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Zwangsarbeit als Kriegswaffe

Jahrestagung 2011 des Arbeitskreises Militärgeschichte e.V.
Von: 
Richard Bussmann
AKM-Jahrestagung Zwangsarbeit Freudenstadt 2011

Die diesjährige Jahrestagung des Arbeitskreises Militärgeschichte (AKM) war dem transglobalen und epochenübergreifenden Zusammenhang von Zwangsarbeit und Krieg gewidmet. Das Thema "Zwangsarbeit" knüpft an aktuelle Debatten im Zusammenhang mit Entschädigungsansprüchen der letzten überlebenden ZwangsarbeiterInnen des 2. Weltkriegs an, die sich auch in einer Vielzahl von Ausstellungen und Einrichtung von Gedenkstätten manifestiert. Daher widmete sich ein Teil der Tagung ausschließlich der Erinnerungspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch sollte Zwangsarbeit auf der Tagung über den üblichen Fokus auf die NS-Diktatur hinaus kulturvergleichend und im Hinblick auf ihre systemische Verankerung im Krieg untersucht werden.

Anstoß dafür war unter anderem die Einbettung der Tagung in das Excellenzcluster "Asia and Europe in a Global Context" und in die Osteuropäische Geschichtsforschung durch die Tagungsveranstalter KERSTIN VON LINGEN (Heidelberg) und KLAUS GESTWA (Tübingen). Beiträge aus der Antike, der europäischen Neuzeit, der Sowjetunion und aus Ostasien trugen dieser Dimension Rechnung. Ein weiterer Impuls geht auf das Interesse des AKM unter Vorsitz von STIG FÖRSTER (Bern) zurück. Nach Ablösung der Schlachtengeschichte verfolgt der Arbeitskreis den Ort des Militärischen in der Gesellschaft. Die Vielfältigkeit der Vortragsthemen reflektiert entsprechend die dadurch eröffnete Bandbreite an möglichen Perspektiven. Das Tagungsprogramm hatte einen deutlichen Schwerpunkt auf dem 2. Weltkrieg. Nicht nur meldeten sich auf den call for papers hauptsächlich ZeithistorikerInnen, auch das zur Verfügung stehende Datenmaterial und die Präsenz des Themas "Zwangsarbeit im 2. Weltkrieg" in der internationalen Öffentlichkeit schien diese Epoche zu einem natürlichen Kristallisationspunkt zu machen. Tatsächlich zeigten die Vorträge und anschließenden Diskussionen zu diesem Thema die Notwendigkeit des Details, der klaren Abgrenzung von vergangenen und gegenwärtigen Identitäten, der Rekonstruktion chronologischer Mikrohistorien, der Rückkopplung von Statistiken an konkrete Akteure oder der Differenzierung großflächiger Schlagworte in spezifischen topographischen und kulturellen Räumen, die sowohl für die Betroffenen als auch für die Analyse meist von ausschlaggebener Bedeutung sind. Dem wurde auf der Tagung durch Hinweise auf die rassische und ethnische Hierarchisierung von Bevölkerungsgruppen bei Deportationen, Zwangsumsiedlungen und der unterschiedlichen Behandlung als ZwangsarbeiterInnen - heute Angehörige verschiedener Opfergruppen - Rechnung getragen. Daneben zeichneten sich in der Diskussion einige übergreifende Fragestellungen ab. Am ersten Konferenztag stand der Versuch, "Zwangsarbeit" zu definieren im Vordergrund, vielleicht weil die Vorträge zu Antike, Neuzeit und 1. Weltkrieg eine vage Selbstverständlichkeit der Definition in Frage gestellt haben, vielleicht auch um einen gemeinsamen Bezugsrahmen für die Diskussion zu schaffen. Als Merkmalskatalog sind die sichtbare Kennzeichnung von Zwangsarbeitern, ihre räumliche Separation und Bewachung und die Anwendung von Gewalt vorgeschlagen worden. Hinzu müssten besitmmte juristische und ökonomische Bedingungen, etwa bei der Untescheidung von persönlich unfreien Sklaven vs. Zwangsarbeitern, erfüllt sein, deren Anwendung sich in den älteren Epochen jedoch zum Teil als schwierig erwies.

Nachhaltiger wurde das Innovationspotenzial von Krieg und Zwangsarbeit diskutiert, ein Zusammenhang, der von den beteiligten Leidtragenden wohl als zynisch empfunden werden dürfte. Die Diskutatanten sahen hier einen überraschenden Effekt von Zwangsarbeit. Mehrere Vorträge lieferten dafür Ansatzpunkte, etwa die erzwungenen technologischen Errungenschaften von intellektuellen Gulag-Internierten, die potenziell durch Zwangsarbeit erworbenen Qualifikationen von Kriegsgefangenen, der Bau hoch entwickelter Technik mit Hilfe von Fließbandarbeit und die Verwirklichung von Großbauprojekten, die weit über das Ende eines Kriegs hinauswirkten. Jenseits technologischer Innovationen im engeren Sinne sei zu überlegen, ob Zwangsarbeit auch zur Rationalisierung und damit zur Stabilisierung der Gesellschaft und zu Modernisierungstendenzen etwa bei der Integration von Nachkriegs-Gastarbeitern beigetragen habe. Die Veranstalter haben das Tagungsthema gezielt auf die Frage zugespitzt, in wie weit Zwangsarbeit als Kriegswaffe bezeichnet werden könne. Die meisten ReferentInnen äußerten sich zurückhaltend und rückten Zwangsarbeit eher in den Zusammenhang von Bedürfnissen der jeweiligen Nationalwirtschaften, die allerdings durch den Krieg radikal verändert worden seien. Die wirtschaftliche Effizienz von Zwangsarbeit wurde daher mehrfach diskutiert. Zum einen wurde zur Vorsicht im Umgang mit Begriffen wie "Rentabilität" und "Produktivität" gemahnt, weil diese der Rhethorik der Unrechtsregimes entsprüngen und sich eine tatsächliche "Produktivität" aus den komplexen wirtschaftlichen Verhältnissen nur schwer objektiv errechnen lasse. Zum anderen dürfe der enorme Bedarf von ökonomischen Ressourcen für den Unterhalt etwa von Wachpersonal und Insasassen von Arbeitslagern nicht unterschätzt werden. Einen Bogen zum Thema Innovation spannte schließlich der Gedanke, dass forcierte Zwangsarbeit möglicherweise eine Erscheinungsform des modernen Kapitalismus sei. In der Sektion "Antike" waren Vorträge zum pharaonischen Ägypten und der Klassischen Antike vertreten. RICHARD BUSSMANN (London) plädierte ausgehend vom biblischen Bericht des Frondienstes der Israeliten in Ägypten für eine mediengeschichtliche Verankerung des Kriegs in der Sozial- und Kulturgeschichte Altägyptens, erläuterte die Schwierigkeiten der Quellenbasis für eine Rekonstruktion von Rekrutierungsmechanismen der Arbeit in Ägypten und schloss mit einigen Überlegungen zu einer Archäologie des Normalen, die als Kontrastfolie für eine anthropologische Betrachtung von Zwang in einer vormodernen Gesellschaft dienen könne. PIOTR WOZNICKA (Trier) entwickelte den ethischen Diskurs zum Umgang mit Kriegsgefangenen in Diodors Bibliotheke. Auf der Grundlage ausgewählter Textpassagen rückte er die Konzepte der philanthropia und syngnoma in das Zentrum der Schrift, aus der heraus sich Diodors kritischer Aufruf zum Mitleid mit Kriegsgefangenen verstehen lasse. Die beiden Vorträge der Sektion "Frühe Neuzeit" behandelten primär die Galeerensträflinge, jedoch aus unterschiedlichen Perspektiven. ULRICH NIGGEMANN (Marburg) nutzte die Biographie Jean Martailles als einen Einstieg in eine Darstellung derjenigen hugenottischen Religionsflüchtlinge, die es nicht in das protestantische Exil geschafft haben und zum Rudern auf französischen Galeeren gezwungen wurden. Die Unmenschlichkeit der Behandlung sei in England, etwa auf Flugblättern wie dem Whig and Tory (1710), als anti-französische Kriegsprogaganda genutzt worden, in der sich das freie und demokratische England gegen das Sklaven haltende Frankreich profiliert habe. ANDREAS HELMEDACH (Bochum) erläuterte einige struktugeschichtliche Hintergründe der Zwangsarbeit im osmanischen Reich. Zwangsarbeit sei zum Teil erst durch die Verteuerung von Facharbeit möglich geworden und habe im Falle der Aufstockung von Ruderermannschaften durch Galeerenhäftlinge zur Abwertung des Berufszweigs und einer arbeitsrechtlichen Hierarchisierung der Ruderer geführt. Das Fallbeispiel des Frondienstes für den Bau ungarischer Festungen zeige, wie bestimmte Formen der Zwangsarbeit zu einer fluchtähnlichen Bevölkerungsmigration geführt habe. Die Beiträge in der Sektion "Erster Weltkrieg" hoben auf Interessenslagen und Perspektiven der beteiligten Akteure ab. JENS THIEL (Berlin) zeigte am Beispiel belgischer Zwangsarbeiter während des Ersten Weltkriegs die Verstrickung von Politik, Industrie und Militär. Zwangsarbeit sei eine Reaktion auf die durch die deutsche Besetzung entstandene Massenarbeitslosigkeit im Generalgouvernement Belgien und des Bedarfs an zusätzlichen Arbeitskräften in Deutschland. Doch sei Zwangsarbeit von deutschen Industriellen, kleinen und mittelständischen Betrieben als wirtschaftlich unrentabel, nicht jedoch aus ethischen Gründen, abgelehnt und von belgischen Zwangsarbeitern durch Arbeitsverweigerung boykottiert worden. OXANA NAGORNAJA (Cheljabinsk) stellte den sowjetischen Narrativen der grausamen Kriegsgefangenschaft russischer Soldaten in Deutschland literarische Beispiele entgegen, in denen der russische Soldat in eine ihm entfremdete bäuerliche Heimat zurückkehrt. Die Kriegsgefangenschaft habe einigen russischen Soldaten Wissensvorsprünge in Technologie und Sprache verschafft, wodurch sie zu wichtigen Ressourcen im Nachkriegsrussland hätten werden können, wenn das Regime dieses Potenzial erkannt hätte. Den Auftakt zu den beiden Sektionen "Zweiter Weltkrieg" machte ANDREAS HEUSSLER (München) mit einer key lecture über die Interessenslagen von NS-Staat und Wirtschaft. Trotz weitgehender staatlicher Kontrolle habe sich die Großindustrie wirtschaftliche Freiräume erhalten können. Zwangsarbeit sei eine Schnittstelle gewesen, in der Interessen von staatlichen und wirtschaftlichen Akteuren konvergierten, und habe daher systemstablisierend gewirkt. Anders als in der Großindustrie habe sich der persönliche Kontakt zwischen Arbeitgeber und ZwangsarbeiterInnen in kleinen und mittelständischen Betrieben positiv auf auf die Behandlung der ZwangsarbeiterInnen ausgewirkt. Trotz der visuellen Präsenz von Zwangsarbeiterbaracken im Stadtbild sei das Thema in der Öffentlichkeit jedoch verschwiegen worden. Die drei folgenden Vorträge zeichneten den Zusammenhang von Krieg, Rüstungsindustrie und Zwangsarbeit in Deutsch besetzen Gebieten aus Sicht einer Region, eines Industriezweigs und einer Biogaphie nach. ALFONS ADAM (Prag) erläuterte die Entwicklung der Zwangsarbeit im Sudentengau, die hierarchisch gestaffelt von Fremdarbeitern, Kriegsgefangenen und schließlich KZ-Häflingen bestritten wurde. Ab 1944 wurde auf Häftlinge aus Außenlagern, besonders der KZ Flossenbürg und Groß-Rosen, zurückgegriffen. DANIEL UZIEL (JERUSALEM) zeigte auf, dass der rasante Anstieg der staatlich stark geförderten Flugzeugproduktion während der Kriegsjahre 1939-44 nur durch Fließbandarbeit von ungelernten ZwangsarbeiterInnen ermöglicht wurde. Dieses Produktionswunder habe zu einem nachhaltigen Innovationsschub in der Flugzeugtechnik geführt. DANIEL BONNARD (Marburg) stellte auf der Grundlage von Gerichtsprotokollen die Hierarchie von Argumenten der Anklagebehörde gegen den Großindustriellen Hermann Röchling heraus. Die Anklage bei der Finanzbehörde im französichen Sektor habe sich schwerpunktmäßig auf den Friedensverstoß und erst sekundär auf die Organisation und konzerninterne Misshandlung von Zwangsarbeitern berufen, ohne jedoch einen expliziten Menschenrechtsdiskurs zu führen. Die zweite Sektion "Zweiter Weltkrieg" lenkte den Blick auf die Sowjetunion und die sowjetisch besetzten Gebiete. SIMON JERSAK (Tübingen) hob die Rolle hochqualifizierter, in Gulags internierter Ingenieure für die Entwicklung des Kampfbombers Tupolev 2 hervor. Ihr Status war priviligiert auf Grund ihrer kriegswichtigen Tätigkeit, jedoch rechtlich nicht von anderen internierten Staatsfeinden unterschieden. Ihre institutionelle Anbindung an den NKWD machte sie zum Gegenstand des Misstrauens innerhalb der rivalisierenden Staatsspitzen und von seiten anderer Wettbewerber um staatliche Aufträge. JEAN-PAUL DEPRETTO (Toulouse) stellte eine Typologie von Zwangsarbeitern im Ural vor. Er unterschied nach rechtlichem Status Zwangsarbeiter in Konzentrationslagern, Kriegsgefangene, Arbeitsbataillonen und Arbeitssiedler. NORBERT SPANNENBERGER (Leipzig) ging den nationalen Unterschieden bei der Rekrutierung von ZwangsarbeiterInnen nach 1945 nach. Die ungarischen Behörden hätten die Sowjets bei dem Versuch, ihre Quoten von Kriegsgefangenen zu erfüllen, durch vergleichsweise wahllose Rekrutierung von Zivilisten unterstützt, während Bukarest seine Zusammenarbeit bei der Rekrutierung deutschstämmiger Rumänen aus rechtlichen und ökonomischen Gründen zunächst verweigerte. Die Tschechen hätten bei der Neubesiedlung des entvölkerten Sudetenlands auf in der Slowakei lebende Ungarn zurückgegriffen, deren Zwangsumsiedlung die Slowaken aus rassischen Gründen begrüßt hätten. In der Sektion "Ausstellung und Museum" wurden unterschiedliche Projekte zu Rezeption und Darstellung von und Umgang mit Zwangsarbeit nach dem 2. Weltkrieg vorgestellt. JENS SCHLEY (Weimar) leitete die Sektion mit einer Übersicht über Ausstellungen zu Sklaven- und Zwangsarbeit in verschiedenen Epochen und politisch-nationalen Kontexten des 20. Jh. ein. Er führte den Anstieg von Ausstellungen zum Thema Zwangsarbeit im 2. Weltkrieg auf die Entschädigungsdebatten in den 1990ern zurück, die durch die Wiedervereinigung Deutschlands enstanden seien und sich in der Stiftung Erinnern, Verantwortung, Zukunft ökonomisch manifestiert hätten. JOHANNA WENSCH (Wien) stellte die Genese der Wanderausstellung "Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg", derzeit in Moskau zu sehen, vor. Das chronologisch-thematische Gerüst der Ausstellung "Inklusion und Exklusion (1933-39)", "Radikalisierung: Zwangsarbeit im besetzten Europa (1939-42)", "Massenphänomen: Zwangsarbeit im Deutschen Reich (1942-45)" und "Befreiung" stütze sich in erster Linie auf quellenkritisch aufgearbeitetes Fotomaterial, während der "Epilog" das Leben von AugenzeugInnen mit Interviews vermittele. GÜNTHER SIEDBÜRGER und LISA GROW (Göttingen) präsentierten die regional auf Zwangsarbeit in Südniedersachsen fokussierte Ausstellung "Auf der Spur" und die Möglichkeiten interaktiver Besuchereinbindung ("learning center"). Die Ausstellung ist von mehreren Gruppen in europäischer Zusammenarbeit konzipiert worden. Die flexibel gehaltenen Rahmenvorgaben haben zur Verwendung vielfältiger Medien und zu sehr unterschiedlichen Inszenierungen einzelner Stationen geführt. Interaktive Module sollen den Besuchern die thematisch strukturierte Auseinandersetzung mit individuellen Schicksalen und mit der lokalen Präsenz von Zwangsarbeit in Städten und Dörfern ihrer Region ermöglichen. WOLFGANG FORM (Marburg) präsentierte stellvertretend für KARIN BRANDES das Zusammenspiel der Geschichtswerkstatt Marburg mit Lokalpolitik und universitärer Forschung. Das Projekt habe zur bundesweit einzigen Beteiligung einer Kommune (Marburg) an der Auszahlung von ehemaligen ZwangsarbeiterInnen geführt, fördere die Besuche von ehemaligen ZwangsarbeiterInnen in Marburg im Rahmen eines langfristig angeleten Austauschs und bette das Thema durch Theaterinszenierungen und Bereitstellung von Dokumenten für den Schulunterricht in die lokale Kulturlandschaft ein. In der abschließenden Sektion "Ostasien" wurden Verbrechen des japanischen Militärs in Japan und japanisch besetzten Territorien vorgestellt. TAKUMA MELBER (Mainz/Tokio) und SVEN MATTHIESSEN (Sheffield/Tohoku) fokussierten auf Mechanismen der Rekrutierung indonesischer und indigener ZwangsarbeiterInnen und ihren Einsatz in Malaya/Singapur und auf den Philippinen ab 1942/43. Die japanischen Besetzer hätten zunächst auf Anwerbung Freiwilliger gesetzt, aber nach ausbleibendem Erfolg die Bevölkerung zur Arbeit an Großbauprojekten, etwa der Burma-Siam-Railway (1943), oder in Kupfer-, Gold- und Manganminen, etwa der Mankayan-Mine, gezwungen. Teile der Bevölkerung hätten darauf mit Guerilla-Krieg reagiert (Philippinen) oder "freiwillig" mit paramilitärischen Verbänden wie der Indian National Army oder der japanischen Armeehilfstruppe Heiho kooperiert (Malaya). ANDRE HERTRICH (Halle) wies auf die erstmalige Anwendung von Kriterien zur Ahndung geschlechtsspezifischer Verbrechen, hier der Zwangsprostitution von Niederländerinnen durch die japanischen Besetzer von Niederländisch Ost-Indien, im Rahmen des Völkerstrafrechts hin. Im Awochi-Fall (1943) und im Semarang-Fall (1945) hätten sich die niederländischen Ankläger auf den Nachweis von Gewalt oder Gewaltandrohung durch die japanischen Besatzer gegenüber den in einer abhängigen Notlage befindlichen Frauen und Mädchen als Beweiskriterium gestützt. FRANZISKA SERAPHIM (Boston) zeigte am Beispiel der Hanaoka-Mine, dass Zwangsarbeit durch Japaner nicht nur in den Ländern der ausgelagerten japanischen Industrien, sondern auch im eigenen Land stattfand. Aus erinnerungsgeschichtlicher Perspektive erläuterte sie an Hand der Holzschnitt-Serie "Die Geschichte von Hanaoka" (1950/51), dass kommunistische Oppositionelle kurz nach dem Krieg die Greueltaten japanischer Militärs insbesondere gegen Chinesen, aber auch gegen Koreaner und Japaner für ihren Wiederstand gegen das sich neu formierende "imperialistische" Nachkriegsjapan nutzten. Die Tagung hat ForscherInnen aus einer großen Bandbreite von Disziplinen zusammengebracht. Naturgemäß hatten die Vorträge sehr unterschiedliche Perspektiven, die nicht automatisch in einem gemeinsamen harmonischen Gesamtbild aufgehen. Die Veranstalter haben bewußt viel Zeit für Diskussionen eingeräumt, und tatsächlich begannen sich im Laufe der Tagung fachübergreifende Fragestellungen und gemeinsame Interessen zu entwickeln. Die disziplinäre Heterogenität der TeilnehmerInnen stellte sich hier als ein äußerst fruchtbarer Boden für neue Impulse zur Erforschung von Zwangsarbeit und Krieg heraus.

Veranstalter: Dr. Kerstin von Lingen (Karl Jaspers Centre for Advanced Transcultural Studies/Cluster of Excellence "Asia and Europe in a Global Context", Universität Heidelberg), Prof. Dr. Klaus Gestwa (Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde, Universität Tübingen) Datum: 22.-24. September 2011, Freudenstadt

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Zitierempfehlung

Richard Bussmann, Zwangsarbeit als Kriegswaffe. Jahrestagung 2011 des Arbeitskreises Militärgeschichte e.V., in: Portal Militärgeschichte, 13. Januar 2012, URL: http://portal-militaergeschichte.de/node/17. (Bitte fügen Sie in Klammern das Datum des letzten Aufrufs dieser Seite hinzu.)

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