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Von Schill zu Che

Der Mythos des Partisanen
Von: 
Martin Rink
Das Bild zeigt das Konterfei Schills

Wenn es einen Archetypen des "deutschen Partisanen" gibt, dann Ferdinand von Schill. Im preußischen Katastrophenwinter 1806/07 trat er mit der Bildung eines Freikorps hervor und avancierte rasch zum Publikumsliebling. 1809 desertierte er mit seinem gesamten Regiment, um die Bevölkerung für einen Volksaufstand zum Kampf gegen Napoleon anzustacheln. Einen Monat später scheiterte er, verlor sein Leben - und avancierte zum Helden. Mit Schill verbanden sich fortan nationale Mythen. Fortan wurde er von verschiedenen Gruppen verehrt. In der Tat: Schill blieb schillernd.

1. Helden der populären Alltagskultur - Schill, Che und Asterix

"Ganz Gallien ist von den Römern besetzt ... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre, die als Besatzung in den Befestigungen [ringsumher] liegen". Dieser jedem Asterix-Leser vertraute, da in jedem Heft stetig wiederholte Einstiegstext ist Teil unserer Alltagskultur - in Deutschland so wie überall, zumindest im westlichen Europa. 1 Wenn sich Asterix als eine weit über den französischen Sprachraum hinaus bekannte und positiv besetzte Figur darbietet, so kann dies Aufschluss geben auf tieferliegende Geschichtserzählungen: Es geht um Mythen, die bei allen Unterschieden im Einzelnen bemerkenswerte Parallelen in verschiedenen nationalen Erzählungen aufweisen. Die Ähnlichkeiten der Erinnerung an Ferdinand von Schill mit der Erinnerung an gegenwärtigen Comic-Figuren - die auf Französisch würdiger "bandes dessinées" heißen - mag trivial erscheinen. Doch lassen sich beide Phänomene demselben Gesamtthema zuordnen: dem Fortleben der Heldengeschichten im alltäglichen Leben, auf Papier, auf Bildnissen, als Aufdruck auf Alltagsgegenständen.

Das Gedankenexperiment, auf Ähnlichkeiten der alltagskulturellen Vereinnahmung der Figuren Schill und Asterix hinzuweisen, ist gewagt. Denn zu groß sind die offenkundigen Unterschiede. Aber bei allen klaren Differenzen beziehen sich die Ähnlichkeiten doch auf zwei Aspekte: Es handelt(e) sich zum Einen um Helden, die im asymmetrischen Kampf hervortreten; zum Anderen um solche, deren "Bild" allgegenwärtig war oder ist - physisch wie als "Image". Auch in den Asterix-Figuren leben nationale Mythen fort. Dies mag deren Popularität miterklären. Doch werden hier die alten Mythen ironisch gebrochen; eine Voraussetzung, um die Geschichten einem Nachkriegs-Publikum sympathisch zu machen. Denn die Kriegshelden, wie sie zwischen der napoleonischen Zeit und dem Zweiten Weltkrieg propagiert wurden, sind für die deutsche Mehrheitsgesellschaft als Sympathieträger untauglich geworden. Trotz dieses deutlichen Unterschiedes bleiben Analogien. Wollte man der Figur des Asterix eine ernsthaftere Heldenfigur der Gegenwart an die Seite stellen, so erhebt sich die des Ernesto "Che" Guevara (1928-1967), die seit der Dekolonialisierungsära der 1960er-Jahre bis zur Gegenwart als populäre Ikone im Alltag gegenwärtig bleibt. Die Figur des asymmetrischen Kämpfers wirkt und wirkte polarisierend: Che Guevara erhob sich zur Identifikationsfigur, die sich von der Person und ihrer Geschichte löste; ein Gleiches gilt für die weit kontroversere - weil zeitnähere und massenmörderische - Figur des Osama bin Laden als Ikone des Islamismus und dessen Sympathisanten. 2

Allen gemeinsam ist die Disparität zwischen (kriegs-)rechtlichem Handeln und moralischer Beurteilung. Allen Figuren gemeinsam ist auch der asymmetrische Kampf einer unterlegenen, aber "moralisch überlegenen" Person gegen ein herandringendes "Imperium". Gleichsam ihren Grundtyp finden diese Erzählungen im Bild vom "Partisanen". Ob als gallisches Dorf oder als Festungsstadt in Hinterpommern (wo Schill zuerst bei der Verteidigung Kolbergs im Winter 1806/07 hervortrat) - das Verbindende ist dasselbe: der Kampf gegen die Eindringlinge, der unkonventionelle Kampf durch Überlistung und in-die-Irre-Führen des Gegners, das unerwartete Zuschlagen gegen eine Überlegenheit; der gleichzeitig erfochtene Sieg im offenen Kampf, sobald die numerische Überlegenheit des Gegners nicht mehr gegeben ist: Das ist das Bild von Schill, so wie es sich auf Kupferstichen und Radierungen, auf Tabaksdosen und auf Porzellan und natürlich in allerlei fabelhaften Publikationen der Zeit und der Nachwelt darbot. Und dieses Bild überdauerte in Deutschland bis ins 19. und frühe 20. Jahrhundert. Im Gegensatz zu den Gestalten der nationalen, militärisch und militaristisch kolorierten Heldenverehrung in Deutschland zwischen dem Auftreten Napoleons und 1945 ist Asterix ein eher "friedlicher" Held. Da die von ihm bestrittenen Kampfhandlungen nicht tödlich verlaufen, sondern sich in ironisierter Schlägerei erschöpfen, wird der Kampf hier gleichsam nur gespielt. Das ist der bezeichnende Unterschied der "Helden" der Nachkriegszeit gegenüber dem blutigen Ernst des nationalen Zeitalters. Natürlich sind weder Asterix und Obelix noch ihre Mitstreiter "Partisanen"; doch leben sie vom Image der Asymmetrie, von der Disparität zwischen "klein" und "groß", von der Bewahrung ihrer Autonomie gegen die Übermacht. Und es sind immer die "Kleinen", denen die Sympathien des Publikums zukommen. Mindestens in den jüdisch-christlichen Kulturkreisen hat diese Denkfigur mächtige Vorläufer. Bereits der biblische Zweikampf zwischen David und Goliath versinnbildlicht die Asymmetrie des Konfliktes. Hier fokussiert sich der Kampf von "klein" gegen "groß", von "leicht" gegen "schwer bewaffnet" seinen Archetypen. 3 Die moralische Qualifikation gehört auch hier zum Kern der Geschichte, sie ist Ausgleich für die materielle Unterlegenheit und entscheidend für den Sieg: David erscheint als Kämpfer im Namen Gottes, dessen Name von Goliath geschmäht wurde. Die weitere Erzählung im 2. Buch Samuel schildert David als Anführer von 600 Wüstenkriegern, die man in gegenwärtiger Diktion als "irregulär" bezeichnen würde. Ihr taktisches Vorgehen hätte man im 18. und 19. Jahrhundert als "kleiner Krieg" (oder Parteigängerkrieg), im 20. Jahrhundert aber als "Partisanenkrieg" bezeichnet. 4

Asterix wie Schill kämpften gegen das "Imperium", welches wörtlich oder übertragen von den "Römern" repräsentiert wurde. Gegen die "Römer" als "Imperialmacht" aber definierten sich die aufkommenden Nationen im 18., vor allem aber im 19. Jahrhundert: Vercingetorix für Frankreich (von dem das Suffix -ix für die Volkszugehörigkeit der Gallier der Asterix-Hefte entlehnt wurde); Hermann/Arminius für Deutschland, von dem die Ende 1808 zu Papier gebrachte Hermannschlacht Heinrich von Kleists kündete. 5 Ähnlich gelagert sind auch nationale Mythen in England (Aufstand der Boudicca), Spanien (Belagerung von Numantia) und anderswo. Auch hier wurde das Bild der "nationalen" Kämpfer an ältere Erzählungen angelehnt, als Kampf von "klein" gegen "groß" stilisiert und im 19. Jahrhundert ausgeformt. Der Kampf gegen Rom lieferte hier wie dort das historische Kostüm zur Verfolgung sehr gegenwärtiger Zwecke.

Von Asterix über Schill bis Che zieht sich ein weiter Bogen. Und bei allen großen Unterschieden bestehen Ähnlichkeiten: Sie erscheinen erstens als Kleinkriegs-Kämpfer, also - modern gesprochen - als "Partisanen". Sie motiviert zweitens ein "Freiheitskampf" für das unterdrückte "Volk" oder die "Nation". Dieser Kampf richtet sich drittens gegen eine Großmacht von außen, wird von dieser also als "Rebellion" angesehen. Deshalb vollzieht er sich viertens nicht in regulären Bahnen, sondern im Rahmen eines subkutanen, meist auch subversiven Kampfes. Schließlich ist der Konflikt fünftens durch eine alltagskulturelle Vereinnahmung geprägt: von Schill auf der Tabaksdose im frühen 19. bis zum T-Shirt mit dem Konterfei des Che Guevara im späten 20. Jahrhundert. 6

2. Neue Begriffe und Mythen - "Nation" und "Partisan" im Zeitalter Napoleons

Ferdinand von Schill trat seinen Zeitgenossen als Vorkämpfer gegen das französische "Empire" vor Augen - buchstäblich als Vorreiter der deutschen Nationalbewegung. 7 Sein Erscheinen personifiziert den Wandel zwischen Ancien Régime und dem Zeitalter der Revolutionen. Erst mit dem kollektiven Erlebnis napoleonischer Fremdherrschaft formierte sich in Deutschland eine politische Vorstellung der deutschen Nation. Und hieran heftete sich der Begriff eines heroisch gegen die Übermacht streitenden Kleinkriegskämpfers. Das Unternehmen Schills, im Mai 1809 auf eigene Faust in den Krieg zu ziehen, ist eine für die deutsche, speziell für die preußisch-deutsche Geschichte singuläre Tat. Andere Insurgenten des Jahres 1809 blieben entweder ganz im Schatten Schills, wie Friedrich von Katte und die Gebrüder Eugen und Moritz von Hirschfeld, oder sie traten doch zurück hinter Schill, wie Wilhelm von Dörnberg oder den Schwarzen Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels und sogar den Tiroler Andreas Hofer. Gerade durch seine Eigenmächtigkeit avancierte Schill in (Nord)Deutschland zum Vorbild für die - später so (selbst-)stilisierten - Helden der nationalen Befreiung: Ohne Schill kein Adolf von Lützow, in dessen Königlichem Freikorps die kulturelle Mobilmachung im Frühjahr 1813 gleichsam gebündelt zum Ausdruck kommt. Und obwohl sowohl das Freikorps Schills als auch die Lützower nach rein militärisch-taktischen Gesichtspunkten eher durchschnittliche Leistungen erbrachten, galten eben diese beiden Freikorps im kollektiven Gedächtnis der Deutschen durch das 19. und weite Teile des 20. Jahrhunderts hinweg als Inbegriff der nationalen Erhebung gegen Napoleon. Quantitativ standen diese Kräfte ganz im Schatten der wiederhergestellten Linientruppen und der nach deren taktischem Muster eingesetzten Landwehr.

Ihre Wirkung im kollektiven Bewusstsein basierte nicht auf der Leistung im Feld, sondern auf etwas anderem: Auf dem Mythos des Freiheitskämpfers, der sich taktisch nach dem Muster des kleinen Krieges und "moralisch" beseelt durch die nationale Freiheitsidee zeigte. 8 Mit den "moralischen Größen", also dem Kampfgeist der Heere und dem Kampf-, Leidens- und Durchhaltewillen der Bevölkerung, verband sich die Vorstellung vom "Volkskrieg", vom Krieg der "Nation". 9 Und als deren taktisches wie psychologisches Instrument erschien in erster Linie das Wirken des "Partisanen", dessen positiv besetzte Grundfigur sich über zwei Jahrhunderte hinweg bei den "fortschrittlichen Kräften" in der "westlichen Welt" fortsetzte. Mit der Vorstellung des Partisanen verbanden sich politisch-nationale und sozialrevolutionäre Konnotationen über zwei Jahrhunderte: von den Milizen des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges 1776-1783 bis zum Spielfilm "Der Patriot" der Jahrtausendwende von Roland Emmerich mit Mel Gibson in der Hauptrolle; von der spanischen Guerilla der Jahre 1808-1813/14 als Vorbild für die Freiheitsbewegungen des 19. Jahrhunderts bis zu Che Guevara als Ikone der Dekolonisations- und antiimperialistischen Befreiungsbewegungen der 1960er und 1970er Jahre. In diesem sehr heterogenen Spektrum knüpfte sich die Vorstellung einer Mobilisierung "des Volkes" - wer immer im Einzelnen darunter verstanden wurde - an die Figur des "Partisanen", des "Freiheitskämpfers" oder "Guerilleros". Ganz anders in der Zeit des Ancien Régime: Hier war der in der Kampfform des kleinen Krieges eingesetzte "partisan" oder "Parteigänger" ein meist regulärer, aber nicht wirklich in hohem Ansehen stehender Kämpfertyp.

Das 19. Jahrhundert steht im Zeichen der "Nation". Und zwischen 1807 und 1813 erfuhr der nationale Gedanke in Deutschland jene spezifische Färbung, an den sich die idealisierte Vorstellung vom Freiheitskämpfer heftete. Hiermit wiederum verband sich die zeitgenössische Idee vom "Volkskrieg". In diesen wurde in aller Regel die physische wie psychische Mobilisierung von "Humanressourcen" des Landes propagiert. Zwar fand der "Volkskrieg" im Sinne einer flächendeckenden und alle Schichten übergreifenden "nationalen Erhebung" nicht so statt wie proklamiert. Doch mutierte im Verlauf der "Freiheitskriege" der einst auf elitäre Zirkel des Bildungsbürgertums begrenzte Nationalgedanke zum Massenphänomen.10 Im Verlauf dieses Prozesses erfuhr das Bild vom Krieger eine Umprägung, das gewandelte Vorstellungen der zivilen Welt vom Militär integrierte. Parallel dazu blieben Ausdrücke aus dem Ancien Régime bestehen, nahmen jedoch eine neue Bedeutung an. Die aus dem Französischen entlehnten Begriffe "nation" und "partisan" sind gute Beispiele hierfür: Im Gefolge der Revolution wandelten sich beide grundlegend. Die Nation bezeichnete eine neue Form der Vergemeinschaftung. Zunächst bezeichnete sie den Dritten Stand im Gegensatz zu den oberen Ständen. Im frühen 19. Jahrhundert, und für lange Zeit parallel laufend zur erstgenannten Vorstellung, akzentuierte der Nationalgedankte zunehmend die Gegensätze zu anderen Nationen. Als Ergebnis der französischen Nation - "une et indivisible" - erwuchs die "teutsche Nation" als deren Spiegelbild. Der Paradigmenwechsel bezog sich auf einen Verbund von "Gleichen": Vom Fürsten bis zum letzten Bauern - alle kämpften zur Verteidigung des "Vaterlandes". Doch für die Nachkriegszeit nach 1815 bot diese Vergemeinschaftungsidee Spielraum für unterschiedliche Ausdeutungen. Wo Ernst Moritz Arndts "Lied vom Schill" 1812 betonte, dass den "tapfren, mutige[n]" Schill "kein Kaiser, kein König" aussandte, 11 so weihte der preußische König die Inschrift des 1818 bis 1821 erbauten Kreuzbergdenkmals "dem Volke, das auf seinen Ruf hochherzig Gut und Blut dem Vaterlande darbrachte", wie es auf dem Denkmal heißt. Wenn nach dem heutigen Forschungsparadigma die Nationen vor allem als Kommunikationseinheiten gesehen werden, so bezieht sich das gerade auf die kulturellen Praktiken zwischen dem Hervortreten Schills Anfang 1807 und dem Lützows im Februar/März 1813.

Beide zu Heldengestalten stilisierten Männer verdeutlichen die Mechanismen der Mobilisierung. Hier zeigt sich die neue politisierte Semantik beider Begriffe: sowohl der Nation wie des Partisanen. In seinem modernen Verständnis ist der "Partisan" nur möglich vor dem Hintergrund der "Nation". Im Zeitalter der Aufklärung war die Bindekraft älterer gemeinschaftskonstituierender Prinzipien in Frage gestellt worden und damit auch die Autorität der alten Eliten. Es war ein langwieriger Prozess, der aber in der Zeit von Revolution und Napoleon eine erhebliche Beschleunigung erfuhr. Parallel dazu verschob sich das Bild vom Kämpfer. Im 18. Jahrhundert unterschied sich der Soldat begrifflich nicht vom Söldner. Den begrifflichen Umschlag, der sich während der Zeit von Revolution und Napoleon vollzogen hatte, zeigte 1816 der Liberale Karl von Rotteck. Er verfocht die Wehrform einer Nationalmiliz im Gegensatz zu den "stehenden Heere oder Soldtruppen". Während erstere Gewähr dafür böten, "dass die Soldaten "Individuen im Heer" bleiben konnten, welche "ihrem Privatcharakter nach auch untter [sic] dem Waffenrock Bürger blieben", seien letztere bloßes Werkzeug ihrer "Brodherrn" und somit des Despotismus. 12

Geradezu als Sinnbild dieses Wandels konnte der autonome, in erster Linie seinen politischen Zielen folgende Kämpfer gelten; einerseits der in Landwehr oder Landsturm aufgebotene "Wehrmann"; andererseits der "Partisan". Freilich wurde die alte Diktion von der neuen nicht sofort abgelöst, sondern überlagert. Das blieb eine Quelle von Missverständnissen für die Nachwelt, die Schill, Lützow und die anderen Parteigänger und Insurgenten oft mit ahistorischen Maßstäben beurteilte.13 So knüpfte der in den Proklamationen der spanischen Juntas von 1808 und 1809 beschworene Kampf der "guerrilla" und der in diesem Rahmen erfolgende Einsatz der "partidas" begrifflich an die militärisch-taktischen Begriffe des 18. Jahrhunderts an. Erst die "Erhebung der Völker" und deren literarische Verarbeitung im 19. Jahrhundert erzeugte die Begriffe der Guerilla und des Partisanen, so wie sie uns zwei Jahrhunderte nach den Ereignissen noch geläufig sind. 14

Diese semantische Verschiebung bis hin zum völligen Begriffwandel wurde kulturell grundiert. Schon im späten 18. Jahrhundert hatte die protonationale Bewegung in Deutschland ihre besondere Prägung durch das Bildungsbürgertum erhalten, denn erst die "Leserevolution" dieser Zeit ermöglichte eine Ausweitung des Denk- und Kommunikationshorizonts, der die "Deutschen" über ihre territorialen Bindungen hinweg zusammenfasste. Der Aufstieg der Bildungsidee war Folge und wiederum Ursache für das Emporkommen neuer Eliten, die sich - im Gegensatz zur ständisch geprägten Gesellschaft - durch das Leistungsideal definierten. Bereits hier zieht sich ein Bogen zu Schill und den Offizieren, die zu den Protagonisten der preußischen Militärreformen wurden. In der düsteren Jahreswende 1806 auf 1807 bot sich die Figur Schills als Leistungsträger vor dem Hintergrund des allgemeinen Versagens der altpreußischen Armee als publizistisches Sujet an. Hinzu kam bei Manchen seit dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts ein Unbehagen an der etablierten höfisch geprägten Kultur. Somit prägten bereits die Vertreter des Sturm und Dranges ein Ideal vom "jungen Wilden". Der auf der Flucht befindliche württembergische Regimentsmedikus Friedrich Schiller brach 1781 in seinem Erstlingswerk "Die Räuber" den Stab über das "tintenklecksende Kastratenjahrhundert". 15Mit Jean-Jacques Rousseaus Verklärung der Natur prägte sich gleichzeitig ein Idealbild vom "edlen Wilden" aus; auch dies blieb zunächst Avantgardephänomen. 16

Mit der Propagierung des Natur-Ideals während der Revolutionszeit aber konnten die gleichfalls als wild, unzivilisiert und "natürlich" auftretenden leichten Truppen den Stoff hergeben, aus dem dann Helden gemacht wurden. Schon vorher, im Verlauf des 18. Jahrhunderts, war ein ähnlicher militärisch-kultureller Adaptions- und Umformungszyklus angestoßen worden, eine Entwicklung vom Türkenkrieg zur Türkenmode. Diese zeigte sich nicht nur etwa in Mozartopern, sondern auch im "orientalischen" Habitus der leichten Truppen. 17 Aus diesen verschiedenen Strängen, dem Transfer fremder Kulturelemente, der Müdigkeit an der (etablierten) Zivilisation und der Aufladung des Diskurses mit nationalen und kriegerischen Elementen konnte in der frühromantischen Zeit ein neues kulturell-militärisches Idealbild erwachsen, das ursprünglich weder mit den leichten Truppen oder mit den Intellektuellenzirkeln, noch mit den Protagonisten der nationalen Bewegung viel gemein hatte. Es entstand etwas Neues: der wild-romantische Typus vom Freiheitskämpfer, so wie er in den Denkschriften August Neithardt von Gneisenaus und Carl von Clausewitz' im Büro für den König, bei Schill jedoch im Aufruf an die Deutschen öffentlich fürs Volk verbreitet wurde. Genauso waren die Aufrufe gehalten, welche die Streifparteien und Avantgarden der Koalitionstruppen 1813 verbreiteten. 18

Als Wegscheide erwies sich bereits die preußische Katastrophe und der gleichzeitig in Norddeutschland komplettierte territoriale Umbruch der Jahre 1806 und 1807. Gewissermaßen befand sich die Situation in (Nord-)Deutschland/Preußen in der Schwebe: Die alte Ordnung war zutiefst erschüttert, vorher angelegte geistige Tendenzen erhielten nun die Chance der Bewährung. Bisherige nationale Stereotype wie das Bild vom "leichtfertigen Franzosen" oder vom "biederen Teutschen" verschärften sich infolge der napoleonischen Besatzungsherrschaft.

Zudem vollzog sich ein Wandel der Herrschaftslegitimation. Vor dem Hintergrund, dass die alten Autoritäten entweder verjagt, geflohen oder im Felde geschlagen worden waren, etablierte sich - gestützt auf Publizistik und Kunsthandwerk - die charismatische Herrschaft als Legitimationsmodell - vor allem in Norddeutschland, wo die Erschütterungen besonders tiefgreifend waren. Der Bonapartismus proklamierte den "Mythos des Retters" 19. Dieses Vorbild erklärt auch die Verklärung Schills zur charismatischen Figur durch Zeitgenossen, die antinapoleonisch gestimmt waren. Sein Charisma entfaltete sich durch die Wirkung seiner Taten vor Kolberg. Dort wurde sein Mythos geboren, am exilierten Hof zu Königsberg weitergepflegt, bis er in Berlin zwischen Dezember 1808 und April 1809 schließlich die Oberhand über den Helden gewann. Schills Zug von Mai 1809 zeigte freilich drastisch die Grenzen charismatischer Gefolgschaft. Gleichwohl wirkte die traditionale Herrschaft des Königs, so angeschlagen wie sie war, noch fort; doch gleichsam negativ: Ohne das Signum des Königs war Nennenswertes nicht zu vollbringen, wenngleich der Monarch aktiv kaum hervortrat sondern schwankte. Ebenfalls erschüttert, aber noch präsent war die bürokratische Herrschaft, jene Errungenschaft der Herrschaftsverdichtung im Jahrhundert zuvor. Ohne formale Legitimität blieben die Insurrektionsversuche von 1809 ohne Chance für eine praktische Unterstützung: Die lokalen Autoritäten orientierten sich an König, Recht und Vorgesetzten. So requirierten auch die Freiheitskämpfer keine Lieferung ohne Quittung; zusammen mit den um "Ruhe und Ordnung" besorgten Magistraten der von ihnen durchstreiften Gebiete trugen auch sie Sorge für "Ruhe und Ordnung". In dem allen wirkte die "gute Policey" des 18. Jahrhunderts fort.

Die Erschütterung der alten Ordnung in den alten Monarchien war Voraussetzung für das Gelingen der napoleonischen Herrschaftskonzeption; in kleinerem Maßstab bot sie aber auch die Chance Schills. Die Möglichkeit für den bislang unbeachteten Dragonerleutnant, zum Prototypen eines neuen Typs des Partisanen zu mutieren, bot sich erst in der Krise. Im Dreieck zwischen traditionaler, bürokratischer und charismatischer Herrschafts- und Gefolgschaftsvorstellungen hatte sich infolge der Flucht des Königs nach Ostpreußen im Oktober 1806 bis zu seiner Wiederkehr nach Berlin am 23. Dezember 1809 eine Lücke aufgetan. Ihren Höhepunkt erreichte diese Herrschaftskrise während der österreichischen Kriegsvorbereitungen zwischen den Sommern von 1808 und 1809, zwischen dem spanischen Sieg bei Bailén am 22. Juli 1808 und dem Ende des Österreichischen Kriegs am 5./6. Juli 1809. Berlin war in dieser Zeit gewissermaßen eine Zone verdünnter Herrschaft.

Seine Nahrung erhielt der neue Begriff des Partisanen erst in der napoleonischen Zeit: durch ein Gemenge an Ideen und Ideologemen, die durch aufgeklärte Emanzipationsvorstellungen, durch Elemente des Sturm und Drang und der Frühromantik sowie durch die anhebende Nationalbewegung geprägt waren. Indirekt waren auch Schill und Lützow Erben dieses kulturellen Umbruchs. Carl Theodor Körner (1791-1813), der Sohn von Schillers Gönner (und des Herausgebers der ersten Schiller-Gesamtausgabe) Christian Gottfried Körner, wurde als Inbegriff der Freiwilligen von 1813 unsterblich. Das mag ein biographischer Zufall sein, ist aber kennzeichnend für die Freundschafts- und Protektionsbande, für die intellektuellen Zirkel und Sozialisationsinstanzen der napoleonischen und der ihr unmittelbar vorangegangenen Zeit. Somit zeigt sich gleichsam ein militärisch-kulturelles Viereck zwischen Schiller und Körner, Schill und Lützow: So wie Körner Sozialisationsimpulse durch den Dichter erhielt, so stellten sich Lützow und dessen Männer bewusst in die Nachfolge Schills. Das wurde diesen von Seiten der Franzosen als "brigands noirs" angeschwärzten Kämpfern am 17. Juni 1813 bei Kitzen zum Verhängnis, als sie - trotz bestehenden Waffenstillstandes - von Rheinbundtruppen angegriffen und zerschlagen wurden.

Der nationale Gedanke fand seine Personifikation in den Kämpfern des Freikorps Lützow. Ehemalige Lützower traten als Traditionsmittler vom Freiheitskrieg zu den nationalen, liberalen Bewegungen des Vormärz auf. Angehörige der Freikorps als Verkörperungen des nationalen Gedankens boten kulturelle Anlagerungsflächen für Vorstellungen, die von der zivilen Welt auf die Protagonisten des Kampfes übertragen werden konnten. Bei den Dichtern Theodor Körner und Joseph von Eichendorff, mit politischen Agitatoren und Turnern wie Friedrich Friesen und Friedrich Ludwig Jahn, mit Malern wie Georg Friedrich Kersting, auch mit dem in der Kinderpädagogik hervortretedenden Friedrich Fröbel zeigte sich die Bandbreite an Wirkungsfeldern, die geeignet waren, den Mythos vom (Lützower) Freiheits- und Kleinkriegskämpfer zu verbreiten. Anknüpfungspunkte an Schill und "Lützows wilde verwegene Jagd" boten das politisch-subversive Wartburgfest vom Oktober 1817, dann die revolutionären Bewegungen unter dem schwarz-rot-golden Banner der Revolution von 1848/49. Natürlich waren Schill und Lützow und ihre Männer nicht die einzigen nationalen Ikonen des "Freiheitskampfes" gegen Napoleon. Doch sie eigneten sich in besonderem Maße als Leitbilder für den späteren nationalen Mythos. In alldem ist Schill ein Prototyp: Mehr noch als die Lützower wirkte er als Einzelfigur. Damit wuchsen diese Kämpfer im deutschen kollektiven Bewusstsein zu Sinnbildern für die Konzeption der liberalen und später sozialistischen und nationalistischen Konzeption vom Krieg, dem Volkskrieg. Gerade an Schill und Lützow heftete sich die liberale Konzeption, die sich von Rotteck bis zum ersten Bundespräsidenten Theodor Heuß weiterzog: Die Wehrpflicht sei als Wehrform eine direkte Entsprechung der Demokratie. Aus diesen frühliberalen Gedanken erwuchsen Zweige, die in unterschiedliche, zuletzt sogar gegensätziche Richtungen wuchsen. 20

Die Begeisterung für nationale Befreiungsbewegungen fand im Vormärz auch in Deutschland Anhänger. Philhellenen fochten für die Unabhängigkeit der Griechen vom Osmanischen Reich; Polenfreunde verfochten die nationale Eigenständigkeit dieser durch den Wiener Kongress ein viertes Mal geteilten Nation. Auch die Vorstellung von Einheit und Unabhängigkeit Italiens fand Anhänger aus fast ganz Europa, Nord- und Südamerika. 21 So bildete sich in den Jahrzehnten bis zur erneuten Wegscheide von 1848/49 eine Art Internationale der Nationalbewegungen; nach dem freiheitlich-liberal-revolutionären Verständnis der Nation, wohlgemerkt. Mit diesen Vorstellungen verband sich das Bild heroischer Einzelkämpfer. Der Dichter George Gordon Lord Byron zog 1823 an der Spitze freier griechischer Streitkräfte in den Kampf und starb ein Jahr später vor Messolongi. Und als Inbegriff des Freiheitskämpfers im 19. Jahrhundert erwuchs Giuseppe Garibaldi, der sich als Seemann, Abenteurer und Freiheitskämpfer in Lateinamerika, Italien und zuletzt auch in Frankreich schlug. Gerade Garibaldi erscheint als Prototyp eines politisch links stehenden Partisanentums. Freilich zeigt ein genauerer Blick, dass er sich in Argentinien zunächst wohl auf eine Art betätigte, die mit dem Attribut des "Söldners" beschrieben werden kann; so wie sich insgesamt die Grenzen zwischen dem "Freiheitskämpfer", dem regulären Soldaten und dem "Söldner" recht fließend darstellten. 22

Während es der konservativen Spielart des Militarismus duch das ganze 19. Jahrhundert um ein politisch zuverlässiges, relativ kleines Heer mit hohem Professionalitätsgrad und langen Wehrdienstzeiten ging, erwuchs Ende des Jahrhunderts ein linker Militarismus, dem es nicht um die Professionalität, sondern um die "Volksnähe" des Heeres und um die allgemeine Wehrpflicht ging. 23 Die Linke, vor allem also die SPD, favorisierte im Kaiserreich ein Milizsystem, das dem Rotteck'schen Modell vom Bürgersoldaten recht nahe. 24Die Rolle des Volkes in Waffen wurde auch im extrem linken Spektrum tradiert, und auch diese Forderung stützte sich auf die Wahrnehmung vom Volkskrieg von 1813. Friedrich Engels rühmte, dass in Preußen "das ganze Volk" aufgestanden sei und den König zum Krieg gegen Napoleon gezwungen habe. Im marxistischen Denken überdauerte der Mythos des Partisanen und des Guerilleros bis ins späte 20. Jahrhundert. Nach dieser Lesart schien das preußische Landsturmkonzept von April 1813 mit seinem nie verwirklichten Konzept der Guerilla die Gewähr für eine optimale Wehrform zu sein. 25 Diese "linke" Konzeption vom Freiheitskämpfer strahlte auf den antifaschistischen Widerstand im Zeitalter der Weltkriege bis in die Dekolonialisierungskriege aus; ja sie vermengte sich mit einer umfassenden Fortschrittsvorstellung seit Anbruch der "Moderne". Nach Lenin eröffnete die "große französische Revolution" eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte, wobei die "bürgerlich-fortschrittlichen nationalen Befreiungskriege einen besonderen Typus von Kriegen" darstellten. 26

So blieb die Figur des "Partisanen" mythisch beladen, auch im Zweiten Weltkrieg: in Frankreich, Italien, der Sowjetunion, Polen und namentlich in Jugoslawien. Hier etablierte der ehemalige Partisanenführer Josip Broz Tito zwischen 1945 und 1980/1991 den Partisanenmythos als eine der wichtigsten Klammern für den Staat. 27 In verallgemeinerter Form und Ost wie West lebte das Sujet des asymmetrischen Kampfes gegen die nationalsozialistische Übermacht in einer Vielzahl von Verfilmungen und Büchern weiter. Die Brücke zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit bot Mao Tse Tungs Konzeption vom Volkskrieg, welche die "Rote Bibel" ab 1967 auch in den Westen exportierte. Das verband sich mit dem augenscheinlichen Erfolg der scheinbar neuen Kriegführung nach Art der Guerilla 28 und bot den Stoff, aus dem auch Befreiungsbewegungen in der Ära der Dekolonialisierung gemacht waren: so die algerische und die vietnamesische Nationalbewegung; so der Umsturz in Kuba durch Fidel Castro, der am Ende des Guerillakrieges von 1953 bis 1959 stand und zu dessen Ikone sich Che Guevara in den folgenden beiden Jahrzehnten erhob. Dieser Mythos vom Freiheitshelden im revolutionären Krieg bleibt auch ohne ideologischen Überbau bestehen; er lebt weiter im Partisanen, im heroischen Einzelkämpfer von Roman und Film der Gegenwart; auf T-Shirts und auf Postern.

3. Schill und der Mythos des "Autonomen"

Nach Meinung des zeitgenössichen Publizisten Johann Wilhelm Daniel von Archenholz war Schill, "der treffliche Partheygänger, der muthvolle Anführer eines großen Haufens, nicht zu einem Feldherrn geeignet". 29 Nicht unähnlich die Meinung Gneisenaus, der in wohlwollender Kritik schrieb, er wolle sein Urteil noch zurückhalten "ob dieser meteorische Mensch mit großen Ansichten zu Werke geschritten ist oder bloß als gewöhnlicher Parteigänger gehandelt hat." 30 Gegenüber dem Verdikt aus dem 20. Jahrhundert, Ferdinand von Schill habe es eben nicht zustande gebracht, eine "fortschrittliche" Guerilla ins Werk zu setzen, sondern bloß die alte Parteigängerei weiterbetrieben, 31 sind diese zeitgenössischen Urteile Archenholz' und Gneisenaus weit ernster zu nehmen: Schills Tat wies über den kleinen Krieg vom alten Schlage hinaus, bot aber noch kein ausgereiftes Konzept. Und dessen Fehlen wurde bereits 1809 vermisst. Mit diesen Beurteilungen war klar, dass sich in der Konzeption des kleinen Krieges etwas Grundlegendes verändert hatte: die Tage der alten Parteigänger vom Schlage des Militärunternehmers Johann Georg (von) Schill (1736-1822), Ferdinands Vater, waren vorbei. Seinen Söhnen blieb entweder der Dienst in den fortwährend weiter regulierten Armeen oder aber die heroische Einzeltat. - Und eine solche blieb fortan nur noch aus politischer Motivation möglich. Die Tage autonomer Geld- und Beute-Optimierer waren in den europäischen Heeren vorüber. So blieb es über das 19. Jahrhundert hinweg bis ins ausgehende 20. Jahrhundert.

Wenn sich Schills Tat selbst nicht als Beispiel für Strategie, sondern nur Taktik darstellte, dann bot ihr Beispiel dennoch Stoff für die semantisch-kulturelle Umformung, die in der "heißen Phase" zwischen 1809 und 1813 in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingegangen ist. Insofern ist Schill auch in seinen - auch von Freunden angesprochenen - Defiziten typisch. Die nicht immer schmeichelhaften Charakterisierungen Schills als leutselig, redselig, vertrauensselig, sprunghaft und beeindruckbar kennzeichnen in gewisser Weise eine wesentliche "Leistung" Schills. Sie erklären, warum gerade dieser Mann im kurzen Zeitfenster zwischen Anfang 1807 und Mai 1809 zum populären Idol avancieren konnte. In der Tat: Schills Unbesonnenheit war Teil des Systems. 32 Diese Unbesonnenheit war aber die Kehrseite einer Eigenschaft, die zum Teil des Mythos wurde. Denn Schill erschien seinem Publikum als Inbegriff der Autonomie. Auch daher bot er sich als Projektionsfläche für die Wünsche derer an, die am "Alten" litten und das "Neue" bejubelten - wobei zunächst niemand genau wusste, worin dieses "Neue" in militärischer Hinsicht eigentlich bestand. Das Alte, Überwindenswerte konnte in militärischer Hinsicht unter die Chiffre Preußen gebracht werden - wenngleich gerade auch hier bereits Reformen vor der Reform von 1807-1813 griffen. 33 Doch mit der Katastrophe von Jena und Auerstedt verspotteten die Gazetten - und auch die preußischen Heeresreformer - das niedergeworfene System, den Manöverschlendrian, das Augenmerk auf unwesentliche Kleinigkeiten, den fehlenden Blick für Gesamtzusammenhänge. Das Alte, das Überkomplexe und "Professionelle" hatte in den Augen der Kritiker abgewirtschaftet. Mit dem Aufbrechen der alten Ordnung bot sich zwischen Ende 1806 und Mitte 1807 ein Raum für persönliche Initiative. Und in diesem Möglichkeitsfenster war Initiative fernab der bisherigen militärischen Konventionen und Organisationsprinzipien die letzte verbliebene Möglichkeit, um im führungslosen Chaos Zeichen des Widerstands zu setzen. Die Zeit der Katastrophe erwies sich als Zeit der offenen Chancen. Dem Leutnant Schill bot die Belagerung von Kolberg in der Jahreswende 1806/07 die Chance der Auszeichnung - so wie vorher, Ende 1793, dem Hauptmann Napoleon(e) B(u)onaparte bei der Belagerung Toulons. Das bot Beförderungsmöglichkeiten jenseits der Regularien von Anciennität und Militärbürokratie; das bot auch die Möglichkeit (oder, je nach Perspektive, die Gefahr) Charisma anzusammeln, das für ein weiteres Aufsteigen jenseits der engen militärischen Sphären tauglich war.

Im Zeitfenster der zusammengebrochenen preußischen Armeeorganisation entschieden Ende 1806 und Anfang 1807 nicht Effizienz, denn deren alte Funktionsregeln waren tief erschüttert. Vielmehr kam es nun auf Effektivität an, selbst wenn manche der beschrittenen Notbehelfe teils recht archaisch anmuten mochten. Somit war es für Schill wichtiger, überhaupt Kräfte zu mobilisieren, bevor diese langwierig ins professionelle militärische Regelwerk eingepasst worden waren. Freilich war das nur ein Anfang. Denn die Reformer selbst begannen im Sommer 1807 mit der Re-Strukturierung; mit der "Re-Form" des preußischen Heeres. Und hier sind auch konservative Konnotationen möglich, so wie sie Gerhard von Scharnhorst wiederholt gegenüber seinem König zur Geltung brachte: etwa dahingehend, dass es sich bei der angestrebten Wehrpflicht lediglich um die runderneuerte altpreußische Kantonpflicht handle, nicht aber um die Konskription französischen Musters. Diese Ambivalenz der Reformer zwischen grundlegender Reform und Anknüpfen an älteren Vorbildern zwischen 1808 und 1813 verdeutlicht, dass der in den Gazetten und auch von den Reformern selbst beschworene "Enthusiasmus" von Soldat und Volk zur effektiven Neuausrichtung der Armee nicht ausreichte: Vielmehr bestand nach der Etablierung neuer taktischer Paradigmen auch die Notwendigkeit deren Professionalisierung zu steigern; nun aber nach neuen Kriterien für militärische Effizienz. Am Ende der preußischen Heeresreformen stand im Frühjahr 1813 nicht der heroische Einzelkämpfer nach dem Muster Schills (und auch nicht nach dem der Lützower oder der guerillaartigen Landsturmmänner). Vielmehr handelte es sich bei der Militärreform gewissermaßen um den Beginn eines neuen militärisch-konzeptionellen Lebenszyklus': Solche militärischen Grundsätze, die in der vorangegangenen Friedenszeit einen Grad der Überkomplexität erreicht hatten, waren in ihrer Komplexität zu reduzieren und neue Strukturen aufzubauen.

Der kleine Krieg war ein Sinnbild für den Neubeginn, nicht seine Essenz. Auch die Gestalt des Partisanen oder die des freiwilligen Jägers war nur ein Sinnbehältnis für den Neuanfang, nicht die Verkörperung der Militärreformen selbst. Dasselbe galt für Schill. Wenn also Schill, so wie ihn seine Zeitgossen schilderten, vom Charakter her mit einer gewissen "Feurigkeit", Sprunghaftigkeit und mit der Tendenz zur Unbesonnenheit ausgestattet war, so versinnbildlichte er genau damit das Gegenbild zum altfriderizianischen und wohl überhaupt zum preußischen Offizier. Seine bereits vor Kolberg hervortretende Neigung zur Autonomie konnte vom Publikum nicht ganz zu Unrecht als Inbegriff des Neuen gedeutet werden. Dabei blieb unklar, worin dieses "Neue" im eigentlichen Sinne bestand. Gerade die Phase der Unbestimmtheit bot Raum für eine ungerichtete Entwicklung, in der schwach strukturierte Organisationsvorstellungen ihre Chance erhielten. In militärisch-taktischer Hinsicht bot der kleine Krieg, der auch zu jener Zeit noch als Residuum regelloser Kriegführung angesehen werden konnte, zugleich Chancen für neue, erfolgreichere Praktiken. Hinsichtlich der Mobilisierung von Kräften erwies sich der Notbehelf, aus der Kriegsgefangenschaft ausgelöste Soldaten und Männer aus dem Volk zu den Waffen zu rufen, als Anknüpfungspunkt für den "Volkskrieg" späterer Diktion. Damit also war aus dem buntgescheckten Haufen der Kern für dem Mythos vom "Volkskrieg", vom "modernen" Partisanentum, gegeben. In der Folge stand zwar Schills Charisma nicht im Einklang mit seinem kühnen - oder abenteuerlichen - Zug von Mai 1809, doch verband sich sein "Image" mit dem Mythos vom Partisanen. Damit wandelte sich der Parteigänger in der alten taktischen Bedeutung - des kleinen Krieges - zum Parteigänger im politischen Sinn. Aus beidem zusammen erwuchs die Ausprägung des neuen Begriffs vom "Partisanen" im Sinne des Volksbefreiers. In voller Stärke erfolgte diese Begriffsbildung in Deutschland erst mit Auftreten des Ferdinand von Schill.

Es ist kein Zufall, dass der kleine Krieg für diese Begriffswandlung von letztlich politischer Relevanz Modell stand. Doch verschob sich die Ebene: Das Prinzip "klein" gegen "groß" wurde nun von der taktischen Ebene auf eine strategische und nationale Ebene gehoben: nun als Sinnbild eines Widerstandes gegen die Imperialmacht. Das neuartige Erscheinungsbild von Kämpfern mit politisch-nationaler Konnotation war die wesentliche Wandlung, die sich an die Figur Schills heftete. Obwohl die leichten Truppen des 18. Jahrhunderts in der traditionellen Historiographie oft als Randnotiz des eigentlichen Partisanentums gewertet werden, 34 sind diese als Ursprungskeim des letzteren nicht wegzudenken.

Carl Schmitt, dessen Partisanendefinition, nach wie vor rezipiert wird, 35 zog die begriffliche Grenze des Partisanen sehr scharf und allzu eng. Sie definierte er durch die Eigenschaften Irregularität, Mobilität, politisches Engagement und einem "tellurischen" Charakter, also der Bindung an die Verteidigung der eigenen Heimat. Das Erkenntnisinteresse des rechtskonservativen Philosophen bezog sich auf die Norm, weniger auf die historische Realität, die sich weitaus komplexer darstellte. Schmitts Begriffe sind so scharf gefasst, dass die in der Geschichte real existierenden Partisanen von ihnen meist nicht erfasst werden. Das Phänomen ist vielmehr geprägt von gleitenden Übergängen: zwischen Regularität und Irregularität; zwischen politischen, materiellen und bürokratisch-organisatorischen Mobilisierungskräften (etwa bei der Wehrpflicht); zwischen Heimatverteidigung und Export der Freiheitsidee in fremde Länder; zwischen Legitimität, Legalität und Gesetzesbruch. Schill selbst war die längste Zeit seines Lebens Offizier in zwei der vornehmsten Regimenter der Monarchie, war also "regulär". Er stand in festen Garnisonen (also immobil) und nahm bis 1806 an Feldzügen teil, ohne für deren politische Zielsetzung persönlich einzutreten. Nach Schmitts Definition kann er nur zeitlich und räumlich begrenzt als Partisan gelten - wie so viele andere auch.

Dennoch war Schill der Prototyp für das "Neue". Dies liegt an seinem "Mythos". Denn wo Begriffe und Vorstellungen unklar erscheinen, ist der Gefahr ein verklärtes "Idealbild" zu zeichnen nur sehr schwer zu entgehen. Als Arbeitsdefinition sollen hier vier konstituierende Merkmale des Mythos gelten: 36Dieser lässt sich erstens als "Vorurteil" im Sinne von "nicht eigentlich so gewesen" bezeichnen; zweitens als "Verklärung", der eine religiöse Dimension oder doch eine Transzendenz zukommt, so dass der Mythos eine nichthinterfragbare Norm setzt. Drittens kreiert der Mythos ein Vorbild, das tauglich zur Mobilisierung weiterer Anhänger ist, so dass der Mythos des Kriegshelden zur Identifikationsfigur des "Volkskrieges" avanciert. Viertens verleiht der Mythos seinem Träger einen Bekanntheitsgrad, der über die Medien in die Alltagskultur hineinwirkt. Nach all diesen Kriterien ist Schill ein personifizierter Mythos. Schill bleibt eine Figur mit vielfältiger Bindungskraft. Sie wuchs über die Lebensgröße hinaus zur Ikone der nationalen, liberalen und sozialistischen Bewegung; gleichzeitig zu der des konservativen Bürgertums. In Deutschland vollzog sich zwischen 1807 und 1809 die Geburt des modernen "Partisanen" - nicht real, sondern in der Propaganda.

Freilich griff auch bei der Verkörperung des Neuen eine neue Art von Modekreislauf: vom autonomen Einzeltäter über die offiziös legitimierte Traditionsanbindung hin zur populären Verbreitung seines Bildes und zuletzt zum Vermarktungsobjekt. Mit dieser "Veralltäglichung des Charismas" 37durch bürokratische Regulierung oder seine Vermarktlichung weichte die historische Substanz seiner tatsächlichen Taten zugunsten der vielseitigsten Anknüpftungsmöglichkeiten auf: Mit Schill verband sich das subversive "Demagogentum" des Vormärz genauso wie die preußische Legende der Kaiserzeit; seine Instrumentalisierung im NS-Durchhaltefilm "Kolberg" genauso wie linke Milizvorstellungen; die konservative Umdeutung seines Denkmals in Braunschweig für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges genauso wie der Ehrenname für einen Verband der Nationalen Volksarmee. Die Figur Schills geriet so vom massentauglichen Mobilisierungsköder zum letztlich überdehnten Traditionsgeber. Nicht anders freilich verhält es sich mit anderen Ikonen des Partisanentums. Das Konterfei Che Guevara vermochte als Ikone der politisch linksgerichteten Befreiungsbewegungen ein Zeichen linker Gesinnung zu setzen, bis seine Attraktionsfähigkeit auch hier mit kommerzieller Markttauglichkeit verschmolz. Nun sieht man sein berühmtes Bild nach dem Foto von Alberto Korda in Souvenirläden, auf Postern und Bekleidungsstücken auch derjenigen, die sehr wenig mit dem politischen oder historischen Hintergrund zu schaffen haben. Immer noch zeigt sich indessen die Bindungskraft des Mythos: Bei der Befreiung der kolumbianischen Politikerin Ingrid Bétancourt am 2. Juli 2008 trugen einige der Sicherheitskräfte T-Shirts mit dem Antlitz des Che, um die Geiselnehmer zu täuschen. Der Trick gelang.

Auch Schill bleibt ein Faszinosum. Er ist "jung geblieben" - im doppelten Sinn: Er blieb der Nachwelt erhalten und er fiel jung im Kampf. Auch sein früher Tod gehört zum Mythos dieses Parteigängers, der einen Prototypen des modernen Partisanentums abgab (ohne selbst freilich einer zu sein). Auch bei Schill beflügelte sein früher Tod seinen Nachruhm, er wurde zum Helden in der populären Kultur. Denn dem toten jungen Helden bleibt sein Möglichkeitsspielraum erhalten; hier bleibt die offene Frage, was gewesen wäre, wenn... Und kein Zufall ist es, dass sich dieser Mythos an Vertreter des Neuen heftet; an solche, die als Repräsentanten von Innovation oder Revolution gelten können: Das gleiche Muster wie bei Schill, der im Alter von 35 Jahren kämpfend starb, zeigte sich beim Prinzen Louis Ferdinand, der am 10. Oktober 1806 als 34-jähriger bei Saalfeld fiel; dasselbe bei Theodor Körner, dessen Leben am 26. August 1813, einen Monat vor seinem 23. Geburtstag, endete. Auch Che Guevara blieb nur wenige Monate unter der Altersgrenze von 40 Jahren. Auch der makabre Umgang mit Schills sterblichen Überresten zeigt den Nimbus des Gefallenen: Um die Nachricht vom physischen Weiterleben zu dementieren, wurde Schills Körper erst dem Publikum gezeigt, dann sein Kopf dem siegreichen Monarchen von Westphalen. Aus Angst der Staatsmacht vor dem politisierten Totenkult wurde der Leichnam anonym verscharrt; und hinsichtlich der Leiche Che Guevaras sollte sich dies knapp 160 Jahre später wiederholen. Doch der moralische Sieg blieb beim Verblichenen. Das früh beendete Leben erlaubte der Nachwelt die Freiheit zum Träumen. Diese Unbestimmtheit gestattete es hinfort jedermann, sich aus dem heterogenen Schauspiel Schills zwischen 1807 und 1809 die passenden Attribute der Verehrungswürdigkeit herauszusuchen. So blieb diesem das Problem der alternden Helden erspart: dass ihre mythische Aura entweder von späterem Scheitern getrübt würde, oder im geordneten Gang nachfolgender Regulierung verloren ginge. Der 1926 geborene Fidel Castro lebt nicht als jugendlicher Held, sondern als Greis; Osama bin Laden fand als über 50-jähriger Verfolgter den Tod, nachdem sein Nimbus an Strahlkraft verloren hatte. Schill blieben diese Nebenwirkungen des "Erwachsenwerdens" erspart - wie vielen anderen "jung gebliebenen" Helden der Popkultur.

  • 1. Allerdings gibt die Editionsgeschichte der Asterix-Hefte selbst Aufschluss über die gegenüber dem Zeitalter des Nationalismus gewandelte Wahrnehmung beim Publikum: Der konservativ-germanentümelnde Stil der sogenannten "Kauka-Übersetzungen“ von vier Asterix-Heften der Jahre 1965/66 wurde in den 1970er Jahren zugunsten einer Fassung vom Markt genommen, die den ab 1961 erschienenen Originalen von René Goscinny und Albert Uderzo weit besser entsprachen. – Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine aktualisierte und gekürzte Fassung von: Martin Rink, Von Schill zu Che. Der Mythos des Partisanen im 19. und 20. Jahrhundert. In: Veit Veltzke (Hrsg.), Für die Freiheit – gegen Napoleon. Ferdinand von Schill, Preußen und die deutsche Nation, Köln, Weimar, Wien 2009, S. 351-366, gehalten als Vortrag im Preußen-Museum Nordrhein-Westfalen Wesel vom 13. Januar 2010.
  • 2. Auch hier sollte aber vor Pauschalisierungen gewarnt werden: So zeigt die Ablehnung der Terroranschläge der Al-Qaida in islamischen Ländern durch die Mehrheit der dortigen Bevölkerung durchaus die Grenzen des terroristischen Kalküls. Lars Berger, Die USA und der islamistische Terrorismus. Herausforderungen im Nahen und Mittleren Osten, Paderborn 2007, S. 436.
  • 3. Zum Archetypus: Carl Gustav Jung, Psychologische Typen (1921). In: Marianne Niehus-Jung u.a. (Hrsg.), Gesammelte Werke Bd. 6, Solothurn, Düsseldorf 1995, S. 446.
  • 4. Die Bibel, 1. Buch Samuel Kap. 17, 22, 23, 27, 30, 31.
  • 5. Herfried Münkler, Die Deutschen und ihre Mythen, 3. Aufl., Berlin 2009, S. 165-180.
  • 6. Zur Begrifflichkeit von Mythos und Partisanentum: Alexsandar Jakir, Der Partisanenmythos im sozialistischen Jugoslawien und aktuelle Interpretationen des ‚Volksbefreiungskrieges‘ 1941-1945. In: Bernhard Chiari/Gerhard P. Groß (Hrsg.), Am Rande Europas? Der Balkan – Raum und Bevölkerung als Wirkungsfelder militärischer Gewalt, München 2009, S. 287-300, hier S. 292f. Zur Rezeption Che Guevaras etwa: David Priestland, The Red Flag: Communism and the Making of the Modern World, London 2010, S. 370-401; Axel Schildt, Materieller Wohlstand – pragmatische Politik – kulturelle Umbrüche. Die 60er Jahre in der Bundesrepublik. In: Axel Schildt/Detlef Siegfried/Karl Christian Lammers (Hrsg.), Dynamische Zeiten. Die 60er Jahre in den beiden deutschen Gesellschaften, Hamburg 2000, S. 21-53, hier S. 50f. Auch: Claus-Dieter Krohn, Die westdeutsche Studentenbewegung und das ‚andere Deutschland‘. In: ebd., S. 695-718, hier S. 702.
  • 7. Zum Ereignis und Wirkung die Beiträge in: Veltzke (Hrsg.), Für die Freiheit (wie Anm. 1), insbesondere die Beiträge von Olaf Jessen, Mario Kandil, Martin Rink, Bettina Severin-Barboutie und Veit Veltzke. Hier auch umfassende Literatur- und Quellenverweise.
  • 8. Veit Veltzke, Ferdinand von Schill. Ein Gründungsmythos der deutschen Nation. In: Veltzke (Hrsg.), Für die Freiheit (wie Anm. 1), S. 7-14.
  • 9. Carl von Clausewitz, Vom Kriege [1832], 18. Aufl., eingeleitet und hrsg. von Werner Hahlweg, Bonn 1973, Buch III, Kap. 4 und 5, S. 456-358; Buch VI, Kap. 26, S. 799-806; Martin Rink, Preußisch-deutsche Konzeptionen zum "Volkskrieg“ im Zeitalter Napoleons. In: Karl-Heinz Lutz/Martin Rink/Marcus von Salisch (Hrsg.), Reform - Reorganisation - Transformation. Zum Wandel in deutschen Streitkräften von den preußischen Heeresreformen bis zur Transformation der Bundeswehr, München 2010, S. 65-87; ders., Vom kleinen Krieg zur Guerilla. Wandlungen militärischer und politischer Semantik im Zeitalter Napoleons. In: Rasmus Beckmann/Thomas Jäger (Hrsg.), Kriegstheorien, Wiesbaden 2011, S. 359-370.
  • 10. Hagen Schulze, Der Weg zum Nationalstaat, 2. Aufl., München 1986, S. 62-70; Jörg Echternkamp, Der Aufstieg des deutschen Nationalismus (1770-1840), Frankfurt a.M. 1998, S. 216f.
  • 11. Ernst Moritz Arndt, Das Lied vom Schill (1812), URL <http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de/fa/fa.pl?cmd=gedichte&su... (13.08. 2012).
  • 12. Karl von Rotteck, Ueber Stehende Heere und Nationalmiliz, Freiburg 1816, S. 58, 62, 85-87.
  • 13. Besonders krass: Heinz Heitzer, Insurrectionen zwischen Weser und Elbe. Volksbewegungen gegen die französische Fremdherrschaft im Königreich Westfalen (1806-1813), Berlin (Ost) 1959, S. 145-155; Helmut Bock, Schills Rebellenzug 1809, 4. Aufl., Berlin (Ost) 1988, S. 13 f., 116-119.
  • 14. Zum begrifflichen Wandel des "Partisanen“: Martin Rink, Vom Partheygänger zum Partisanen. Die Konzeption des kleinen Krieges in Preußen 1740–1813, Frankfurt a.M. 1999, S. 400-408. Zu den alten Wurzeln der iberischen Guerilla in Begriff und Ausprägung: Vittorio Scotti Douglas, Spagna 1808: La genesi della guerriglia moderna. 1. Guerra irregolare, "petite guerre”, "guerrilla”. In: Spagna Contemporanea 9 (2000), S. 9-31, hier v.a. S. 15-22; Vittorio Scotti Douglas, Regulating the Irregulars: Spanish Legislation on la guerrilla during the Peninsular War. In: Charles Esdaile (Hrsg.), Popular Resistance in the French Wars. Patriots, Partisans and Land Pirates, London 2004, S. 137-160, hier S. 138; Lluís Roura I Aulinas, ‘Guerra pequeña’, y formas de movilización armada en la Guerra de la Independencia: ¿Tradicion o innovación? In: José Antonio Armillas Vicente (Hrsg.), La Guerra de la Independencia. Estudios, 2 Bde, Zaragoza 2001, S. 275-300, hier S. 276f., 291, 299 f.; Martin Rink, The Partisan’s Metamorphosis from Freelance Military Entrepreneur to German Freedom Fighter, 1740-1815. In: War in History 17 (2010), S. 6-36 (= erweiterte Fassung von: ders., Die Verwandlung. Die Figur des Partisanen vom freien Kriegsunternehmer zum Freiheitshelden. In: Stig Förster/Christian Jansen/Günther Kronenbitter (Hrsg.), Rückkehr der Condottieri? Krieg und Militär zwischen staatlichem Monopol und Privatisierung. Von der Antike bis zur Gegenwart, Paderborn 2010, S. 153-169).
  • 15. Friedrich Schiller, Die Räuber, 1. Akt, 2. Szene: "tintenklecksendes Säkulum“; weiter unten: "Pfui! pfui über das schlappe Kastratenjahrhundert, zu nichts nütze, die Taten der Vorzeit wiederzukäuen“.
  • 16. Münkler, Die Deutschen (wie Anm. 5), S. 340-343; Heinrich August Winkler, Geschichte des Westens. Von den Anfängen in der Antike bis zum 20. Jahrhundert, München 2009, S. 209-211.
  • 17. Martin Rink, From Small Wars to Imperial War. Military and Tactical Transformations in the 18th and 19th Centuries. In: Thijs Brocades Zaalberg/Piet Kamphuis/Alan Lemmers (Hrsg.), Insurgency and Counterinsurgency: Irregular Warfare from 1800 to the Present, Amsterdam 2011, S. 171-184, hier S. 172-175.
  • 18. Ausführlicher mit ausführlichem Verweis auf die Quellen: Rink, Vom Partheygänger (wie Anm. 14), S. 302 f., 318-320, 328-334.
  • 19. Hans-Ulrich Thamer, Buonaparte – Bonaparte – Napoleon. Vom Parteigänger der Revolution zum Kaiser. In: Veit Veltzke (Hrsg.), Napoleon. Trikolore und Kaiseradler über Rhein und Weser, Köln, Weimar, Wien 2007, S. 1-16, hier insbes. S. 6f., 10; Jean Tulard, Napléon ou le mythe du sauveur, 4. Aufl. Paris 1987. Zu den Typen legitimer Herrschaft. Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft [1921], 5. Aufl., Tübingen 1980, S. 122-180, insbes. 124f.
  • 20. Vgl. die Beiträge in: Veltzke, Für die Freiheit (wie Anm. 1): Thomas Stamm-Kuhlmann, Lars Eisenlöffel, Wulf Wülfing, Mario Kandil, Joachim Kinder, Günter Brittinger, Thomas Ohl, und Jana Templin.
  • 21. Alfonso Scirocco, Garibaldi, Battaglie, amori, ideali di un cittadino del mondo, Rom, Bari 2001.
  • 22. Hierzu: Ludolf Pelizaeus, Vom Krieg zum Kleinkrieg in Spanien und Argentinien. In: Förster/Jansen/Kronenbitter (Hrsg.), Rückkehr der Condottieri? (wie Anm. 14), S. 171-188; Martin Rink, Die Verwandlung. Die Figur des Partisanen vom freien Kriegsunternehmer zum Freiheitshelden. In: ebd., S. 153-169.
  • 23. Stig Förster, Militär und staatsbürgerliche Partizipation. Die allgemeine Wehrpflicht im Deutschen Kaiserreich 1871-1914. In: Roland G. Foerster (Hrsg.), Die Wehrpflicht. Entstehung, Erscheinungsformen und politisch-militärische Wirkung, München 1994, S. 55-70.
  • 24. Franz Mehring, Krieg und Politik. Bd. 2: Ueber den nationalen Befreiungskampf in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts, hrsg. von Ernst Engelberg, Berlin (Ost) 1961, S. 252 f.; Jean Jaurès, Die neue Armee [französische Erstausgabe 1910], Jena 1913.
  • 25. Marx, Engels, Lenin, Stalin, Zur deutschen Geschichte. Aus Werken, Schriften, Briefen, hrsg. vom Marx-Engels-Lenin-Stalin-Institut beim ZK der SED, Bd. 2/1, Berlin (Ost) 1954, S. 21.
  • 26. Marx, Engels, Lenin, Stalin (wie Anm. 25), S. 909.
  • 27. Katrin Boeckh, Jugoslawien und der Partisanenmythos. In: Bernhard Chiari/Agilolf Keßelring (Hrsg.), Wegweiser zur Geschichte. Bosnien-Herzegowina, 2. Aufl., Paderborn u.a. 2007, S. 119-129. Zu Osteuropa im Zweiten Weltkrieg umfassend: Bernhard Chiari (Hrsg.), Die polnische Heimatarmee. Geschichte und Mythos der Armia Krajowa seit dem Zweiten Weltkrieg, München 2003, insbesondere die Beiträge von Janusz Marszalec, Lars Jockheck, Anke Stephan, Krzysztof Lesiakowski und Barbara Szacka. Viele Beispiele zum Partisanenmythos und für den Eingang von Kriegserinnerung in der Alltagskultur in: Monika Flacke (Hrsg.), Mythen der Nationen. 1945 – Arena der Erinnerungen, 2. Bde, Berlin, Mainz 2004. Zu Frankreich: Henri Rousso (S. 227-256, hier 237); Griechenland: Despoina Karakatsané und Tasoula Berbenióté (S. 256- 284, hier S. 262-272); Italien: Pierluca Azzaro (S. 342-372, hier S. 345-347); Jugoslawien: Holm Sundhaussen (S. 372-426, hier S. 378-385, 390 f.); Polen: Beate Kosmala (S. 509-, hier S. 510 f.); Sowjetunion/Russland: Jutta Scherrer (S. 619-670, hier S. 629 f.); Lettland: Eva-Clarita Onken, (S. 671-692, hier S. 682 f); Litauen: Michael Kohrs (S. 693-718, hier S. 696-700); Weißrussland: Bernhard Chiari und Robert Maier (S. 737-756, hier 743-748).
  • 28. Worte des Vorsitzenden Mao Tse Tung, Peking 1967, S. 104-122. Vgl. Sebastian Haffner, Der neue Krieg. In: Mao Tse Tung, Theorie des Guerillakrieges oder Strategie der Dritten Welt, Reinbek 1966, S. 6-49.
  • 29. [Johann Wilhelm von Archenholz], Schill und seine Unternehmung. Vom Herausgeber der Minerva. In: Minerva 2 (1809), S. 486-508, hier S. 492.
  • 30. Gneisenau an seine Frau, 10.6. 1809, zit. nach: Georg Heinrich Pertz, Das Leben des Feldmarschalls Grafen Neithardt von Gneisenau, Bd. 1, Berlin 1864, S. 514.
  • 31. Siehe Anm. 11.
  • 32. Veit Veltzke, Zwischen König und Vaterland. Schill im Netzwerk der Konspiration. In: ders. (Hrsg.), Für die Freiheit (wie Anm. 1), S. 107-154, hier S. 112-119, 140 f.
  • 33. Ausführlich am Beispiel Ernst von Rüchels: Olaf Jessen, "Preußens Napoleon“? Ernst von Rüchel. Krieg im Zeitalter der Vernunft 1754-1823, Paderborn u.a. 2007, S. 164-174, 201-247.
  • 34. So Carl Schmitt, Theorie des Partisanen. Zwischenbemerkung zum Begriff des Politischen, Berlin 1963. Anders aber bereits: Johannes Kunisch, Der kleine Krieg. Studien zum Heerwesen des Absolutismus, Wiesbaden 1973; Werner Hahlweg, Preußische Reformzeit und revolutionärer Krieg, Berlin, Frankfurt a.M. 1962. Dagegen: Martin Rink, Der kleine Krieg. Entwicklungen und Trends asymmetrischer Gewalt 1740-1815. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 65 (2006), S. 355-388.
  • 35. Schmitt, (wie Anm. 34), S. 20-28; Boris Barth, „Partisan“ und „Partisanenkrieg“ in Theorie und Geschichte. Zur historischen Dimension der Entstaatlichung von Kriegen. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 64 (2005), S. 69-100, hier S. 70; Peer Schmidt, Der Guerrillero. Die Entstehung des Partisanen in der Sattelzeit der Moderne – eine atlantische Perspektive 1776-1848. In: Geschichte und Gesellschaft 29 (2003), S. 161-190, hier S. 162. Dagegen Rink, Der kleine Krieg (wie Anm. 34), S. 361.
  • 36. Die Arbeitsdefinition vom Mythos in grober Anlehnung an Aleksandar Jakir, Der Partisanenmythos im sozialistischen Jugoslawien und aktuelle Interpretationen des „Volksbefreiungskrieges“ 1941-1945. In: Bernhard Chiari/Gerhard P. Groß/Magnus Pahl (Hrsg.), Am Rande Europas? Der Balkan – Raum und Bevölkerung als Wirkungsfelder militärischer Gewalt, München 2009, S. 287-300.
  • 37. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft (wie Anm. 18), S. 144-148.
Das Bild zeigt einen Stich der Kämpfe in Stralsund
Das Bild zeigt die Mannschaften Schills auf dem Weg ins Französische Zuchthaus
Christoph Nübel

Zitierempfehlung

Martin Rink, Von Schill zu Che. Der Mythos des Partisanen , in: Portal Militärgeschichte, 19. November 2012, URL: http://portal-militaergeschichte.de/rink_schill. (Bitte fügen Sie in Klammern das Datum des letzten Aufrufs dieser Seite hinzu.)

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