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„Militärkomplex Kummersdorf“

Entwicklung, historische Bedeutung und Forschungsstand
Von: 
Günter Nagel
Zieldarstellung auf dem Schießplatz Kummersdorf 1998 - Foto: Karin Nagel

Der Reisende auf der Straße von Zossen nach Luckenwalde kann am Bahnhof Mellensee häufig Scharen lustiger Leute beobachten, die sich anschicken, mit Draisinen auf einem stillgelegten Schienenstrang märkische Landschaft zu erleben. Nicht allen wird bewusst sein, dass sie dem Verlauf der einstigen Königlich-Preußischen Militär-Eisenbahn folgen und dass in dem durchstreiften Gebiet über viele Jahre ein spannendes Kapitel deutsche Militärgeschichte geschrieben wurde. Am Ziel in Kummersdorf-Gut wird in einem kleinen, aber feinem Museum darüber berichtet.

Begriffsbestimmung

Unter dem Begriff „Militärkomplex Kummersdorf“ werden alle Aktivitäten des Preußisch-Königlichen/Kaiserlichen Militärs, der Reichswehr, Wehrmacht, der Roten Armee/Sowjetarmee sowie der Nationalen Volksarmee subsumiert, die sich im Großraum Kummersdorf-Gut einschließlich Schönefeld, Dümde, Rehagen, Klausdorf, Horstwalde und Sperenberg – gelegen südlich bei Berlin zwischen Zossen und Luckenwalde – zwischen 1871 bis 1994 ereigneten.

Entwicklung

I. Aufbauphase (1871- 1914)

Die Erfahrungen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 hatten dem Preußischen Kriegsministerium deutlich vor Augen geführt, dass für künftige militärische Auseinandersetzungen leistungsfähigere Waffen, vor allem der Artillerie, erforderlich sein würden. Das von der Artillerie-Prüfungs-Kommission (APK) bis dahin in Tegel genutzte Terrain entsprach, vor allem räumlich, nicht mehr den gestiegenen Anforderungen.

Die Wahl eines neuen Standortes fiel nicht zufällig auf den „Forst Cummersdorf“: Ein beträchtlicher Teil des wenig besiedelten Gebietes (zugleich günstig für Sicherheit und Geheimhaltung) war bereits preußischer Staatsbesitz. Es war groß genug für eine Schießbahn bis 10 km, lag nahe der Hauptstadt (politisches und militärisches Zentrum des Reiches) und durch die bereits bestehende Eisenbahnverbindung Berlin-Dresden auch verkehrsgünstig.

Der neue Schießplatz bot für die APK – später auch die Gewehrprüfungskommission (GPK) – beste Arbeitsbedingungen zwecks ballistischer Untersuchungen, Erprobung neuer Geschoßarten usw. Deren Tätigkeit in Kummersdorf zog auch große Rüstungskonzerne magisch an, die darauf brannten, hier ihre neuesten Produkte beim „Kaiserschiessen“ zu präsentieren. Die schon 1873 vom Militär als Königlich-Preußische Militäreisenbahn (KME) projektierte und in Angriff genommene neue Eisenbahnlinie von Zossen bis „Cummersdorf“) bewog auch die Verwaltungen der Eisenbahntruppen und Eisenbahnpioniertruppen, sich hier mit eigenen Übungs- und Versuchsplätzen anzusiedeln.

II. Erster Weltkrieg (1914-1918)

Nachdem sich zeigte, dass der jetzt Realität gewordene Stellungskrieg von längerer Dauer sein wird und gänzlich andere Anforderungen als der ursprünglich kalkulierte Bewegungskrieg stellt, war es schon im ersten Kriegsjahr notwendig geworden, die neu aufgekommene Schallmessmethode schnellstens und umfassend zu untersuchen. Weiterhin waren neue leistungsfähigere Waffen, Munition, Pulver- und Sprengstoffsarten zu entwickeln und zu erproben. Zu klären war, wie Befestigungswerke effektiv und sicher „geknackt“ werden können. Dazu kamen neue Herausforderungen des Transportwesens und das Bedürfnis der fortwährenden Heeresmotorisierung. Varianten des Gaskrieges waren ebenso zu erproben wie wirksame Verfahren einer „Großkampfführung“.

Die wissenschaftliche Arbeit der APK gewann so enorm an Bedeutung. Ihre Besetzung erweiterte sich – auch durch Einbeziehung profilierter Wissenschaftler. Ihre Mitglieder hielten sich häufig an den Fronten auf, um das Kampfgeschehen vor Ort zu analysieren. Neue Beziehungen wurden zu Universitäten und Technischen Hochschulen sowie etlichen Kaiser-Wilhelm-Instituten (KWI) geknüpft. Zur Tätigkeit von APK und GPK gehörte nun auch die Begutachtung von Beutewaffen. Naturgemäß weitete sich die Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie aus, deren Fachleute immer öfter in Kummersdorf erschienen.

Bei Kriegsende war Kummersdorf zum zentralen Versuchs- und Erprobungsplatz des Heeres für Waffen, Munition, Fahrzeuge, Gerät und Ausrüstung auf allen Gebieten des Heereswesens geworden, das jetzt auch Fotografie, Wetterdienst, Schall- und Lichtmesswesen beinhaltete.

III. Kriegsende und Aufbau der Reichswehr in der Weimarer Republik (1918-1932)

Wie in ganz Deutschland erfassten die Wirren von Kriegsende und Novemberrevolution auch Kummersdorf, wo es zur Bildung von Soldatenräten kam. Durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages war die Weiterführung der Waffenentwicklung und -erprobung untersagt. Das ehedem tätige Personal wurde weitgehend in die Arbeitslosigkeit entlassen. Dafür avancierte Kummersdorf zu einem der zentralen Plätze für die Sammlung, Zerstörung und Verschrottung von Militärtechnik des Heeres, überwacht von der Internationalen Militärkontrollkommission (IMKK). Nur in geringem Umfang erfolgten Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten für die neu gebildete, auf 100 000 Mann begrenzte Reichswehr. Doch schon 1921 machte sich die Militärführung Gedanken, wie die Bestimmungen des Versailler Vertrages umgangen werden können. Das Truppenamt (TA), eigentlich ein verdeckter Generalstab, nahm Kurs auf eine geheime Aufrüstung und die Entwicklung neuer Waffen- und Gerätemuster, die in Kummersdorf insgeheim erprobt wurden. Dafür wurde auch die geheime Zusammenarbeit Reichswehr-Rote Armee benutzt. Sowjetische Militärdelegationen hielten sich zwecks Vorführungen und Waffenstudium ab 1925 öfter in Kummersdorf auf. Die geheime Wiederaufnahme der Waffenforschung und deren stete Forcierung konzentrierten sich auf gänzlich neue Wege, die beispielsweise zu ersten Erfolgen bei der Anwendung in der Raketentechnik (sowohl auf der Basis von Feststoffen als auch Flüssigkeitstreibstoffe) führten. Zahlreiche, wissenschaftlich gut ausgebildete Fachkräfte, die bereits während des Krieges in der Waffenforschung arbeiteten, fanden nun in Kummersdorf ein neues Betätigungsfeld. Gegen Ende der Weimarer Republik war die Waffenentwicklung und -erprobung in Kummersdorf ein mehr oder weniger offenes Geheimnis.

IV. Nationalsozialismus (1933-1945)

Kaum hatte sich das nationalsozialistische Regime etabliert, wurden für den Ausbau von Kummersdorf enorme Summen bereitgestellt. Jetzt erhielten hier nahezu alle Abteilungen des Heereswaffenamtes (HWA), Amtsgruppe Prüfwesen, eigenständige Einrichtungen für ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf den Gebieten: Ballistik/Munition, Infanteriewaffen, Artilleriewaffen, Minen/Pioniergerät, Kraftfahrzeuge/Kampfwagen, Nachrichtengerät, Optik/Beobachtungs- und Vermessungsgerät, Raketen.

Welchen Stellenwert die politische und militärische Führung diesen Arbeiten beimaß, verdeutlichen ihre häufigen Besuche in Kummersdorf zu Waffenvorführungen aller Art. Hitler selbst, stets begleitet von höchsten Entscheidungsträgern wie Goebbels, Göring, Speer, den Oberbefehlshabern der Wehrmachtsteile sowie hohen SS-Führern, hielt sich ab 1933 mehrfach in Kummersdorf auf. Nach dem Ausbruch des Krieges, insbesondere aber nach dem Scheitern des Blitzkrieges im Osten, gewann Kummersdorf für die nationalsozialistische Führung weiter an Bedeutung, verbunden mit der Hoffnung, dass die hier entwickelte Waffentechnik doch noch maßgeblich zum Sieg beitragen könnte. Das betrifft auch die Tätigkeit der Eisenbahntruppen bzw. Eisenbahnpioniere in Klausdorf, Rehagen und Sperenberg.

Ab 1933 wurde auch die Forschungstätigkeit in Kummersdorf neu organisiert. Die Grundlagenforschung lag nun bei der Abteilung Forschung des HWA, die drei eigene Versuchsstellen bekam (in Kurzfassung: Vers Ost, Vers Gottow, Vers N.) Da es hier aber noch weitere Versuchsstellen gab, wurde für das Gesamtareal die Bezeichnung „Versuchsplatz Kummersdorf“ eingeführt. Alle Abteilungen des Amtes Prüfwesen betrieben auf ihren Gebieten ebenfalls Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, nach Kriegsbeginn ergänzt durch akribische Untersuchungen aller Arten von Beutewaffen.

Prägende Merkmale wurden:

  • Prüfung aller physikalischen, chemischen und sonstigen Phänomene – unter Einsatz modernster Geräte und Verfahren – auf ihre mögliche militärische Verwendbarkeit.
  • Heranziehung geeigneter, gut ausgebildeter wissenschaftlicher Kräfte; in großer Zahl Diplomingenieure (Absolventen von Universitäten/Technischen Hochschulen), aber auch Doktoren und habilitierte Wissenschaftler.
  • Ausbildung wissenschaftlicher Nachwuchskräfte, vor allem am II. Physikalischen Institut (II. PI) der Universität Berlin, aber auch an der Technischen Hochschule Berlin.
  • Zusammenarbeit mit anderen Versuchsstellen des Heeres, z.B. Hillersleben (nördlich Magdeburg, Artillerie), Peenemünde sowie denen anderer Wehrmachtsteile, z.B. Technische Akademie der Luftstreitkräfte (TAL, Berlin-Gatow).
  • Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern an Universitäten, Hochschulen, KWI, staatlichen Forschungseinrichtungen (wie Chemisch-Technische Reichsanstalt oder Physikalisch-Technische Reichsanstalt), vor allem durch Vergabe von Forschungsaufträgen.

Eines der wichtigsten Projekte ab 1939 war die Tätigkeit einer kleinen Arbeitsgruppe der Abteilung Forschung, die im Rahmen des deutschen Uranprojektes in der Vers Gottow das Modell eines funktionierenden Atommeilers zu entwickeln versuchte, genannt „Uranmaschine“.

In allen Abteilungen der Amtsgruppe Prüfwesen waren in der Endphase des Krieges Doktoren, Diplomingenieure und anderes wissenschaftlich-technisch bestens ausgebildetes Personal vorhanden. Ein eigener Forschungsbeirat, besetzt mit prominenten Wissenschaftlern (z.B. Max Planck) beriet die Führung des Heereswaffenamtes. Die Mitglieder des Forschungsbeirates sowie zahlreiche andere Wissenschaftler weilten häufig in Kummersdorf zur Vorführung neuer Waffen, verbunden mit wissenschaftlichen Beratungen zum weiteren gemeinsamen Vorgehen. Verblüffend ist, wie selbst in den letzten Monaten des Krieges dieses Forschungs-System noch funktionierte.

Der sowjetische Geheimdienst, dem der Wert von Kummersdorf nicht entgangen war, sorgte rechtzeitig dafür, dass die Trophäenkommissionen sofort nach der Einnahme begannen, den gesamten Militärkomplex genauestens zu inspizieren, noch vorhandene Dokumente sicher zu stellen und technische Anlagen zu demontieren.

V. Nachkriegsjahre (1945-1994)

Parallel zur Tätigkeit der Beutekommandos – und ihrer Suche nach den Spezialisten – erfolgten Aufräumarbeiten sowie Sprengungen von Munitionsbeständen, Bunkeranlagen und eine Reihe von Versuchsständen.

Ende der 1940er Jahre gab es Bestrebungen einer zivilen Nutzung, so in der Vers Gottow, wo eine Dünnholzproduktion und eine Champignonzucht versucht wurden. Wenig später wurde der gesamte Militärkomplex Standort verschiedener sowjetischer Einheiten. Dazu kam ab 1958 der Bau des Flugplatzes Sperenberg. Eine Versuchstätigkeit sowjetischer Stellen in Kummersdorf ist bislang nicht bekannt. Nachweisbar ist hingegen die von der NVA auf dem Terrain der einstigen Vers Kraft in Horstwalde.

Nach dem Abzug der sowjetischen/russischen Truppen 1994 begannen umfangreiche Entsorgungsarbeiten, teilweise auch Sicherungsarbeiten. In diesem Zusammenhang zu sehen ist auch der 1999 an die „Mull und Partner Ingenieurgesellschaft mbH (M & P)“, Garbsen, von der Oberfinanzdirektion Hannover (OFDH) vergebene Auftrag zur „Erfassung und Erstbewertung (Phase I) von kontaminationsverdächtigen Flächen auf der Bundesliegenschaft 02POTS100, Truppenübungsplatz Kummersdorf/Flugplatz Sperenberg“. Dazu wurden von Kennern des Areals und seiner Geschichte verschiedene Zuarbeiten geleistet, die unter anderem Hinweise zu möglichen Gefährdungen/Gefahrenpunkten gaben.

Historische Bedeutung des „Militärkomplexes Kummersdorf“

An keinem anderen Ort in Deutschland erfolgte nahezu ununterbrochen über einen Zeitraum von 70 Jahren, mit so großer Intensität und Kontinuität, durch das Heer Waffenforschung, Waffenentwicklung und Waffenerprobung wie in Kummersdorf. Damit ist er der älteste Versuchsplatz seiner Art. Die ebenfalls vom Heer genutzten Standorte Jüterbog (ab 1815) und Dallgow-Döberitz (Manöver seit 1703), sind zwar früher entstanden, waren jedoch vorrangig Übungsplätze, wo nur partiell eine militärische Forschung stattfand.

Berücksichtigt man die Nutzung von Kummersdorf nach 1945 durch sowjetische/russische Streitkräfte, dann präsentieren sich hier nahezu 120 Jahre Militärgeschichte.

Wie kaum woanders widerspiegelt Kummersdorf die Verknüpfung von Politik, Militär, Wissenschaft und Technik, einschließlich der Rüstungsproduktion im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und insbesondere im Nationalsozialismus. Kummersdorf spielte in den Absichten, Plänen und Entscheidungen der jeweils herrschenden Kräfte immer eine wichtige Rolle.

Kummersdorf überrascht durch die Vielfalt und Komplexität der Versuchs- und Erprobungstätigkeit für die verschiedensten Waffengattungen des Heeres (Infanterie, Artillerie, Panzer, Pioniere, Militärtransport usw.). Es gab fast nichts an Waffen, Gerät, Militärtechnik oder Ausrüstung, was nicht in Kummersdorf auf den Prüfstand gelangte. Ob schwere und leichte Artillerie, neuartige Geschütze, Panzer, LKW, Gewehre, Handgranaten, Munition, Pulver und Sprengstoffe, Brückenbau, Übersetzmittel, Feldbahnen, Tornister, Stahlhelme, Feldspaten, Kochgeschirr oder Hufbeschlag – hier in Kummersdorf wurde es geprüft, und ständig vervollkommnet. Selbst die Nutzung von Brieftauben und Hunden für militärische Zwecke stand zeitweise auf dem Programm.

Im Mittelpunkt des Interesses der Militärforscher standen jedoch jene Arbeiten, die grundlegend neue Lösungen versprachen und damit einen Qualitätssprung – einen Durchbruch zu bisher nicht bekannten Zerstörungs- und Vernichtungspotentialen – ermöglichten. Dazu gehörten vor allem die Raketentechnik, die Kernspaltung und die Hohlladung (HL). Die HL erwies sich tatsächlich während des Zweiten Weltkrieges als eine revolutionäre Waffenentwicklung, die auf vielen Gebieten Verwendung fand.

Gerade diese Vielfalt und Komplexität unterscheidet Kummersdorf von anderen Versuchsplätzen des Heereswaffenamtes. Für die „praktische“ Kriegführung während des Zweiten Weltkrieges war Kummersdorf so weit wichtiger als Peenemünde.

Auch die Tatsache, dass eine große Anzahl ehemaliger Kummersdorfer Offiziere und Spezialisten nach 1945 in der damaligen Bundesrepublik maßgeblich an der Entstehung der Bundeswehr und der neu etablierten Waffenforschung mitwirkten, unterstreicht ein weiteres Mal die Bedeutung des Komplexes.

Die Vielzahl der trotz Sprengungen, Abrissarbeiten und natürlichem Verfall noch vorhandenen Objekte, Anlagen und Gebäude, sind stumme Zeugen davon, wie in Kummersdorf Kriege erst wissenschaftlich-technisch vorbereitet und dann verlängert wurden. Für die Fachleute der Denkmalpflege war diese Bedeutung von Kummersdorf 2007 Anlass, viele Einzelobjekte und große Teile des Areals unter Denkmalschutz zu stellen.

Forschungsstand

Die Durchsicht einer großen Anzahl von Publikationen ergab, dass eine grundlegende, alle Seiten der Entstehung und Entwicklung des Militärkomplexes Kummersdorf umfassende Darstellung bisher nicht vorliegt. Alle bisherigen Veröffentlichungen untersuchen – mit unterschiedlicher Qualität – nur Teile des Militärkomplexes. Einige wenige geben einen groben Überblick zum gesamten Zeitraum 1871-1994. Die Zusammenhänge und Wechselwirkungen mit anderen Bereichen bleiben weitgehend unbeachtet.

Kaum beachtet wurden bisher berufliche Qualifikation, soziale Zusammensetzung und Lage der in Kummersdorf tätigen Arbeiter und Angestellten. Auch über den Einsatz von Kriegsgefangenen in Kummersdorf ist bislang wenig bekannt.

Die offenkundigen Forschungsdefizite haben zudem die Entstehung von Mythen und Legenden zu Kummersdorf und den dort tätigen Personen begünstigt. Besonders deutlich wird das bei den Anfängen der Raketenforschung. Vielfach wird in der Öffentlichkeit kolportiert, dass allein Wernher von Braun in Kummersdorf dafür die wissenschaftlich-technischen Grundlagen gelegt habe. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen jedoch sehr prägnant, dass er nur einer von vielen Wissenschaftlern war, der die Basis für diese Waffenentwicklung schuf. Ein anderes Beispiel sind die immer wiederkehrenden Bestrebungen, die Versuche der Abteilung Forschung des Heereswaffenamtes, durchgeführt im benachbarten Ort Lynow, umzudeuten in „Arbeiten zu Todesstrahlen“.

Über die Stationierung sowjetischer Verbände in Kummersdorf, ihre Zusammensetzung, Aufgabenstellung, Bewaffnung usw. liegt bisher wenig gesichertes Wissen vor. Das dürfte auch eine der schwierigsten Forschungsaufgaben sein, die noch zu bewältigen ist.

Die bisherigen Literaturrecherchen sowie die Funde in zahlreichen Archiven zeigen, dass eine solide Grundlage gegeben ist, die Geschichte und Bedeutung des Militärkomplexes Kummersdorf umfassend zu erforschen. Ziel sollte eine Publikation sein, die auch wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht wird.

Vier Mitarbeiter der Atomversuchsgruppe in Kummersdorf/Vers Gottow nach einem Experiment mit giftigem Uranoxid (um 1942) - Foto: Sammlung Nagel
Geschoßfangkörbe für schwere Infanteriewaffen, erbaut um 1936 in Kummersdorf 1998 - Foto: Karin Nagel
Reste eines Betonbunkers zur Beobachtung von Geschoßeinschlägen 1994 - Foto: Karin Nagel
Christian Th. Müller

Zitierempfehlung

Günter Nagel, „Militärkomplex Kummersdorf“. Entwicklung, historische Bedeutung und Forschungsstand, in: Portal Militärgeschichte, 25. Januar 2016, URL: http://portal-militaergeschichte.de/nagel_kummersdorf. (Bitte fügen Sie in Klammern das Datum des letzten Aufrufs dieser Seite hinzu.)

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