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Das östliche Europa nach dem Ersten Weltkrieg

Datum: 
Mittwoch, 31. Januar 2018 bis Freitag, 2. Februar 2018
Ort: 
Berlin
Deadline: 
Freitag, 30. Juni 2017

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg (1918-1923) verdichteten sich im östlichen Europa politische, militärische, kulturelle, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen in besonderem Maße.

So war jene Zeit zum einen geprägt von den Bemühungen, eine internationale Friedensordnung zu schaffen und bisher unterdrückten Nationen zur Emanzipation zu verhelfen. Zum anderen bestimmten sie politischer Revisionismus und territoriale Ansprüche sowie ein Maß an politischer Gewalt, das vielerorts eine Fortsetzung des Krieges unter veränderten Bedingungen war. Die politisch Verantwortlichen suchten die jungen Nationalstaaten vor radikalen politischen Utopien zu bewahren und mussten sich den Herausforderungen einer sozialen und wirtschaftlichen Krise stellen, den Wiederaufbau vielfach verwüsteter Landstriche bewältigen und die soziale Versorgung von Invaliden, Leidtragenden des Krieges gewährleisten. Angesichts dieser widerstrebenden Tendenzen bildeten sich unterschiedliche Erinnerungen an jenes Jahrfünft heraus, die bis heute eine transnationale Memorialkultur kaum möglich erscheinen lassen.

Die Tagung berücksichtigt das Jahrfünft zwischen der russischen Revolution und der Endphase des Ersten Weltkriegs und dem Jahr 1923, das einerseits mit der Überwindung der Inflationszeit und der Etablierung des "neuen Europa" für eine gewisse Konsolidierung sorgte, andererseits mit dem gescheiterten Putschversuch Adolf Hitlers in Deutschland und der vorausgegangen faschistischen Machtübernahme in Italien den Blick auf die anhaltende Bedrohung der demokratischen Ordnung lenkt.

Angestrebt wird ein ausgewogenes Verhältnis an Teilstudien und transnationalen Untersuchungen, um zum einen das wechselseitige Verständnis für partikulare Entwicklungen in einzelnen europäischen Staaten zu fördern, aber dabei auch übergreifenden Phänomenen gerecht zu werden. Gewünscht sind Vorträge zu folgenden Themenblöcken:

A)   Das Ende der Imperien und die Entstehung einer neuen Staatenordnung

Inwieweit veränderten der Erste Weltkrieg und die Pariser Friedenskonferenzen die politische Landschaft Zentraleuropas? Welche Chancen und Handlungsspielräume eröffneten beispielsweise die Implementierung internationaler Organe wie die interalliierten Kommissionen, der Völkerbund und der Internationale Gerichtshof in Den Haag?

B)   Neubeginn und politische Emanzipation

Auf welche Ideen gründeten sich die neuen bzw. die in ihrem Bestand erneuerten Staaten Zentraleuropas? Welche Rolle spielten Ideen wie Sozialismus oder Pazifismus einerseits und der Faschismus andererseits? Welche Auswirkungen hatten die Durchsetzung des Frauenwahlrechts in vielen Staaten und die Errichtung der International Labour Organization (ILO)? Auf welchen Werten und Überzeugungen beruhte die internationale Reputation von Vertretern bisher als "Underdogs" behandelter Nationen wie Tomás G. Masaryk, Edvard Benes, Józef Pilsudski, Eleftherios Venizelos, Nicolae Titulescu oder Mustafa Kemal Atatürk?

C)   Soziale und ökonomische Krise

Wie reagierten die traditionellen (Vorkriegs)Eliten in Politik und Wirtschaft auf die neu entstandenen sozialen Demokratien? Welche sozialen und mentalen Folgen hatten Erfahrungen von Gewalt, Mangelwirtschaft und anhaltender Instabilität? Welche soziale und politische Bedeutung hatte die gefühlte bzw. tatsächliche Belastung der durch die Siegermächte auferlegten Reparationen für das Deutsche Reich, Österreich, Ungarn und Bulgarien?

D)   Revolutionen, Gegenrevolutionen, Revisionismus und territoriale Ansprüche

Welche Erwartungen und Befürchtungen nährte die Oktoberrevolution in Russland? Mit welchen politischen, militärischen und wissenschaftlichen Argumenten versuchten manche Staaten, ihre territorialen Ansprüche gegen die Gebiete anderer Staaten zu legitimieren?

E)   Erinnerungen an den "Großen Krieg"

Welche Formen der Erinnerung an den Weltkrieg wurden in den Jahren 1918-1923 in den einzelnen nationalen Gesellschaften entwickelt? Welche Rolle spielten Kriegsgräber, Denkmäler, Interessensvertretungen (Kriegervereine, Veteranen- und Invalidenvereinigungen) sowie künstlerische und intellektuelle Verarbeitungen des Krieges in der bildenden Kunst, der Literatur und der Geschichtswissenschaft? Welche Bedeutung hatten in der Erinnerungskultur der einzelnen Staaten die Berücksichtigung von Minderheitenrechten und der "ethnische Aspekt" der neuen Ordnung?

Beitragsvorschläge (400 Wörter) sowie ein kurzer CV werden erbeten an Burkhard Olschowsky (Burkhard.Olschowsky[at]bkge.uni-oldenburg[dot]de).

Die Tagungsbeiträge (in englischer oder deutscher Sprache) in einer Länge von 20.000 Zeichen sind vor Tagungsbeginn einzureichen.

Eine Publikation der Beiträge in Begleitung zu einer thematisch einschlägigen Open Air-Ausstellung ist geplant. Diese Ausstellung wird vom Europäischen Netzwerk Erinnerung und Solidarität vorbereitet.

Tagungsort:  Botschaft der Slowakischen Republik, Hildebrandstraße 25, 10785 Berlin

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Kontakt:

Dr. Burkhard Olschowsky

Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa

+49 441 96195 56

Burkhard.Olschowsky[at]bkge.uni-oldenburg[dot]de

 

 

Marc Hansen

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