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Deutsche Militärgeschichte in Europa, 1945-1990: Repräsentation, Organisation und Tradition von Streitkräften in Demokratie und Diktatur

60. Internationale Tagung für Militärgeschichte
Datum: 
Dienstag, 17. September 2019 bis Donnerstag, 19. September 2019
Ort: 
Seminaris-Hotel Potsdam
Deadline: 
Donnerstag, 31. Januar 2019

Organisiert durch: Jörg Echternkamp und Christoph Nübel, ZMSBw Potsdam

Neben dem anhaltenden Trend zu transnational angelegten historischen Studien hat sich in jüngster Zeit das Interesse an einer gesamtdeutschen Zeitgeschichtsschreibung verstärkt. Diskutiert wird, ob und in welchen historischen Bereichen es angesichts der entgegengesetzten Staats- und Gesellschaftsordnungen sinnvoll ist, die Geschichte von Bundesrepublik und DDR gemeinsam in den Blick zu nehmen und aufeinander zu beziehen. Weiterhin ist klärungsbedürftig, mit welchen Konzepten Historikerinnen und Historiker eine „deutsch-deutsche“ Geschichte schreiben können. Schließlich stellt sich die Frage, wie sich die deutsche Geschichte nach 1945 in einen international-europäischen Rahmen integrieren lässt.

Die militärgeschichtliche Dimension wurde in diesen Debatten bislang kaum berücksichtigt. Gleichwohl haben erste Arbeiten des am ZMSBw angesiedelten Forschungsprojektes „Deutsche Militärgeschichte 1970-1990“ gezeigt, wie fruchtbar eine beide deutsche Staaten integrierende Perspektive ist, die auch den europäischen Rahmen berücksichtigt. Die Tagung greift dieses Desiderat auf und schlägt mit Repräsentation, Organisation und Tradition Zugänge zu diesem Forschungsfeld vor, die als analytische Leitlinien dienen und das Tagungsthema strukturieren. Das Konzept der Repräsentation, das die Selbst- und Fremdbilder, den gesellschaftlichen Stellenwert der Streitkräfte und ihre symbolische Praxis in den Vordergrund rückt, bietet Anknüpfungspunkte für kultur-, politik- und sozialgeschichtliche Methoden. Organisationstheoretische Ansätze ermöglichen den Blick auf die jeweiligen Wehrverfassungen wie auch auf Bündnis- und Binnenstrukturen des Militärs. Das Problem der Tradition rückt die Frage nach Brüchen und Kontinuitäten in der doppelten deutschen Militärgeschichte nach 1945/49 in den Blick.

Vor diesem Hintergrund verfolgt die Tagung drei Ziele. Erstens nimmt sie die militär- und sicherheitspolitischen, zivil-militärischen sowie binnenmilitärischen Beziehungen im Kontext übergreifender Epochentendenzen in den Blick. Folglich befassen sich die Sektionen mit der Militärgeschichte in unterschiedlichen Zusammenhängen: im politischen (Ost- West-Konflikt, Wiederaufbau, Etablierung neuer Ordnungen, Bündnissysteme, Landesverteidigung, Reformen, Sicherheit, Geschichts- und Nationenbilder, Menschenrechte), sozialen (Protestbewegungen, Individualisierung, Umwelt), wirtschaftlichen (Wandel der Arbeitswelt, Konsum, Wirtschaft zwischen Boom und Krise, Technologien) und kulturellen (Medialisierung, Individualisierung). Damit bezieht die Tagung gegenwärtige zeitgeschichtliche Forschungstendenzen auf das Militärische und unterstreicht die Relevanz militärhistorischer Fragen auf diesen Feldern. Zweitens sind Konvergenzen und Divergenzen zwischen Ost und West – wechselseitige Wahrnehmungen, Beziehungen, Parallelen und Abgrenzungen – auf deutscher und europäisch-internationaler Ebene auszumessen. Drittens schließlich soll die immer noch anzutreffende teleologische Betrachtung der Bundesrepublik als Erfolgs- und der DDR als Misserfolgsgeschichte überprüft werden.

Erbeten werden Beiträge, die in diesem Rahmen jeweils Aspekte der Repräsentation, Organisation oder Tradition von Streitkräften aufgreifen, möglichst in deutsch-deutscher Perspektive. Ebenso sind Vorschläge willkommen, die das Thema in einem internationalen Zusammenhang beleuchten. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Die Kosten für Fahrt und Übernachtung werden in Anlehnung an das Bundesreisekostengesetz übernommen. Die Publikation ausgewählter Beiträge ist beabsichtigt. Ihr Exposé (max. 2500 Zeichen) übersenden Sie bitte mit einem kurzen Lebenslauf bis zum 31.01.2019 an: zmsbwitmgs2019[at]bundeswehr[dot]org.

Conrad Kunze

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