohne dass die Offiziere mit den neuesten Waffen- und Kriegstechniken vertraut wurden. 40 Der Offizier Ferdinand von Gumppenberg lamentierte über den Dienst im Frieden: „Wenn aber Muth, Entschlossenheit, Umsicht und Intelligenz nicht erprobt und in Betracht gezogen werden können: was bleibt da für ein Maßstab für die Werthschätzung des Offiziers noch übrig, als der der Rangliste?" 41 Als seit der Jahrhundertmitte die Wirtschaftskraft in Bayern deutlich anstieg und sich vermehrt Erwerbsmöglichkeiten außerhalb des Militärdienstes eröffneten, nahmen Offiziere verstärkt ihren Abschied. 42

Der Beförderungsstau nach 1815 war allerdings keine Besonderheit der bayerischen Armee. In allen Armeen erfolgten nach den Napoleonischen Kriegen die Beförderungen ausgesprochen langsam. Besonders in Österreich, Sachsen und Württemberg stockten die Beförderungen aufgrund der Geldknappheit der Staaten in einer Weise, die mit der bayerischen durchaus vergleichbar war. 43Auch in Preußen verharrten die Stabsoffiziere und Generale, die in relativ jungen Jahren während des Krieges in diese Dienstgrade aufgestiegen waren, nach 1815 länger als normal in ihren Stellen. Den nachrückenden jungen Subalternoffizieren, die vielfach schon als „überzählige Offiziere" angetreten waren, war damit der Aufstieg über Jahrzehnte versperrt. 44 Grundlegend änderten sich die Verhältnisse erst mit der Roonschen Heeresreorganisation von 1861, als mit der Vergrößerung der preußischen Armee auch 1.345 neue Offiziersstellen geschaffen wurden. Damit beschleunigte sich für alle Offiziere das Avancement deutlich. 45

Sehnsucht nach dem Krieg

Wie ausgeführt identifizierten viele bayerische Offiziere zur Zeit des Deutschen Bundes den langen Frieden mit einem schleppenden Beförderungsprocedere, einer finanziellen Unterversorgung des Heeres, unzureichenden Löhnen und einem langweiligen Dienst. Entsprechend äußerten manche Offiziere Sehnsucht nach dem Krieg. Der Krieg bedeutete für diese Offiziere die Chance auf Karriere, Abenteuer und die Möglichkeit zum Erwerb von Ruhm und Ehre.

Eine solche Sehnsucht nach kriegerischer Betätigung zeigte sich besonders ausgeprägt bei den zahlreichen Offizieren, die sich freiwillig für das bayerische Griechenland-Abenteuer meldeten. Als 1832 der bayerische Prinz Otto die Königskrone von Griechenland erhielt und Ludwig I. ein bayerisches Heereskontingent zur Stützung seiner Regierung nach Griechenland entsandte, versuchten Offiziere in großer Zahl freiwillig beizutreten. Diese motivierten neben philhellenischer Begeisterung vorrangig die Hoffnung auf Karriere und Abenteuer sowie die Chance, den bayerischen Verhältnissen zu entkommen. [46

Ein Beispiel für die großen Karriereerwartungen der Offiziere ist das Bewerbungsgesuch eines 35-jährigen Unterleutnants und Regimentsadjutanten aus dem 11. Infanterieregiment, der schon 20 Jahre auf diesem Posten diente. Er schrieb:

„Die gegenwärtige Lage Griechenlands und die öffentlichen Blätter geben manchem Mann, der nicht Lust hat die schönsten Jahre seines Lebens stillstehend in der Garnison zu verleben, die Hoffnung eines weitren Fortkommens. [...] da ich, bei dem gegenwärtigen Stand der Armee wohl noch 10 Jahre warten kann, ehe mir die Stelle als Hauptmann zu theil wird, welche ich, bey einem Eintritt in die für Griechenland bestimmte Truppe vielleicht im nächsten Jahr erlangen könnte." 47

Dass viele Bayern den Offiziersdienst im Krieg jenem im Frieden vorzogen, ergibt auch eine Untersuchung des Zu- und Abgangsverhaltens. Während insbesondere seit der Mitte des 19. Jahrhunderts vermehrt Offiziere vorzeitig ihren Abschied nahmen, wurde das Kriegsministerium 1866 mit Freiwilligen überschüttet, die sich um einen Dienst als Unterleutnant auf Kriegsdauer bewarben. 48

Besonders ausgeprägt zeigt sich diese Bevorzugung des Offiziersdienstes in der Kriegszeit bei bayerischen Adeligen. 49Die Friedenszeit nach 1815 bewirkte, dass anteilig noch deutlich mehr adelige als bürgerliche Offiziere in den Folgejahren ihren Abschied nahmen. 501866 und 1870/71 hingegen schwoll kurzfristig der Adelsanteil in der Kriegsschule an. 51 Hier spielte sicherlich eine große Rolle, dass viele Adelige das traditionelle Verständnis des Vasallendienstes nach wie vor verinnerlicht hatten und ihrem Landesherrn in der Gefahr beistehen wollten. Mit dem Friedensschluss könnten sie ihre Aufgabe zur Landesverteidigung als erfüllt betrachtet haben. 52 Hinzu kam erneut, dass die Friedenszeit weniger Möglichkeiten zum schnellen Aufstieg und für Auszeichnungen bot. Zudem stand das System des „Hochdienens" im Friedensheer dem kriegerischen Ideal des adeligen Haudegens entgegen. 53

Sorge vor dem Krieg

Aber Sehnsucht nach dem Krieg war im bayerischen Offizierskorps nicht die einzige Reaktion auf die Friedensverhältnisse. Gerade bei höheren Offizieren wich diese Sehnsucht nach dem Krieg der Sorge vor einem neuen Krieg aufgrund des sich zunehmend verschlechternden Zustandes der Armee durch die stetige Unterfinanzierung im Frieden. Hier sprechen die vielen mahnenden Denkschriften aus dem Kriegsministerium eine deutliche Sprache. 54

Leo von Klenze, der Hofarchitekt Ludwigs I., drückte die Stimmung unter diesen Militärs prägnant aus, als er die Pläne Ludwigs I. zur Errichtung des Münchner Siegestores 55 vor dem Hintergrund der einschneidenden Kürzungen des Militärbudgets wie folgt kommentierte:

„Deßhalb war auch bei allem Muth und Kriegslust der Armee bange Besorgniß über namentlich die ersten Resultate eines ausbrechenden Kampfes allgemein herrschend, und die Armee theilte keineswegs die Hoffnungen des Königs, daß Siege erfochten werden würden, welche Stoff für die Ausschmückung eines schon seit Jahren intentirten Siegesthores am Ende der Ludwigstraße liefern könnten." 56

Einrichten im Frieden

Während viele bayerische Offiziere auf die lange Friedenszeit mit Frust reagierten, richtete sich ein anderer Teil von ihnen in dem langen Frieden ein. Diese Offiziere betrachteten das Militär als sichere Versorgungsanstalt, waren in ihrer bürgerlichen Umwelt verwurzelt und stellten die zivilen Interessen über die militärischen. 57

Der bayerische Offizier Gumppenberg kritisierte etwa die zahlreichen Versetzungsgesuche, mit denen Offiziere auf die häufigen, seit 1849 praktizierten Standortwechsel der Regimenter reagierten, um ihrem vertrauten Umfeld nahe zu bleiben. 58 Allgemein prangerte Gumppenberg die Haltung vieler Offiziere an, ihrem Dienst nur eine zweitrangige Bedeutung einzuräumen:

„Der Dienst im Frieden erfordert demnach nicht minder Selbstverläugnung, als der Dienst im Felde und wer diese nicht in einem hohen Grade besitzt, werde Alles -- nur nicht Offizier. Ein junger Offizier, der untröstlich ist, weil ihn der Dienst von einem Balle zurückhält, und der ältere Offizier, der (von einem Ausmarsch in's Feld gar nicht zu reden) schon unglücklich ist, weil ihn ein Garnisonswechsel den gewohnten vier Pfählen und seiner seit Jahren besuchten Abendgesellschaft im Drachen oder Elephanten entreißt; hat seine Bestimmung gewiß [...] verfehlt". 59

Entsprechende Tendenzen zur Zeit des Deutschen Bundes waren kein Spezifikum des bayerischen Offizierskorps. Auch in Württemberg und Baden wurde Mitte des 19. Jahrhunderts der Hang zur Bequemlichkeit und zu materiellen Genüssen als Hauptübel der Offiziere genannt. Zudem wurde beklagt, dass viele der verheirateten Offiziere ihre Familie wichtiger nahmen als die dienstlichen Verpflichtungen. 60

Erinnerungen an die Napoleonischen Kriege

Die Friedenszeit des Deutschen Bundes stand für die bayerischen Offiziere in zweifacher Hinsicht im Schatten der Napoleonischen Kriege: Letztere waren durch die Erinnerungskultur präsent, aber auch durch die Strukturen, welche die Kriegszeit im Offizierskorps und in der Armee geschaffen hatte.

Die militärischen Leistungen im Krieg, die Gefallenen und die Veteranen wurden in Bayern in einer ausgeprägten Erinnerungskultur gewürdigt, an der sich das Militär, der König und die Gesellschaft jeweils mit eigenem Akzent beteiligten. Die kriegsgedienten Offiziere empfanden sich als Schicksals- und Erinnerungsgemeinschaft. Sie hatten ein großes Bedürfnis, der gefallenen Kameraden zu gedenken und die eigenen Leistungen gewürdigt zu sehen. 61Ihr Bezugsrahmen war die Armee. Die bayerische oder gar die deutsche Nation und die jeweiligen politischen Konstellationen während der Kriege spielten in der von Offizieren initiierten Erinnerungskultur eine untergeordnete Rolle. 62 Der Offiziersdienst galt für den Adel und das gehobene Bürgertum vorrangig als eine Betätigung, bei der es weniger um die Verteidigung des Vaterlandes als um eine standesgemäße Versorgung ging, die in Kriegszeiten persönliche Ehre und Ruhm verhieß. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist hier, dass auch noch während der Napoleonischen Kriege der Wechsel der militärischen Dienstherren unter den bayerischen Offizieren durchaus verbreitet war 63 und dass auch nach 1815 solche Offiziere, die in anderen Armeen Kriegserfahrung gesammelt hatten, bei der Beförderung oft bevorzugt wurden. 64

Anders als bei der von den Offizieren praktizierten Erinnerungskultur konzentrierte sich die von den bayerischen Königen initiierte Erinnerungskultur auf den für Bayern katastrophalen Russlandfeldzug von 1812 und die Befreiungskriege, wobei im königlichen Geschichtsbild die Befreiungskriege mit dem Russlandfeldzug begannen. Gerade Ludwig I. gab trotz seiner rigorosen Sparmaßnahmen bei der Armee für die Monumentalisierung bayerischer Kriegsmythen beträchtliche Summen aus. Er ließ im Zentrum der Haupt- und Residenzstadt München eine monumental komponierte Erinnerungsarchitektur des Krieges errichten, deren wichtigste Bestandteile die Feldherrnhalle, das Siegestor und der Obelisk zur Erinnerung an die 30.000 im Russlandfeldzug von 1812 gefallenen bayerischen Soldaten waren. Daneben verwirklichte er außerhalb Münchens weitere Nationaldenkmäler wie die Walhalla bei Regensburg und die Befreiungshalle von Kelheim. Die Erinnerung an die bayerischen Kriegstaten diente hier vorrangig dem Zweck, den Bayern die Treue und Aufopferungsbereitschaft der bayerischen Untertanen während der Kriege ins Gedächtnis zu rufen, damit das Land zu einen und an das Königshaus zu binden. 65

Die bayerische Bevölkerung wiederum hatte angesichts dieser Kriege zum ersten Mal das starke Bedürfnis, die gefallenen Soldaten zu ehren und der eigenen Kriegserfahrung in Veteranenvereinen und Ähnlichem zu gedenken. Die hohe Betroffenheit, Erschütterung und der Wunsch nach Aufarbeitung der Kriegszeit rührten daher, dass zum ersten Mal vorrangig Landeskinder zu den Fahnen gerufen worden waren und in Russland ihr Leben verloren hatten. War doch insbesondere in den Kriegen zwischen 1812 und 1815 die Aushebung der Truppen in Bayern dermaßen breit durchgesetzt worden, dass von einer allgemeinen Wehrpflicht gesprochen werden kann. 66 In der nachfolgenden Friedenszeit hingegen wurde die Wehrpflicht durch zahlreiche Ausnahmeregelungen und die Möglichkeit der Stellung eines Ersatzmannes deutlich aufgeweicht. 67

Wahrnehmung der Veteranen im bayerischen Offizierskorps

Außer durch die Erinnerungskultur war die Kriegszeit im bayerischen Offizierskorps während des Deutschen Bundes zum einen durch die Altersstrukturen präsent, die der Krieg im Offizierskorps geschaffen hatte; zum anderen durch die finanziellen und gesundheitlichen Lasten des Krieges. Beides hatte deutliche Auswirkungen auf die nachträgliche Bewertung der Kriegszeit und des Attributes Kriegserfahrung durch die bayerischen Offiziere, wie ein Blick auf die Wahrnehmung der bayerischen Offiziersveteranen verrät.

Das Bild der Veteranen nach den Napoleonischen Kriegen war zweigeteilt. Einerseits wurden sie aufgrund ihrer militärischen Leistungen hochgeschätzt und dominierten durch ihren raschen Aufstieg während der Napoleonischen Kriege die höheren Offiziersränge im Vormärz. Andererseits sahen viele die Veteranen als militärprofessionelle Belastung an, da kriegsversehrten Offizieren häufig aus Kostengründen eine Pension vorenthalten wurde, sodass sie zum Weiterdienen gezwungen waren.

Viele militärische Führer waren aufgrund von Strapazen und Kriegsverletzungen, die aus den Napoleonischen Kriegen herrührten, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders geschwächt. Anton von der Mark schrieb über die Problematik, dass versehrte Offiziere nach dem Friedensschluss 1815 nicht entlassen wurden:

„[...] die in Folge dieser und früheren Campagnen der Pension bedürftigen Offiziere wurden größtentheils beibehalten, und so besaß das Heer zwar noch viele kriegserfahrene aber zum Felddienst körperlich unbrauchbare Veteranen, [...] Welche Maßnahmen man nun auch zu verschiedenen Momenten ergriff, diesem Uebelstande abzuhelfen, der Schaden war unverbesserlich, weil das Budget auf eine unüberschreitbare Summe festgestellt war. Jede Aussicht auf eine Regeneration in dem Offizierskörper ging verloren, denn die Masse der Pensionen würde die (dafür möglichen) Mittel überstiegen haben, hätte man allen Bedürftigen diese Wohlthat für ihre geleisteten Dienste im Feld zukommen laßen."

Von der Mark kritisierte die Verwaltung, die „Rüstigkeit oder Befähigung, sowie Gebrechen und Unbrauchbarkeit" nur in geringem Maße berücksichtige. Ob einem Pensionsgesuch entsprochen werde, hänge insbesondere von der Frage ab, ob die Einhaltung des Etats gewährleistet sei. Nach der Einschätzung von der Marks war 1843 noch etwa ein Drittel der Linienoffiziere aus der Zeit der Napoleonischen Kriege vorhanden, von denen die jüngsten mindestens 48 Jahre alt und viele felddienstuntauglich waren. 68

Ein Blick auf die Pensionierungen der Offiziere, die weniger als 20 Jahre gedient hatten, zeigt, dass in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts trotz dieser zurückhaltenden Pensionierungspolitik die kriegsbedingte Versehrtheit zahlenmäßig stark ins Gewicht fiel. Viele Offiziere hatten aus den Napoleonischen Kriegen Leiden davongetragen, die sie irgendwann dienstunfähig machten. 21 Prozent der Offiziere, die weniger als 20 Jahre gedient hatten, erhielten aufgrund von Krankheiten oder Gebrechen im Vormärz eine Pension, danach waren dies nur noch 16 Prozent. 69Der Kavalleriegeneral Clemens von Raglovich mahnte 1830 in einer Denkschrift, dass es gerade in der derzeitigen Kriegsgefahr vonnöten sei, alte Offiziere, die felddienstuntauglich seien, wie in anderen Armeen auch zu pensionieren. 70

Die Leitlinie des Königs, Pensionierungen weitgehend zu vermeiden, wurde auch bei den Rückkehrern aus Griechenland beibehalten. Fürst Theodor von Thurn und Taxis notierte 1832 in sein Tagebuch:

„Das Ministerium hat allen Pensions-Gesuchen vorgebeugt, indem es erklärt man solle für die aus Griechenland zurückkehrenden keine einreichen -- die vaterländische Luft würde ohne Zweifel wohlthätig auf sie einwirken. Das glaube ich auch aber nun nicht bei solchen Männern, die schon 10 Feldzüge auf dem Rücken haben." 71

Neben der Problematik, dass viele Veteranen felddienstuntauglich waren, wirkte sich aus, dass der Großteil von ihnen nicht über die Bildungsvoraussetzungen verfügte, welche in der Friedenszeit von Offiziersanwärtern gefordert wurden. Während der Napoleonischen Kriege hatte sich eine große Nachfrage nach Offizieren ergeben, die auf jede erdenkliche Weise gedeckt werden musste, ohne dass man viel Gelegenheit hatte, eine scharfe Qualitätsauslese vorzunehmen. Entsprechend wurden in dieser Zeit großen Bedarfs die Bildungskriterien kleingeschrieben. Zudem war der Unterricht damals noch wenig standardisiert. Allein in den technischen Waffengattungen, im Ingenieurkorps und in der Artillerie war auch während der Kriegszeit eine breite Vorbildung Voraussetzung. 72

Noch unter Generalfeldmarschall Fürst von Wrede (1812-1838) wurden die Kriegsveteranen hochgeschätzt, auch wenn sie nicht über höhere Bildung verfügten. 73 Viele der während der Kriege aufgestiegenen Offiziere hatten eine skeptische Haltung gegenüber aufgeklärt-wissenschaftlicher Bildung und pochten auf die übergeordnete Bedeutung der Dienstpraxis gegenüber einer theoretischen Ausbildung -- eine Position, die auch noch durch die Anschauungen Ludwigs I. (1825-1848) gestützt wurde. 74 Doch wandelte sich im Offizierskorps die Haltung hierzu allmählich.

Entscheidend hierfür war die bayerische Praxis, in Krisenzeiten das Offizierskorps rasch aufzustocken. Da der reguläre Offiziersnachwuchs aus dem Kadettenkorps, der Pagerie und den Regimentsschulen nicht ausreichte, mussten soziale und Bildungskriterien für den Zugang zur Offizierslaufbahn außer Kraft gesetzt werden. Vorrangig wurden in diesen Zeiten Unteroffiziere zu Offizieren befördert. 75Diese Zugänge wurden im Offizierskorps aufgrund ihrer sozialen Herkunft und ihres geringeren Bildungsniveaus als nur schwer tragbar eingeschätzt. Innerhalb der über 50-jährigen Friedenszeit verstärkte sich die Ablehnung jener durch den Sparzwang bedingten Praxis immer mehr.

Schon 1837 sah Generalquartiermeister Karl von Baur insbesondere die Beförderung von Unteroffizieren und Soldaten ohne hinreichende Prüfung ihrer Kenntnisse und Erziehung als Gefahr an, die umgangen werden müsse. Deren vermehrte Beförderung bei Kriegsausbruch aufgrund des hohen Offiziersbedarfs veranlasse „Mißgriffe und Nachtheile jeder Art" und müsse künftig durch vorausschauende Planungen vermieden werden. Daneben lehnte er auch die Beförderungspraxis während des Krieges als Belohnung für ausgezeichnete Taten ab:

„Indeß spricht die Erfahrung im Allgemeinen sehr dafür, daß in allen Fällen, wo die Kenntnisse, Bildung und Befähigung des zu Befördernden, der neuen Charge nicht entspricht, oder wenigstens die Gewißheit nicht giebt, daß er sich darin in jeder Beziehung frey und entsprechend bewegen werde, es weit besser ist, die Tapferkeit, in welchem Range sie auch ausgeübt worden, durch Orden und Gnadengehalte anzuerkennen [...]." 76

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Frage der Offiziersbildung zu einem Generationenkonflikt im bayerischen Offizierskorps. Insbesondere jüngere Offiziere forderten, dem Kriterium der Bildung einen hohen Stellenwert einzuräumen, während ältere Offiziere ihre Kriegserfahrung hervorhoben. So beklagte etwa 1845 in der bayerischen Offiziers-Zeitschrift „Archiv für Offiziere aller Waffen" ein Vertreter der jüngeren Generation:

„Es ist wahr, die Klagen über den Weisheitsdünkel der jüngern Offiziere, welche Alles ihrer Kritik unterziehen, werden jeden Tag lauter, aber warum?[...] die schwache Anfechtung oder Vertheidigung von Grundsätzen, die einseitige Beurtheilung von Verhältnissen von Seiten mancher älteren Offiziere, wovon er oft Ohrenzeuge ist, muß einem auf sokratische Weise eingeschulten Kopfe allerdings eine höhere Meinung von sich geben." 77

Ein Jahr später konstatierte in der gleichen Zeitschrift ein älterer Offizier:

„[...] eine Gelehrsamkeit und hoher Dünkel der jetzt blühenden Generation, sieht auf die veralteten Theilnehmer an früheren welthistorischen Begebenheiten herab, da diese nicht mehr an der Zeit sind und sich dennoch einbilden, daß nicht das viele Wissen, sondern das Können, die Erfahrung und ihre Nutzanwendung, verbunden mit hohen moralischen Eigenschaften den tüchtigen Offizier und Soldaten machen. Diese eben bemerkten, aus administrativen Rücksichten lästig gewordenen, einer früheren Zeit angehörigen älteren Offiziere, haben wohl nach den geltenden Ansichten das ihrige gethan [...]". 78

Bis 1866 überwog der Anteil der Offiziere, die ein gewisses Maß an Bildung und Erziehung für unerlässlich hielten. Diese Tendenz wurde insbesondere dadurch verstärkt, dass der Großteil der 1848/49 beförderten und alle 1859 beförderten Unteroffiziere nicht zum bewaffneten Einsatz kamen, sodass sie lediglich an ihrem Dienst und ihrem Verhalten in der Garnison gemessen werden konnten. In den Denkschriften des Kriegsministeriums wurde jahrelang beklagt, dass insbesondere diese Offiziere einen Beruf erlangt hätten, dessen Aufgaben sie nicht gewachsen seien und in dem sie eine Stellung innehätten, deren Entsprechung sie im bürgerlichen Leben nicht erreicht hätten. Sie seien weder in geistiger noch in gesellschaftlicher Hinsicht für das Offizierskorps geeignet und würden den Stand des Offiziers schädigen. 79Hinzu kam die Haltung Maximilians II., der die Auffassung vertrat, dass einen Offizier vorrangig wissenschaftliche Bildung auszeichne, wohingegen sich fehlende Dienstpraxis rasch aneignen lasse. 80

Mit der Errichtung der Artillerie- und Genieschule 1856 sowie der Kriegsschule 1858 wurden Einrichtungen geschaffen, die das Potenzial hatten, die wissenschaftliche Vorbildung effektiv zu erhöhen sowie die Grenze zwischen Unteroffiziers- und Offizierskorps klarer zu ziehen. Zudem sollte auch die wissenschaftliche fachfremde Weiterbildung als Beförderungskriterium berücksichtigt werden. In der Rekrutierungs- und Beförderungspraxis entfalteten diese Neuerungen bis 1866 allerdings wenig Relevanz. 81

Doch führte diese neue Prioritätensetzung dazu, dass 1866 für die Aufstockung des Offizierskorps viele Unterleutnants lediglich auf Kriegsdauer angestellt wurden und dass für deren Anwerbung vorrangig außermilitärische, soziale und Bildungskriterien galten. Militärisches Vorwissen und praktische Erfahrung waren nur zweitrangige Kriterien für die Offiziersauswahl, wofür im desaströsen Feldzug die Konsequenzen getragen werden mussten. 82 Mehr als auf militärische Tauglichkeit wurde darauf geachtet, ob die Bewerber würdig waren, in das Offizierskorps aufgenommen zu werden. Statt militärischer Professionalität waren eine vorteilhafte körperliche Erscheinung und eine gehobene soziale Herkunft entscheidende Bedingungen für die Anstellung. 83

In der Beurteilung der Offiziere nach der Niederlage von 1866 zeigt sich hingegen eine Änderung der Bewertungsmaßstäbe. Die Offiziere wurden nun nach ihrer Leistung beurteilt, unabhängig von sozialen Kriterien. 84 Insgesamt wurde dem bayerischen Offizierskorps mangelhafte Disziplin vorgeworfen, darüber hinaus wurden einzelnen Offizieren Weichheit, Erschlaffung und Tatenlosigkeit attestiert. Den Offizieren habe es an Intelligenz, Fachwissen und Übung gefehlt. 85 Der letzte Kritikpunkt galt in besonderer Weise für die Offiziere auf Kriegsdauer. Der zu Recht beklagte Mangel an Wissen und Übung lässt sich eindeutig auf die damalige bayerische Rekrutierungspraxis zurückführen. Entsprechend wurde bei der nachfolgenden Heeresreform, als das Abitur und ein erfolgreicher Abschluss der Kriegsschule verbindliche Vorbedingungen für eine Offizierskarriere wurden, die Notwendigkeit wissenschaftlicher Kenntnisse und einer abgeschlossenen Ausbildung insbesondere aus kriegspraktischen und militärtechnischen Gründen betont. Die Professionalität der Offiziersausbildung stand nun im Vordergrund. 86

Zusammenfassung und Ausblick

Die Analyse der Friedens- und Kriegserfahrung im bayerischen Offizierskorps von 1815 bis 1866 ergibt, dass die Erwartung eines langen Friedens unter den bayerischen Offizieren damals weit verbreitet war. Eventuell auftretende kriegerische Konflikte würden zeitlich und regional begrenzt sein, so die Erwartung. Der Frieden stellte in der Vorstellung der Offiziere den Normalzustand dar, der Krieg die Ausnahmeerscheinung.

Die Wahrnehmung und Bewertung dieses Friedens war bei den Offizieren zweigeteilt. Ein großer Teil reagierte frustriert und stellte bei der Friedenserfahrung insbesondere die schlechten Beförderungsaussichten einhergehend mit dem geringen Sold in den niederen Offiziersdienstgraden, die Langeweile des Garnisonsdienstes und die geringen Chancen auf Auszeichnung heraus. Einige von ihnen äußerten zudem ihre Sehnsucht nach Krieg. Gerade bei höheren Offizieren dominierte hingegen die Sorge vor dem Ernstfall, da sich der Zustand der bayerischen Armee durch die kontinuierliche Unterfinanzierung im Frieden zunehmend verschlimmerte. Andere Offiziere arrangierten sich mit der Friedenszeit und waren mit ihrer bürgerlichen Umwelt teilweise so eng verwoben, dass in ihrem Denken und Verhalten militärische Belange und Zweckmäßigkeiten ins Hintertreffen gerieten.

Der Umgang mit den Veteranen der Napoleonischen Kriege und die Bewertung von Kriegserfahrung änderten sich im bayerischen Offizierskorps zur Zeit des Deutschen Bundes. Allerdings war die Entwicklung beileibe nicht widerspruchsfrei. Im Vormärz wurden in Bayern die Offiziersveteranen geehrt und hochgeschätzt, wie zum Beispiel die Militärpolitik des Generalfeldmarschalls Wrede oder das öffentliche Kriegsgedenken Ludwigs I. zeigen. Die kriegsgedienten Offiziere hatten während der Napoleonischen Kriege im Regelfall einen raschen militärischen Aufstieg erreicht, ohne von sozialen und Bildungsanforderungen behindert zu werden, und dominierten die hohen Militärränge im Vormärz, als Beförderungen kaum ausgesprochen wurden. Viele Kriegsveteranen unter den Offizieren litten indes an körperlichen Versehrungen, die aus der Kriegszeit herrührten. Da die oberste Direktive lautete, den Pensionsfonds nicht zu belasten, sahen sich viele von ihnen zum Weiterdienen gezwungen, wurden aber aufgrund ihrer Felddienstuntauglichkeit bei der Beförderung übergangen. Folglich fühlten sie sich zurückgesetzt und im Stich gelassen.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts kam es in Bayern zu einem Generationenkonflikt zwischen den Kriegsveteranen und den im Frieden ausgebildeten Offizieren. Die Kriegsveteranen pochten auf ihre praktische Kriegserfahrung und ihre militärischen Leistungen im Krieg, wohingegen im Frieden ausgebildete Offiziere vorrangig ihre gehobene theoretische Bildung betonten. Nach 1850 erlangten im bayerischen Offizierskorps die Friedensoffiziere zunehmend die Oberhand und wurde eine gehobene Bildung als notwendig für den Offiziersberuf angesehen. Dies geschah vorrangig aus gesellschaftlichen, nicht aus militärprofessionellen Gründen, sodass man von einem Streben nach sozialer Abschließung mittels Bildung im bayerischen Offizierskorps sprechen kann. 87Die Veteranen aus niederen Gesellschaftsschichten, wie auch hochgediente Unteroffiziere, die insbesondere in Krisenzeiten zum Offizier befördert worden waren, galten als zunehmende Belastung für das Offizierskorps im Frieden. Es herrschte die Einstellung vor, dass sie dem Ansehen des Offiziersstandes schaden würden, während kriegspraktische Erwägungen in den Hintergrund traten.

Erst der Schock der Niederlage von 1866 und der Druck des übermächtigen Verbündeten Preußen verhalfen einer umfassenden Reorganisation des Heeres nach preußischem Vorbild zum Durchbruch. 88Die Kriegstüchtigkeit der Armee erhielt nun oberste Priorität, für die in den Folgejahren auch ausreichende Mittel bereitgestellt wurden. Bei der vom neuen bayerischen Kriegsminister Generalmajor Sigmund Freiherr von Pranckh 89betriebenen Heeresreform von 1868 traten militärtechnische und kriegspraktische Erwägungen in den Vordergrund. 90

Dadurch, dass die bayerische Armee im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 erfolgreich agierte, erschien diese Prioritätensetzung sowohl der bayerischen Regierung wie auch der Gesellschaft als gerechtfertigt. 91 Zwar folgte auf den 1870er Krieg erneut eine lange Friedenszeit, doch hatte sich die Stellung des Militärs grundlegend geändert. Während die bayerische Politik zur Zeit des Deutschen Bundes nicht auf militärischer Stärke basierte, galt im Deutschen Kaiserreich das Militär als notwendig, um das staatlich-politische Überleben als Großmacht zu sichern. Wenn auch noch unter dem Reichskanzler Otto von Bismarck die innere Integration und Konsolidierung des Kaiserreichs im Mittelpunkt der Politik stand 92, wurde insbesondere ab 1890 in der Wilhelminischen Ära das Streben nach Ausweitung des Großmachtstatus dominant, womit eine entscheidende Aufwertung des Militärs einherging. 93 Der hohe Entwicklungsstand der Armeen der deutschen Einzelstaaten sowie ihre verbesserte gesellschaftliche Stellung steigerten das Selbstbild der Offiziere. Die bayerischen Offiziere zeigten sich mit ihrem Dienst im Frieden deutlich zufriedener als zu Zeiten des Deutschen Bundes, obgleich ihre materielle Versorgung in den unteren Chargen nach wie vor mangelhaft war. 94 Deutlichere Parallelen zur Zeit des Deutschen Bundes zeigen sich erst wieder nach der Jahrhundertwende. Erneut empfanden viele Offiziere die lange Friedenszeit in der prosperierenden Zivilgesellschaft als Belastung und träumten davon, sich endlich im Krieg bewähren zu dürfen. 95

  • 1. Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Abt. IV: Kriegsarchiv (BHStA-KA), HS 786 Emil’s (Kühlmann) Tagebuch (1848-1862).
  • 2. Gundula Gahlen, Das bayerische Offizierskorps 1815-1866, Paderborn u. a. 2011, S. 39 f.
  • 3. Marion Maria Ruisinger, „Bayernbuam” in Hellas. Opfer eines schwärmerischen Königs. In: Gabriele Uerscheln (Hrsg.), Reisen. Ein Jahrhundert in Bewegung. Ausstellungskatalog, Köln 2009, S. 197-227; Oskar Bezzel, Geschichte des Königlich Bayerischen Heeres 1825-1866, München 1931, S. 130-143; Reinhard Heydenreuter, Die erträumte Nation. Griechenlands Staatswerdung zwischen Philhellenismus und Militärintervention. In: Ders. u. a. (Hrsg.), Die erträumte Nation. Griechenlands Wiedergeburt im 19. Jahrhundert. Begleitband zur Ausstellung, München 1993, S. 47-78; Berthold Seewald, Karl Wilhelm v. Heideck. Ein bayerischer General im befreiten Griechenland (1826-1835), München 1994; Wolf Seidel, Bayern in Griechenland. Die Geschichte eines Abenteuers, München 1965.
  • 4. Sabrina Müller, Soldaten in der deutschen Revolution von 1848/49, Paderborn u. a. 1999; Sofia Oeckinghaus, Die militärischen Operationen während des pfälzischen Aufstands 1849. In: Kaiserslauterer Jahrbuch für pfälzische Geschichte und Volkskunde 6/7 (2008), S. 125-144.
  • 5. Rüdiger Ham, Bundesintervention und Verfassungsrevision. Der Deutsche Bund und die kurhessische Verfassungsfrage 1850/52, Darmstadt 2004, S. 197-210; Hellmut Seier, Revolution in Kurhessen 1848-1850. In: Klaus Böhme (Hrsg.), „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Die Revolution von 1848/49 im Bundesland Hessen, Opladen u. Wiesbaden 1999, S. 35-57; Bezzel, Geschichte des Königlich Bayerischen Heeres 1825-1866 (wie Anm. 3), S. 148-205.
  • 6. Unter dem Offizierskorps wird hier die Gesamtheit der aktiven bayerischen Offiziere der Linie verstanden.
  • 7. Mit diesem Erfahrungsbegriff, der Überlegungen Reinhart Kosellecks sowie der Wissenssoziologen Peter Berger, Thomas Luckmann und Alfred Schütz zu den Vorbedingungen, dem Verlauf und den Nachwirkungen von Erfahrungsprozessen aufgreift, arbeitete auch der 1999-2008 in Tübingen eingerichtete Sonderforschungsbereich „Kriegserfahrungen – Krieg und Gesellschaft in der Neuzeit“. Reinhart Koselleck, Der Einfluß der beiden Weltkriege auf das soziale Bewußtsein. In: Wolfram Wette (Hrsg.), Der Krieg des kleinen Mannes, München 1992, S. 324-343; Alfred Schütz/Thomas Luckmann, Strukturen der Lebenswelt, 2 Bde., Frankfurt a. M. 1979 u. 1984; Peter L. Berger/Thomas Luckmann, Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, Frankfurt a. M. 1969. Als programmatische Sammelbände siehe Nikolaus Buschmann/Horst Carl (Hrsg.), Die Erfahrung des Krieges. Erfahrungsgeschichtliche Perspektiven von der Französischen Revolution bis zum Zweiten Weltkrieg, Paderborn u. a. 2001, S. 11-26; Gerhard Hirschfeld u. a. (Hrsg.), Kriegserfahrungen. Studien zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte des Ersten Weltkriegs, Essen 1997. Vgl. als Synthese Georg Schild/Anton Schindling (Hrsg.), Kriegserfahrungen. Krieg und Gesellschaft in der Neuzeit. Neue Horizonte der Forschung, Paderborn u. a. 2009.
  • 8. Die Integration mehrerer Zeitebenen ist die große Leistung des erfahrungsgeschichtlichen Ansatzes. Vgl. hierzu bes. Reinhart Koselleck, Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten, Frankfurt a. M. 1976.
  • 9. Die Teilnahme an Feldzügen, in denen das Jahr und der Gegner verzeichnet wurden, war eine eigene Rubrik in den Offizierspersonalbögen, die fortlaufend für jeden Offizier geführt wurden. In manchen Bögen gab es zusätzlich die Rubrik „Schlachten, Belagerungen und Gefechte“, in denen die konkrete Teilnahme des Offiziers an einzelnen militärischen Operationen festgehalten wurde. BHSTA-KA OP.
  • 10. Vgl. zum Bundesmilitärwesen: Jürgen Angelow, Von Wien nach Königgrätz. Die Sicherheitspolitik des Deutschen Bundes im europäischen Gleichgewicht (1815-1866) München 1996; Michael Kotulla, Die Entstehung der Kriegsverfassung des Deutschen Bundes vor dem Hintergrund verfassungsrechtlicher und verfassungspolitischer Kontroversen in der Bundesversammlung 1816-1823. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte 130 (2000), S. 122-237; Hellmut Seier, Der Deutsche Bund als militärisches Sicherheitssystem 1815-1866. In: Gabriele Clemens (Hrsg.), Nation und Europa. Studien zum internationalen Staatensystem im 19. und 20. Jahrhundert, Festschrift für Peter Krüger zum 65. Geburtstag, Stuttgart 2001, S. 19-33.
  • 11. Wolf D. Gruner, Die deutschen Einzelstaaten und der Deutsche Bund. In: Andreas Kraus (Hrsg.), Land und Reich, Stamm und Nation. Probleme und Perspektiven bayerischer Geschichte. Festgabe für Max Spindler zum 90. Geburtstag, Bd. 3: Vom Vormärz bis zur Gegenwart, München 1984, S. 19-36; Hans-Michael Körner, Bayern im Deutschen Bund unter Ludwig I. und Max II.. In: Manfred Pix (Hrsg.), Friedrich Benedikt Wilhelm von Hermann (1795-1868). Ein Genie im Dienste der bayerischen Könige. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Aufbruch, Stuttgart 1999, S. 661-684; Hubert Glaser, Zwischen Großmächten und Mittelstaaten. Über einige Konstanten der deutschen Politik Bayerns in der Ära von der Pfordten. In: Heinrich Lutz/Helmut Rumpler (Hrsg.), Österreich und die deutsche Frage im 19. und 20. Jahrhundert. Probleme der politisch-staatlichen und soziokulturellen Differenzierung im deutschen Mitteleuropa, München 1982, S. 140-188.
  • 12. Die Bevölkerung hatte sich gegenüber dem Stand unter Karl Theodor von 1,9 Millionen auf 3,7 Millionen beinahe verdoppelt. Manfred Treml, Geschichte des modernen Bayern. Königreich und Freistaat, München 1994, S. 29.
  • 13. Bereits 1801 hatte Bayern Staatsschulden von 28 Millionen Gulden bei Einnahmen von fünf Millionen Gulden. Mit den Neuerwerbungen übernahm Bayern eine Schuldenlast von 50 Millionen, hinzu kamen noch die Pensionslasten. Erst unter Ludwig I. wurden durch enorme Einsparungen die Staatsfinanzen konsolidiert. Unter Maximilian II. nahm die Staatsverschuldung aber wieder bedeutend zu. Max Spindler, Die Regierungszeit Ludwigs I. (1825-1848). In: Ders. (Hrsg.), Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. IV: Das Neue Bayern 1800-1970, Teilbd. 2, München 1974, S. 87-227, hier S. 115 f.; Andreas Kraus, Probleme der Abrüstung in Bayern von 1816 bis 1866. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.), Vorträge zur Militärgeschichte, Bd. 1, Herford/ Bonn 1981, S. 32-52, hier S. 44.
  • 14. Grundlegend Wolf D. Gruner, Das Bayerische Heer 1825 bis 1864. Eine kritische Analyse der bewaffneten Macht Bayerns vom Regierungsantritt Ludwigs I. bis zum Vorabend des deutschen Krieges, Boppard a. Rhein 1972. Eine zusammenfassende Darstellung bietet Kraus, Probleme der Abrüstung (wie Anm. 13), 32-52.
  • 15. Angelow, Von Wien nach Königgrätz (wie Anm. 10), zus. S. 258; Wolfgang Petter, Deutscher Bund und deutsche Mittelstaaten. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.), Handbuch zur deutschen Militärgeschichte 1648-1939, Bd. 2, Abschnitt IV: Militärgeschichte im 19. Jahrhundert 1814-1890, Frankfurt a. M. 1979, S. 226-301, hier S. 237.
  • 16. Angelow, Von Wien nach Königgrätz (wie Anm. 10), S. 80 f., 261 f.
  • 17. Vgl. z. B. BHSTA-KA B 736, Prinz Carl an Maximilian II., Die Aufstellung der Armee – hier die Bedürfnisse daz betr. vom 25.3.1848; Rudolf von Xylander, Geschichte des 1. Feldartillerie-Regiments Prinz-Regent Luitpold 1791-1911, Bd. 3, Berlin 1907, S. 62; Christian Lankes, München als Garnison im 19. Jahrhundert. Die Haupt- und Residenzstadt als Standort der Bayerischen Armee von Kurfürst Max IV. Joseph bis zur Jahrhundertwende, Berlin 1993, S. 41; Bezzel, Geschichte des Königlich Bayerischen Heeres 1825-1866 (wie Anm. 3), S. 152.
  • 18. BHSTA-KA A XIII 3, Fasz. 4, Stück 48.
  • 19. Insbesondere die hohe Last der Offizierspensionen führte auf den Landtagen zu immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen zwischen den liberalen Abgeordneten auf der einen Seite und dem König und dem Kriegsminister auf der anderen. Im Minister- und Staatsrat bekämpften daneben die Ressortkollegen die Forderungen des Kriegsministers. Vgl. hierzu ausführlich Gruner, Heer (wie Anm. 14).
  • 20. Vgl. zum Begriff Rainer Wohlfeil, Die Beförderungsgrundsätze. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.), Untersuchungen zur Geschichte des Offizierkorps – Anciennität und Beförderung nach Leistung, Stuttgart 1962, S. 15-63, hier S. 53.
  • 21. Vgl. hierzu das Kapitel „Rekrutierungs-, Beförderungs- und Verabschiedungsgrundsätze“ in Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 49-68.
  • 22. Ebd., S. 35-37.
  • 23. Ebd., S. 45-49, 597 f.
  • 24. Ebd., S. 82-84.
  • 25. Ebd., S. 85 f.
  • 26. Gundula Gahlen, Die wirtschaftliche Situation des Offizierskorps in Bayern. In: Christian Th. Müller/Matthias Rogg (Hrsg.), Das ist Militärgeschichte! Probleme – Projekte – Perspektiven, Paderborn u. a. 2013, S. 445-463; Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 133-143.
  • 27. BHSTA-KA A III 15 Allgemeine Betrachtungen über Heere und insbesondere über die Bildung und Beförderung der Unteroffiziere und Offiziere, 1837 vom Generalquartiermeister Karl v. Baur verfaßt.
  • 28. Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 45-49, 597 f.
  • 29. Insbesondere Ludwig I. glaubte, Bayern habe 1813 aus dem Nichts ein Heer aus dem Boden gestampft, das seine Aufgabe hervorragend gemeistert habe. Sollte auf Bayern als Glied des Deutschen Bundes ein militärischer Konflikt zukommen, werde das bayerische Volk ein zweites Mal auf den Ruf des Königs zu den Waffen eilen, so dass in Kürze ein beachtliches Heer aufgestellt werden könne. In der Friedenszeit hingegen sollte die finanzielle Belastung möglichst gering bleiben, um in Zeiten der Gefahr über die nötigen Mittel zu verfügen. Gruner, Heer (wie Anm. 14), S. 332; Andreas Kraus, Die Regierungszeit Ludwigs I. In: Alois Schmid (Hrsg.), Handbuch der bayerischen Geschichte , Bd. IV, Teilbd. 1, München 2003, S. 129-236, hier S. 178 f.
  • 30. Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 82-89.
  • 31. Ebd., S. 68-82.
  • 32. BHSTA-KA HS 786 Emil’s (Kühlmann) Tagebuch (1848-1862).
  • 33. Poettmes Gumppenberg, Ferdinand Frhr. von, Der Offizier in seinen wichtigsten Verhältnissen, Augsburg 1854, S. 28.
  • 34. BHSTA-KA HS 91 Anton von der Mark, Zustände in der Armee (Januar 1857).
  • 35. Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 35.
  • 36. BHSTA-KA HS 786 Emil’s (Kühlmann) Tagebuch (1848-1862).
  • 37. Zus. Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 435.
  • 38. Stärker ausgelastet waren etwa die Adjutanten. Vgl. z. B. BHSTA-KA HS 1457 Tagebuch des militärischen Lebens v. Daumiller, Oberleutnant des kgl. bayr. 6. Linien Infanterieregiment, 1. Teil: 1809-1816, S. 9.
  • 39. Oskar Bezzel, Geschichte des Königlich Bayerischen Heeres von 1806 (1804) bis 1825, München 1933, S. 207 f.
  • 40. Vgl. die Klage von Anton von der Mark. BHSTA-KA HS 88 Major Anton von der Mark, Ideen über die Organisation der bayerischen Armee (1843).
  • 41. Gumppenberg, Der Offizier (wie Anm. 33), S. 69-71.
  • 42. Gahlen, Die wirtschaftliche Situation (wie Anm. 26), S. 452 f.
  • 43. István Deák, Der K. (u.) K. Offizier: 1848-1918, Wien u. a. 1991, S. 200; Paul Sauer, Das württembergische Heer in der Zeit des Deutschen und des Norddeutschen Bundes, Stuttgart 1958, S. 24, 83; Thomas Freiherr von Fritsch-Seerhausen, Das sächsische Offizierkorps 1867-1918. In: Hanns-Hubert Hofmann (Hrsg.), Das deutsche Offizierkorps 1860-1960. Büdinger Vorträge 1977, Boppard a. Rhein 1980, S. 59-74, hier S. 65.
  • 44. Manfred Messerschmidt, Die preußische Armee. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.), Handbuch zur deutschen Militärgeschichte 1648-1939, Bd. 2, Abschnitt IV: Militärgeschichte im 19. Jahrhundert 1814-1890, Frankfurt a. M. 1979, S. 3-225, hier S. 24 f.
  • 45. Edgar Graf von Matuschka, Die Beförderung in der Praxis. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.), Untersuchungen zur Geschichte des Offizierkorps – Anciennität und Beförderung nach Leistung, Stuttgart 1962, S. 153-176, hier S. 158-160; vgl. hierzu auch Dierk Walter, Preußische Heeresreformen 1807-1870. Militärische Innovationen und der Mythos der „Roonschen Reform“, Paderborn u. a. 2003, S. 573 f.
  • 46. BHSTA-KA B 708 Militär Hilfe f. Griechenland; Geworbenes Truppenkorps; Werbung in specie. Gesuche von Offizieren, auch Justizsachen (1832-1835). Bezzel, Geschichte des Königlich Bayerischen Heeres 1825-1866 (wie Anm. 3), S. 130-143; Heydenreuter, Die erträumte Nation (wie Anm. 3); Seidel, Bayern in Griechenland (wie Anm. 3).
  • 47. BHSTA-KA B 708 Militär Hilfe f. Griechenland, Gesuche von Offizieren, 1832-1835.
  • 48. Vgl. zu den Bewerbungsgesuchen von 1866 BHSTA-KA A III 18 Fasz. 5, Anstellungen von Offizieren auf Kriegsdauer betreffend; vgl. zum Abgangsverhalten der Offiziere und zu den Bewerbungen 1866 Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 75-82, 418 f.
  • 49. Der Adelsanteil im bayerischen Offizierskorps war im Vergleich etwa zum preußischen sehr niedrig. Er betrug knapp 30 % in den 1820er Jahren, erhöhte sich dann bis Mitte des 19. Jahrhunderts auf über 40 % und ging nachfolgend aufgrund der raschen Aufstockung des Offizierskorps während der Krisenjahre erneut auf etwas unter 30 % bis 1866 zurück. Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 168-178.
  • 50. Ebd., S. 168 f., 172.
  • 51. Hermann Rumschöttel, Das bayerische Offizierkorps 1866-1914, Berlin 1973, S. 63 f. Die Kriegsschule wurde 1858 eingerichtet und bildete innerhalb von zwei Jahren zum Offizier aus. Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 379-386.
  • 52. Rumschöttel, Das bayerische Offizierkorps (wie Anm. 51), S. 63 f.
  • 53. Max Brunner, Die Hofgesellschaft. Die führende Gesellschaftsschicht Bayerns während der Regierungszeit Max II., München 1987, S. 157. Die neuere Forschung geht auch für die Frühe Neuzeit davon aus, dass der Kriegsdienst für Adelige in Europa nur „typisch für eine bestimmte Lebensphase war und keineswegs prägend für das Leben als ganzes“. Ronald Asch, Europäischer Adel in der Frühen Neuzeit. Eine Einführung, Köln 2008, S. 195.
  • 54. Vgl. z. B. BHSTA-KA B 726 Denkschrift Raglovich, Die Mobilmachung des Heeres, 1830, S. 5 ff.; BHSTA-KA A III 15 Baur, Allgemeine Betrachtungen, 1837 (wie Anm. 27); BHSTA-KA HS 88 von der Mark, Ideen, 1843 (wie Anm. 34).
  • 55. Mit der Errichtung des Siegestores hatte Ludwig I. 1840 Friedrich von Gärtner beauftragt. Es wurde schließlich in den Jahren 1843-1852 errichtet.
  • 56. Zitiert nach Karl Borromäus Murr, „Treue bis in den Tod“. Kriegsmythen in der bayerischen Geschichtspolitik im Vormärz. In: Nikolaus Buschmann (Hrsg.), Der Krieg in den Gründungsmythen europäischer Nationen und der USA, Frankfurt a.M./ New York 2003, S. 138-174, hier S. 171.
  • 57. Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 552-556.
  • 58. Gumppenberg, Der Offizier (wie Anm. 33), S. 72.
  • 59. Ebd., S. 26.
  • 60. Karl-Heinz Lutz, Das badische Offizierskorps 1840-1870/71, Stuttgart 1997, S. 340; Sauer, Heer (wie Anm. 43), S. 83.
  • 61. Ute Planert, Der Mythos vom Befreiungskrieg. Frankreichs Kriege und der deutsche Süden: Alltag – Wahrnehmung – Deutung 1792-1841, Paderborn u. a. 2007, S. 625. Eine distanzierte Haltung der Offiziere zeigt sich allerdings gegenüber den seit den 1830er und 1840er Jahren gegründeten Veteranenvereinen der Napoleonischen Kriege. Die Offiziere standen diesen auf dem Egalitätsgrundsatz basierenden Vereinen überwiegend skeptisch gegenüber. In der militärischen Elite wog die Angst vor einer Aufweichung der Subordination schwerer als die positiven Effekte, die man von einer Förderung der Kameradschaft erwartete. Erst im Kaiserreich überwog die national-patriotische Vorbildfunktion der Veteranenvereine gegenüber diesen Vorbehalten. Wolfgang Schmidt, Eine Stadt und ihr Militär. Regensburg als bayerische Garnisonsstadt im 19. und frühen 20. Jahrhundert, Regensburg 1993, S. 294; vgl. allgemein zu den Krieger- und Veteranenvereinen im Kaiserreich Thomas Rohkrämer, Der Militarismus der „kleinen Leute”. Die Kriegervereine im Deutschen Kaiserreich 1871-1914, München 1990.
  • 62. Ein innermilitärischer Beitrag der Erinnerungskultur war zum Beispiel die Ehrung des Heerführers Graf Bernhard Erasmus von Deroy (1743-1812). Dessen Denkmal wurde aus Mitteln des Offizierskorps finanziert. In den 1850er Jahren wurde dies von der Krone nur noch verhalten mitgetragen, da sich aufgrund der erstarkenden Nationalbewegung Kämpfe auf Seiten Frankreichs immer schwerer rechtfertigen ließen. Vgl. Wolfgang Schmidt, „Das Elend, worin sich unsere gute Armee befindet, kann blatterdings nicht beschrieben werden“: Leiden und Instrumentalisierung der im Rußlandfeldzug von 1812 umgekommenen Bayern. In: Hermann Beyer-Thoma (Hrsg.), Bayern und Osteuropa. Aus der Geschichte der Beziehungen Bayerns, Frankens und Schwabens mit Rußland, der Ukraine und Weißrußland, im Auftrag des Osteuropa-Instituts München, Wiesbaden 2000, S. 221-264, hier S. 249 f.
  • 63. Dies brachte mitunter auch Seitenwechsel im Konflikt mit sich. Vgl. z. B. BHSTA-KA HS 1445, Die Generale von Zandt; BHSTA-KA HS 2673, Spreti, Erinnerungen, S. 49 f. Gerade das Phänomen, dass Offiziere mehrmalig ihre Dienstländer wechselten, spricht dafür, dass diese weniger aus patriotischen bzw. nationalen Gründen an den Kämpfen teilnahmen. Der Bezugsrahmen war vielmehr vorrangig das Militär selbst. Vgl. hierzu auch die Interpretation Leighton S. James der Memoiren des aus Bayern stammenden Offiziers Karl Johann Nepomuk von Gruber, der zuerst in der bayerischen, dann in der österreichischen Armee diente. Die vorwiegenden Triebfedern des Offiziersdienstes seien für von Gruber nicht nationale Bestrebungen, die Dynastie oder religiöse Frömmigkeit gewesen, sondern vielmehr Karrierebestrebungen und Ehre. Leighton S. James, War, Experience and Memory: An Austrian Cavalry Officer Narrates the Napoleonic Wars. In: Alan Forrest/Étienne François/Karen Hagemann (Hrsg.), War Memories. The Revolutionary and Napoleonic Wars in Modern European Culture, New York 2012, S. 41-58, hier S. 54.
  • 64. Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 282.
  • 65. Vgl. hierzu ausführlich Murr, Treue (wie Anm. 56).
  • 66. Schmidt, Elend (wie Anm. 62), S. 240; vgl. daneben Eugen von Frauenholz, Der Übergang vom Söldnerheer zum Volksheer unter dem ersten bayerischen Kriegsminister Grafen von Triva. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 9 (1936), S. 47-93 u. 209-233; Ernst Aichner, Das Bayerische Heer in den Napoleonischen Kriegen. In: Hubert Glaser (Hrsg.), Wittelsbach und Bayern, Bd. III.1: Krone und Verfassung. König Max I. Joseph und der neue Staat, München 1980, S. 239-253.
  • 67. Gruner, Heer (wie Anm. 14), bes. S. 38-43; Ute Planert, Militär, Krieg und zivile Gesellschaft. Rekrutierungsverweigerung im Süden des Alten Reiches. In: Dies. (Hrsg.), Krieg und Umbruch in Mitteleuropa um 1800. Erfahrungsgeschichte(n) auf dem Weg in eine neue Zeit, Paderborn u. a. 2009, S. 111-135, hier S. 113, 120, 123.
  • 68. BHSTA-KA HS 88 von der Mark, Ideen, 1843 (wie Anm. 34), S. 24 f.
  • 69. Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 75.
  • 70. BHSTA-KA B 726 Raglovich, Denkschrift, 1830 (wie Anm. 54), S. 3 f. Vgl. auch Bezzel, Geschichte des Königlich Bayerischen Heeres 1825-1866 (wie Anm. 3), S. 56; Gruner, Heer (wie Anm. 14), S. 140.
  • 71. BHSTA-KA HS 368/1 Fürst Theodor von Thurn und Taxis, Tagebuch.
  • 72. Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 401-405.
  • 73. Hanns Helmuth Böck, Karl Philipp Fürst von Wrede als politischer Berater des Königs Ludwig I. von Bayern (1825-1838), München 1969, S. 36.
  • 74. Ludwig I. favorisierte beim Militär Lernen durch die Praxis, schon weil dies seiner Meinung nach kostengünstiger war. Anträge auf Einrichtung militärischer Spezialschulen hatten bei ihm keine Erfolgsaussicht. Heinz Gollwitzer, Ludwig I., Königtum im Vormärz. Eine politische Biographie, München 1986, S. 540.
  • 75. Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 387-391.
  • 76. BHSTA-KA A III 15 Baur, Allgemeine Betrachtungen, 1837 (wie Anm. 27), S. 8f.
  • 77. Die Kriegsgeschichte als Bildungsmittel für den jungen Militär. In: Archiv für Offiziere aller Waffen Jg. 2 (1845) Bd. 3, S. 160-166, hier S. 165.
  • 78. Sonst und Jetzt. In: Archiv für Offiziere aller Waffen Jg. 3 (1846) Bd. 2, S. 28-52, hier S. 50.
  • 79. Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 378 f.
  • 80. Am 20. Januar 1851 beschloss er, dass jene Pagen, die das ‚Gymnasialabsolutorium‘ mit der Note eins abschlossen, erneut das im August 1849 auf Druck von Kriegsminister Lüder abgeschaffte Privileg erhielten, direkt als Unterleutnants und damit ohne Dienstpraxis ihren Dienst als Offiziere beginnen zu können. Diese Regelung wurde bis zur Heeresreform von 1868 beibehalten. BHSTA-KA A III 16, Stück 93-96, Juli 1863, Ausmusterung kgl. Edelknaben betreffend.
  • 81. Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2). S. 379-386.
  • 82. Schon Demeter betont, dass in Bayern vor der Heeresreform Bildungskriterien „auf Kosten des eigentlich Militärischen“ betont worden seien. Karl Demeter, Das deutsche Offizierkorps in Gesellschaft und Staat 1650-1945, 4., überarb. u. erw. Aufl., Frankfurt a. M. 1965, S. 104.
  • 83. BHSTA-KA A III 18, Fasz. 5; Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 418-426.
  • 84. Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. 426-429.
  • 85. Nach dem verlorenen Feldzug erstellten der Feldmarschall Prinz Karl und der Generalquartiermeisterstab Berichte über die inneren Verhältnisse der Armee und Vorschläge zur Reform. BHSTA-KA B 841, Prinz Karl, Die Verhältnisse der königl. bayer. mobilen Armee betreffend, vom 1.9.1866, vorgelegt am 3.9.1866. Die Denkschrift ist abgedruckt bei Eugen von Frauenholz, Die Heerführung des Feldmarschalls Prinzen Carl von Bayern im Feldzug 1866, München 1925, S. 102-107. Hier finden sich auch Auszüge aus dem Bericht des Generalquartiermeisterstabes: ebd., S. 107-109; vgl. auch Rumschöttel, Das bayerische Offizierkorps (wie Anm. 51), S. 36 f.
  • 86. Rumschöttel, Das bayerische Offizierkorps (wie Anm. 51), S. 79.
  • 87. Hierbei ist zu betonen, dass Wunschdenken und Praxis in Bezug auf die Offiziersbildung in Bayern deutlich auseinanderfielen. Das faktische Bildungsniveau an den Regimentsschulen, aus denen der Großteil der Offiziere hervorging, lag deutlich niedriger als etwa in Preußen. Auch die Errichtung der Kriegsschule 1858 hatte lediglich den Anspruch, sich an preußische Verhältnisse anzugleichen, und führte in den Folgejahren aufgrund der häufigen Ausnahmen und der unzureichenden Ausstattung der Schule zu keiner durchgreifenden Änderung. Erst die Heeresreform von 1868 machte das bayerische Offizierskorps in der Frage der Bildungsvoraussetzungen zu einem Vorreiter. Vg. hierzu ausführlich Gahlen, Offizierskorps (wie Anm. 2), S. S. 342-436.
  • 88. Die großen süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg und Baden legten sich nach den im Gefolge des Friedens von 1866 geschlossenen Schutz- und Trutzbündnissen mit Preußen in der Stuttgarter Militärvereinbarung von 1867 auf gemeinsame Reformen nach preußischem Muster fest. Walter, Preußische Heeresreformen (wie Anm. 45), S. 92 f.; Jens Peter Kutz, Vom Bruderkrieg zum „casus foederis“. Die Schutz- und Trutzbündnisse zwischen den süddeutschen Staaten und Preußen (1866-1870), Frankfurt a.M. u.a. 2007.
  • 89. Adolf Erhard, Reichsfreiherr Sigmund von Pranckh, München 1890; Eugen von Frauenholz, Sigmund Freiherr von Pranckh, der bayerische Reformkriegsminister (1821-1888), München 1930.
  • 90. Rumschöttel betont, dass im Gegensatz zur Geschichte des preußischen Offizierskorps die entscheidende Zäsur nicht in der Zeit nach 1814 oder um 1848/49, sondern in den Jahren 1866-1870 liegt. Rumschöttel, Das bayerische Offizierkorps (wie Anm. 51), S. 286.
  • 91. Ebd., bes. S. 146f.; Werner K. Blessing, Disziplinierung und Qualifizierung. Zur kulturellen Bedeutung des Militärs im Bayern des 19. Jahrhunderts. In: Geschichte und Gesellschaft 17 (1991), S. 459-479, hier S. 477f. Vgl. zur Bedeutung des Deutsch-Französischen Krieges für die Stellung des Militärs in Deutschland allgemein Frank Becker, Synthetischer Militarismus. Die Einigungskriege und der Stellenwert des Militärischen in der deutschen Gesellschaft. In: Michael Epkenhans (Hrsg.), Das Militär und der Aufbruch in die Moderne 1860 bis 1890. Armeen und Marinen und der Wandel von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in Europa, den USA sowie Japan, München 2003, S. 125-141.
  • 92. Vgl. hierzu Michael Schmid, Der „Eiserne Kanzler“ und die Generäle. Deutsche Rüstungspolitik in der Ära Bismarck, 1871-1890, Paderborn 2003.
  • 93. Bernhard R. Kroener, Integrationsmilitarismus – Zur Rolle des Militärs als Instrument bürgerlicher Partizipationsbemühungen im Deutschen Reich und in Preußen im 19. Jahrhundert bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. In: Ders., Kriegerische Gewalt und militärische Präsenz in der Neuzeit. Ausgewählte Schriften, im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, hrsg. v. Ralf Pröve u. Bruno Thoß, Paderborn u. a. 2008, S. 83-107, bes. S. 102-107; Detlef Bald, Zum Kriegsbild der militärischen Führung im Kaiserreich. In: Jost Dülffer/ Karl Holl (Hrsg.), Bereit zum Krieg. Kriegsmentalität im wilhelminischen Deutschland 1890-1914, Bonn 1986, S. 146-160; Jost Dülffer, Die zivile Reichsleitung und der Krieg. Erwartungen und Bilder 1890-1914. In: Ders. (Hrsg.), Im Zeichen der Gewalt. Frieden und Krieg im 19. und 20. Jahrhundert, Köln 2003, S. 124-140.
  • 94. Vgl. hierzu ausführlich Rumschöttel, Das bayerische Offizierkorps (wie Anm. 51); zur materiellen Situation der Offiziere im Kaiserreich siehe Heiger Ostertag, Bildung, Ausbildung und Erziehung des Offizierkorps im deutschen Kaiserreich 1870 bis 1918. Eliteideal, Anspruch und Wirklichkeit, Frankfurt a.M. u.a. 1990, S. 63, 71.
  • 95. Stig Förster, Russische Pferde. Die deutsche Armeeführung und die Julikrise 1914. In: Müller/ Rogg (Hrsg.), Das ist Militärgeschichte (wie Anm. 26), S. 63-82, hier S. 71; vgl. daneben Stig Förster, Im Reich des Absurden. Die Ursachen des Ersten Weltkrieges. In: Bernd Wegner (Hrsg.), Wie Kriege entstehen. Zum historischen Hintergrund von Staatenkonflikten, Paderborn u. a. 2000, S. 211-252, hier S. 218-238; Ders., Ein militarisiertes Land? Zur gesellschaftlichen Stellung des Militärs im Deutschen Kaiserreich. In: Bernd Heidenreich/Sönke Neitzel (Hrsg.), Das Deutsche Kaiserreich 1890-1914, Paderborn u.a. 2011, S. 157-174.
Christoph Nübel

Zitierempfehlung

Gundula Gahlen, Friedens- und Kriegserfahrung im bayerischen Offizierskorps 1815-1866. Schwerpunkt Kriegs- und Gewalterfahrungen im 19. Jahrhundert in Deutschland und Frankreich, hg. v. Axel Dröber, in: Portal Militärgeschichte, 27. Januar 2014, URL: http://portal-militaergeschichte.de/gahlen_kriegserfahrung. (Bitte fügen Sie in Klammern das Datum des letzten Aufrufs dieser Seite hinzu.)

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