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Der Erste Weltkrieg – reine Nervensache?

Bericht über die Tagung "Nerven und Krieg. Psychische Mobilisierungs- und Leidenserfahrungen in Deutschland 1900-1933", Berlin 12-13.10.2017
Von: 
Max Alexandrin
Bildpostkarte Den Krieg gewinnt, wer die stärkeren Nerven hat © Universität Osnabrück, Historische Bildpostkartensammlung Prof. Dr. Sabine Giesbrecht.

Das zumindest könnte man glauben, wenn man der öffentlichen Berichterstattung und den psychiatrischen Strömungen der Zeit vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die Weimarer Republik Aufmerksamkeit schenkt. Ob stählern, gespannt oder besonders reißfest – Nerven schienen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein stark umkämpftes Gut zu sein. Ansprüche auf die öffentliche und wissenschaftliche Deutungshoheit über die Nervenfrage wurden oft fernab des Geschützfeuers geltend gemacht, was den zeitgenössischen Blick und den folgender Generationen auf die Kriegsereignisse stark prägte. Mit dem hundertjährigen Jubiläum des Ersten Weltkriegs im Jahr 2014 gingen zahlreiche Publikationen einher, die innovative Thesen über Ursprünge, Hintergründe sowie Folgen des Kriegs insbesondere für Soldaten und Angehörige auf Basis neuer Quellen- und Forschungserkenntnisse thematisieren.1

Die Konferenz „Nerven und Krieg. Psychische Mobilisierungs- und Leidenserfahrungen in Deutschland 1900–1933“, organisiert von GUNDULA GAHLEN (Freie Universität Berlin), BJÖRN HOFMEISTER (Freie Universität Berlin), CHRISTOPH NÜBEL (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr Potsdam) und DENIZA PETROVA (Freie Universität Berlin), setzte an diesem Punkt an und befasste sich am 12. und 13. Oktober 2017 auf insgesamt sechs Panels mit zeitgenössischen Nerven- und Neurastheniediskursen, Leidenserfahrungen und Identitätskrisen in Wissenschaft, Politik, Militär sowie in der damaligen Öffentlichkeit. Dabei lag der Fokus auf einer Thematisierung von „Nerven“ als zentrale Chiffre und zeitgenössisches Konstrukt im und nach dem Ersten Weltkrieg, das auch in Prozessen (nationalistischer) Sinnstiftung wirkte. Räumlich geriet vor allem der europäische Kontext hinsichtlich der Zeitphasen Deutsches Kaiserreich, Weimarer Republik und Nationalsozialismus in den Blick.

GUNDULA GAHLEN (Berlin) setzte in ihren einführenden Worten den breiten epistemologischen Rahmen der Konferenz, indem sie auf den diskursiven Gebrauch des Begriffs „Nerven“ als Indikator für die Anstrengungen und Belastungen während des Kriegs verwies. Der Begriff sei paradigmatisch für die neue Qualität des Weltkriegs als „totaler Krieg“, der alle Lebensbereiche umspannte und auch noch lange nach Kriegsende präsent gewesen sei. Zudem habe der allgegenwärtige Bezug zu „Nerven“ im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik eine entscheidende Rolle als Ressource zur (erneuten) „geistigen Kriegsmobilisierung“ gespielt. So hätten sich beispielsweise Wissenschaft und Militär gegenseitig in ihren Versuchen der Nutzbarmachung, Interpretation und Bewertung der „nervlichen Zustände“ der Soldaten aber auch der Zivilbevölkerung beeinflusst. GAHLEN benannte als Ziel der Konferenz, eine Forschungslücke zu schließen, die darin bestehe, soziokulturelle Analysen von Nervendiskursen in Bereichen wie Wissenschaft, Politik, Militär und der breiten Öffentlichkeit anzustellen, sowie deren Wechselwirkungen mit den Leidenserfahrungen der Soldaten und der Zivilbevölkerung und den daraus entstandenen Folgen zu erkunden.

BERND ULRICH (Berlin) knüpfte in seiner Keynote unmittelbar an diese Gedanken an, indem er die Geschehnisse um Generaloberst Helmuth von Moltke (den Jüngeren) und General Erich Ludendorff während des Kriegs beleuchtete beziehungsweise die ihnen auch in heutiger Forschungsliteratur oft attestierten „Nervenzusammenbrüche“ als Ausgangspunkt näher untersuchte. „Schwache Nerven“ und nervöses Gebaren seien im Kaiserreich als Anzeichen für fehlende Willenskraft interpretiert, ihre Mobilisierung im Gefecht des Krieges hingegen einem Idealtypus des modernen Kriegers zugeschrieben worden. Gerade jenseits des unmittelbaren Kriegsgeschehens habe die Psychologisierung der Sprache an Schärfe zugenommen, unter anderem in Bezug auf die Diffamierung von Kriegsgegnern und psychisch Versehrten. Dies sei in der Verflechtung von psychiatrisch-psychologischen Diskursen mit nationalistischer Rhetorik und militärischer Disziplinarmoral seit dem gescheiterten aber anfangs intendierten schnellen Kriegsende ab 1915 begründet gewesen. Das Aufkommen sogenannter „hysterischer Kriegszitterer“ wurde zur Alltagserscheinung und sei mit einer sozialmedizinischen Veränderung einhergegangen, welche die Sicht der damaligen Öffentlichkeit sowie der Mehrzahl der Psychiater und Psychologen auf die Frontvorgänge und deren Folgen geprägt habe. Rang- und Standesunterschiede (etwa zwischen bessergestellten Offizieren und ‚einfachen‘ Fußsoldaten) hätten bei der Forschung zu ätiologischen Fragen eine ebenso große Rolle gespielt wie die Nähe zur Front und zu den unmittelbaren Erfahrungen mit dem Kriegsgeschehen, was wiederum starke Auswirkungen auf die Art der Behandlungsmethoden hatte.

Das von BIRGIT ASCHMANN (Berlin) geleitete erste Panel, das sich auf medizinische Diskurse zu Nerven und Krieg konzentrierte, fand seinen Auftakt mit dem Vortrag von SUSANNE UDE-KOELLER (Erlangen). Diese warf einen Blick auf Gustav Specht, der als Psychiater und Oberarzt in der Erlanger Heil- und Pflegeanstalt sowie als Direktor der Psychiatrischen Klinik der Universität Erlangen eine Sonderposition im Diskurs um die „Geistespathologie“ der Zeit eingenommen habe. Specht habe einerseits in seinem 1913 gehaltenen Vortrag „Krieg und Geistesstörung“ eine gemäßigte Position in der Psychiatrie in Hinblick auf die „chronische Anspannung der Nation“ und die „Nervenschwächen“ der Soldaten vertreten. Somit sei er vielen konzeptuellen ‚Irrwegen‘ der Zeit nicht gefolgt und habe Kollegen, militärische Vorgesetzte und deren Behandlungsmethoden wie beispielsweise die Strafbehandlung kranker Soldaten umfassend kritisiert. Andererseits habe sein wissenschaftliches Interesse auch den kriegsbejahenden Zeitgeist widergespiegelt und sei im Krieg auf die Verbesserung von in der Kriegsmusterung angewandten Selektionsmethoden für bestimmte psychische Prädispositionen für Psychosen, die auf eine Früherkennung sogenannter „Anfälliger“ und auf eine Optimierung von Kampfkraft zielten, ausgerichtet gewesen.

DAVID FREIS (Münster) setzte sich mit dem Phänomen kollektiver Massenpathologien und während des Kriegs massenhaft diagnostizierter Kriegsneurosen auseinander. Er warf einen Blick zurück bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, als zeitgenössische Vertreter der Massenpsychologie wie Justus Hecker, Carl Gustav Carus, Gustave Le Bon oder Vladimir Bechterev zu Fragen der „Kollektivpsychologie“ arbeiteten. Auf dieses breite (pseudo-) wissenschaftliche Fundament habe die „Volkspsychologie“ vor und während des Ersten Weltkriegs aufbauen können. Hierbei seien Überlegungen zu sozialer Übertragbarkeit und Suggestion mit der Frage nach einer „Massenseele“ und kriegsbedingten „psychischen Schocks“ verbunden worden – angereichert mit nationalistischer Ideologie. Die Vorstellung von „psychopathologischen Epidemien“ habe den öffentlichen Diskurs noch lange nach dem Krieg geprägt und sei in veränderter Form auch heute noch präsent. Allerdings hätten längst nicht alle Wissenschaftler das Konzept von „Volkskrankheiten“ vertreten (beispielsweise Arthur Kronfeld).

THOMAS BEDDIES (Berlin) beschäftigte sich in seinem Vortrag über die gescheiterte deutsche Revolution von 1918/19 und den organisatorischen und mentalen „Aufrüstungsprozess“ vor dem Zweiten Weltkrieg mit ähnlichen Gedankengängen. Bestimmte psychiatrische Strömungen hätten anlässlich sich verändernder Gesellschaftsstrukturen in der Weimarer Republik Deutungshoheit erlangt: Zum einen die Wehrpsychiatrie, die nach dem als „kollektive Schande“ empfundenen Versailler Friedensvertrag nach dem Wiederaufbau der „Volksseele“ gestrebt habe. Hierbei seien psychisch Erkrankte, mental Kriegsversehrte, ebenso wie als „hysterische“ Revolutionäre Diffamierte und Pathologisierte als störende innere „Fremdkörper“ betrachtet worden. Zum anderen versuchten reformatorisch-sozialistische Kreise, beispielsweise um Magnus Hirschfeld oder Arthur Kronfeld, demokratischen, emanzipatorischen und individualistischen Strömungen mehr Raum zu geben – teilweise expressionistisch angeregt, was auch mit humaneren klinischen Methoden einhergegangen sei.

Im zweiten von OLIVER JANZ (Berlin) moderierten Panel verlagerte ANNIKA MOMBAUER (London) mit ihrer Präsentation zu den „Nerven Helmuth von Moltkes“ den Fokus auf den psychischen Zustand der Führungskräfte im Ersten Weltkrieg. Dabei hob sie vor allem hervor, wie stark der Nervendiskurs zeitgenössisch etabliert war und wie schlecht sich selbst die Obrigkeit vor dem öffentlichen Stigma des „Nervenversagens“ habe schützen können. Der später aufgekommene Begriff „shell shock“ (dt. „Granatschock“) sei keinesfalls eine stets zutreffende Bezeichnung für die Leiden der Soldaten und Offiziere an der Front gewesen. Denn auch fernab des Frontgeschehens – im Komfortbereich der Obersten Heeresleitung – hätten die „Nerven“ mit schwerwiegenden Folgen nachgegeben. Wie Moltke seien auch andere Militärs in Führungspositionen wie Erich Ludendorff und Paul von Hindenburg dem Nervendiskurs nicht entkommen, der ihr Vokabular im Geist der Zeit geprägt habe.

GUNDULA GAHLEN adressierte mit ihren Ausführungen eine Forschungsfrage der letzten Jahre, die immer wieder um die vermeintliche Besonderheit der „Nerven der Offiziere“ kreise. In ihrer Analyse zahlreicher Patientenakten ermittelte sie, dass die Offiziersriege insbesondere nach den ersten verlustreichen Kriegswochen ebenfalls stark von psychischen Leiden betroffen war. Die besonderen Führungsanforderungen und der Versuch der Militärführung, die massenhaften Neurastheniediagnosen (und andere) geheim zu halten, hätten Offizieren Möglichkeiten geboten, dem Frontdienst entkommen zu können – dieser Ausweg habe den einfachen ‚Fußsoldaten‘ nicht zur Verfügung gestanden. So seien Offiziere trotz pathologisierender/psychiatrischer Diagnosen zum einen nicht selten einfach an anderer Stelle fernab der Front eingesetzt worden, statt ihr „Versagen“ öffentlich eingestehen zu müssen. Zum anderen hätten Offiziere gerade durch ihr größeres Wissen militärinterner Prozesse (im Vergleich zu ‚Fußsoldaten‘) auch eher systemische Vorteile erkannt und für sich nutzen können, beispielsweise um sich versetzen zu lassen. Dies habe auf deutscher Seite während des Kriegs – anders als bei anderen europäischen Kriegsteilnehmern – nur in seltenen Fällen zu Offiziershinrichtungen und nach dem Krieg zu einer positiven Beurteilung der Willensstärke der Offiziere geführt.

MARK JONES (Dublin) beschäftigte sich mit den Geschehnissen in der Revolutionszeit in den Jahren 1918 und 1919 und stellte die These auf, dass die Verbreitung von Gerüchten das revolutionäre Geschehen massiv beeinflusst habe. So seien durch die Angst vor konterrevolutionären Aktivitäten Gerüchte aufgekommen sowie Fehlkommunikation und Spontanreaktionen entstanden. Anders als in gängiger Forschungsmeinung vertreten, habe unter anderem diese Angst und nicht tatsächliche konterrevolutionäre Schüsse dazu geführt, dass unter Revolutionären Gewalt ausgebrochen und teilweise Massenpaniken entstanden seien.

Eingeführt durch CHRISTOPH NÜBEL (Potsdam) beendete JOACHIM RADKAU (Bielefeld) den ersten Konferenztag mit einem umfassenden Abendvortrag. Er verfolgte einerseits den Neurastheniediskurs zurück bis zu ersten praktischen Überlegungen Thomas Edisons und des Neurologen George Miller Beard sowie zeitgenössischen Beobachtungen am Ende des 19. Jahrhunderts, die oft metaphorische Verbindungen zwischen dem Wirken von Elektrizität oder „Elektrifizierung“ und allgemeiner Großstadtnervosität gezogen hätten. Andererseits habe die Suche nach ätiologischen Erklärungen für „Nervenschwäche“ gerade im Wilhelminischen Zeitalter neben Neurologen wie Julius Möbius auch geisteswissenschaftliche Vorreiter wie Max Weber beschäftigt. Webers Schaffenskrise, die dessen Meinung nach durch eine „Überstrapazierung des Geistes“ hervorgerufen worden sei, habe seine folgenden Werke beeinflusst. Laut Radkau sei sie wahrscheinlich letztlich durch ein harmonischeres Liebes- und Sexualleben kuriert worden. Nicht zuletzt Kaiser Wilhelm II. selbst sei durch die Fremd- und Eigenzuschreibungen als „Neurastheniker“ direkt vom Nervendiskurs betroffen gewesen, was wahrscheinlich einen Grund für den Kriegsbeginn dargestellt habe.

Am zweiten Konferenztag leitete BERND ULRICH das dritte Panel ein, das sich noch eingehender mit den „Nerven der Soldaten“ auseinandersetzte. PHILIPP RAUH (Erlangen) beschäftigte sich in seinen Ausführungen zum einen mit der bekannten Kriegstagung im Jahr 19162, die einen Höhepunkt des wissenschaftlich-psychiatrischen Nervendiskurses darstellte. Zum anderen wertete er Akten von psychisch Erkrankten aus und ging näher auf den zeitgenössischen Lazarettalltag ein. Die Kriegstagung, sei zum einen darauf ausgerichtet gewesen, Hermann Oppenheims Theorie der „traumatischen Neurose“ in ihren ätiologischen Grundannahmen zu diskreditieren. Gleichzeitig habe die Konferenz dazu gedient, Vertretern des psychogenen Ätiologiemodells und rassenhygienischer Vorstellungen, wie Robert Gaupp, eine Bühne für ihre scharfe Kritik an infolge von Unfällen „simulierenden“ Arbeitern, am Krankenversicherungswesen und an der bismarckschen Sozialgesetzgebung zu geben. Allerdings sei aus Krankenakten ersichtlich geworden, dass die von einigen Tagungsteilnehmern bevorzugte brutale Elektrosuggestivbehandlung, die „Kaufmann-Kur“, anders als in früherer Forschung angenommen im Lazarettalltag nur eine geringe Rolle spielte und man stattdessen oft auf Ruhe, Erholung und Kräftigung setzte.

REBECCA AYAKO BENNETTE (Middlebury) fokussierte auf das weitestgehend noch unzureichend erforschte Kriegsdienstverweigererproblem und führte an, die Forschung habe sich bisher zu undifferenziert auf die „dunklen“ Seiten der Stigmatisierung von als „hysterisch“ diagnostizierten Soldaten, die brutalen Behandlungsmethoden sowie auf Polarisierungen wie „Ärzte kontra Patienten“ konzentriert. Anhand des medizinischen – und nicht wie in anderen Ländern strafrechtlichen – Umgangs mit Kriegsdienstverweigerern im Deutschen Kaiserreich lasse sich erkennen, dass die psychiatrische Handhabung der Patienten selbst von Vertretern psychogener Ätiologiemodelle wie Gaupp trotz öffentlich nationalistischer Aussagen im klinischen Alltag weniger harsch und delegitimierend gewesen sei, als bisher in der Fachliteratur angenommen. BENNETTE ging dabei vor allem auf die Agency, das heißt die Verhandlungsmacht der Soldaten in ärztlichen Gesprächen ein. Diese Gespräche seien keineswegs nur einseitig und von Psychiatern dominiert gewesen, sondern hätten dialogisch mit eigener Diskurssprache stattgefunden. Somit sei es nötig, eine Neueinschätzung der deutschen Kriegspsychiatrie und der diagnostischen Vorgehensweisen anzustoßen.

CHRISTOPH NÜBEL betrachtete die symbolische Dimension von „Nerven“ in Koppelung mit der räumlich-sozialen Sphäre der Front. Der Historiker ging davon aus, dass die Begriffe – anders als in den privaten Feldpostbriefen der Frontsoldaten – im bildungsbürgerlichen öffentlichen Diskurs des Kaiserreichs stark moralisch aufgeladen gewesen seien. Die öffentlich verherrlichenden und realitätsverzerrenden nationalistischen Diskurse über die Front als Raum der Gefahren und Bewährungsproben hätten sich mit dem Kriegsverlauf geändert. Dabei hätten sie durchaus einen ambivalenten Einfluss auf die Selbstbetrachtung der Soldaten als „Frontkämpfer des Vaterlandes“ gehabt. Ebenso sei in den Briefen an Familie und Kameraden der persönliche Alltagsraum der Front ersichtlich geworden, wenn sachlich-deskriptiv über Landschaften, „Nervenentspannung und -versagen“ berichtet wurde. Schließlich sei auch die Kriegsniederlage im privaten wie öffentlichen Raum durch die Linse eines psychologisierten Vokabulars betrachtet worden, wobei sich die sozialräumlichen Trennlinien bis in die Nachkriegszeit fortsetzten.

Im vierten von JASON CROUTHAMEL (Allendale) moderierten Panel zu „Nerven an der Heimatfront“ setzte sich SILKE FEHLEMANN (Düsseldorf) mit den Belastungen der Kriegsgesellschaft fernab der Front auseinander. Sie untersuchte das in der Forschung häufig nur randständig betrachtete Leiden der Frauen, das insbesondere in den letzten beiden Kriegsjahren immens zugenommen und den öffentlichen Diskurs beeinflusst habe. Auch hier habe eine klare Trennung stattgefunden zwischen nationalideologisch-öffentlichem Diskurs, in dem sogenannte „Jammerbriefe“ skandalisiert und die Leiden teilweise erotisch verharmlost worden seien, und dem privaten Raum, der von einem Alltag des „nervenzerreißenden“ Wartens (besonders auf Nachricht von Vermissten), des Hungerleidens, der spezifischen Selbstmobilisierung sowie der pathologischen Folgeerscheinungen bis lange nach dem Krieg geprägt gewesen sei. Dabei sei zwar ein geschlechterübergreifendes Durchhaltevermögen gefordert worden, weibliche Leiden im Privaten seien jedoch eher mit dem „Herzen“ statt mit „Nerven“ assoziiert gewesen und hätten daher in der zeitgenössischen medizinischen Forschung kaum Beachtung gefunden.

SEBASTIAN F. BONDZIO (Osnabrück) vertiefte die Beschäftigung mit den heimatlichen Leiden im Kaiserreich, indem er Verlusterfahrungen und deren Auswirkungen bei der Osnabrücker Stadtbevölkerung während des Kriegs beleuchtete. Durch seine quantitative Analyse des soldatischen Sterbegeschehens mit bildgebenden Verfahren stellte er fest, dass ob der Verlusterfahrungen spätestens im Jahr 1915 der öffentliche Zusammenhalt der Bevölkerung zu bröckeln begann – zum Teil aufgrund einer fehlenden Verortung früherer Kriegsgrauen im „kollektiven Gedächtnis“. Nach eingehender Untersuchung von Feldpostbriefen kam BONDZIO zu dem Schluss, dass der effiziente Feldpostservice mit seinem täglichen Überbringen von (Todes-)Nachrichten zwar für temporäre Erleichterung bei den Angehörigen gesorgt habe. Zugleich habe er jedoch auch eine latente Angst induziert, die die repräsentative Osnabrücker „Kriegskultur“ unterwandert und mit dem Massensterben der Soldaten und den heimatlichen Hungersnöten ab 1917/18 zu einem Zusammenbruch der öffentlich-restriktiven Sphäre geführt habe.

BJÖRN HOFMEISTER (Berlin) leitete das fünfte Panel ein, bei dem es um „Nervendiskurse, Mobilisierungspraktiken und politische Lernprozesse der politischen Rechten“ in der Nachkriegszeit ging. DENNIS WERBERG (Potsdam) konzentrierte sich auf die demokratiefeindliche Vereinigung „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“, die den breiten bewaffneten Arm der politischen Rechten in der Weimarer Republik darstellte und sich in den 1920er Jahren für eine Glorifizierung der Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs einsetzte. Eine „harte Männlichkeit“ und „stahlharte Nerven und Selbstkontrolle“ idealisierend habe sich der Verbund in einer Art „zäher aushaltender Wartestellung“ gesehen, um seine demokratiefeindlichen Ambitionen im richtigen Moment ausleben zu können. Sich zunächst von „aktiveren“ rechtsextremen Gruppierungen und NS-Vereinigungen abgrenzend, sie später allerdings imitierend, sei der Verbund Strukturwandeln unterlegen gewesen, habe eine eigene Bildsprache und Kriegserinnerung gefördert und besteht bis heute als Verein weiter.

DANIELA GASTEIGER (München) ging in ihrem Vortrag davon aus, dass die Aushandlung neuer, teilweise konkurrierender Führerbilder von großer Bedeutung für den Diskurs der politisch Rechten der Zwischenkriegszeit gewesen sei. Während der mentalen Vorbereitung auf einen revisionistischen Krieg und auf das „Genesen des Volkes“ sei das Ideal einer Führerfigur mit „eisernem Willen“ aber „verstehendem Herzen“ im Kontrast zu dem als unnahbar und nervös betrachteten Kaiser (stellvertretend für eine unfähige „volksfremde“ Elite) gesehen worden. Die Handlungsmacht eines rücksichtslos dezisionistischen Führers, der diktatorische Maßnahmen zur Überwindung der angeblichen „Nervenschwäche des Volkes“ ergreift, wurde als notwendig erachtet, um eine Phase der „Güte“ zu ermöglichen, in der die sodann aktivierte Tatkraft des „Volkes“ dieses zu einer besseren Zukunft verhelfe.

NILS LÖFFELBEIN (Frankfurt am Main) bewegte sich zeitlich einige Jahre nach vorn und fokussierte sich auf den Umgang mit „Kriegstraumata und psychischer Versehrtheit“ in ideologischen Strömungen des Nationalsozialismus. Der Krieg sei in überhöhter Form als vitalisierend, kathartisch und nervenstärkend angesehen worden, um rassistische Vorstellungen von einem gewaltaffinen männlichen Frontkämpfer und „neuen Menschen“ zu fördern. Besonders psychisch Versehrte (im Gegensatz zu physisch Verletzten) seien als „Asoziale des Weimarer Versorgungssystems“, als „faule Rentensimulanten“ und als revolutionäre Rädelsführer der Revolution betrachtet worden. Eine wesentliche Rolle habe Erich Maria Remarques kriegskritisches Buch „Im Westen nichts Neues“ (1929) gespielt, das durch seine realistische Darstellung der psychischen Leiden (wie Traumata) der Soldaten bei den Nationalsozialisten und anderen Rechtskonservativen auf Ablehnung gestoßen sei. Diese hätten ihre gewaltverherrlichende Kriegserinnerung durch eine „verweichlichte Erinnerung“ bedroht gesehen.

Das von UWE PUSCHNER (Berlin) moderierte, letzte Panel der Veranstaltung setzte sich mit „Sinnstiftungsnarrativen und medialen Deutungsmustern“ von „Nerven“ auseinander. JASON CROUTHAMEL ging in seinen Ausführungen auf die psychisch versehrten Veteranen des Ersten Weltkriegs, deren Selbstbeschreibungen sowie die umkämpften Erinnerungen an ihre psychischen Leiden im Zuge der generellen Kriegsdeutung in der Zwischenkriegszeit ein. Nach Auswertung von Veteranenbriefen kam CROUTHAMEL zu dem Schluss, dass die politisierten und oft narrativ homogenisierenden Deutungen durch linksradikale Gruppen (beispielweise die KPD), die die „traumatische Neurose“ als alle sozialen Differenzen überkommenden Effekt des Kriegs gesehen, sowie die Deutung rechtsextremer Vereinigungen (wie die NSDAP), die „Kriegshysteriker“ als nationale Gefahr betrachtet hätten, nicht den subjektiven und weitaus heterogeneren Erfahrungen und Selbstdeutungen der Kriegsversehrten entsprochen hätten. Insbesondere die erinnerungspolitische Idealisierung einer „nervenbeherrschenden soldatischen Männlichkeit“ im Krieg stieß auf den Widerwillen der Veteranen. So hätten diese versucht, durch Briefe an Führungsinstanzen und Institutionen (selbst nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten) den Diskurs um die Deutung der „Kriegsneurose“ mitzubestimmen und soziomedizinische Paradigmen durch ihre eigene Agency zu beeinflussen.

OLGA LANTUKHOVA (München), die sich mit zeitgenössischer autobiographischer und autofiktionaler Literatur beschäftigte, untersuchte einerseits Werke nationalistischer, beschönigender und den Krieg idealisierender Schriftsteller wie Ernst Jünger und Hugo Waldeyer. Diese hätten psychisch versehrte Soldaten als „Abweichler“ oder Kriegsverweigerer und politische Aktivisten als psychisch krank bezeichnet und die Ätiologie der „traumatischen Neurose“ als endogen verortet gesehen. Andererseits hätten kriegskritische Werke von Autoren wie Jaroslav Hašek, Edlef Köppen und des pazifistischen griechischen Autors Stratis Myrivilis teilweise durch satirische Methoden auf die Missstände in der zeitgenössischen Psychiatrie und auf den diffamierenden Umgang mit angeblichen Kriegsverweigerern aufmerksam gemacht sowie die Gestalt des „Irrsinnigen“ als Topos des Andersdenkenden inszeniert.

Auch zeitgenössische und nicht selten kontrovers rezipierte filmische Inszenierungen widmeten sich der allgemeinen „Nervosität“ der Kriegs- und Nachkriegszeit, wie JULIA BARBARA KÖHNE (Berlin) in ihrer Analyse des Spielfilms „Nerven“ von Robert Reinert feststellte. Der 2008 erneut in fragmentarischer und veränderter Form veröffentlichte Film von 1919, der sich unter anderem mit dem europäischen Massenpsychologiediskurs, mit „Neurasthenie“, (männlicher) „Hysterie“ und Psychose, Suizidgefährdung und Euthanasie, Geschlechterkontroversen, juristischen und weiteren in dieser Zeit drängenden Fragen auseinandersetzt, habe durch verschiedene filmische Mittel die „hypernervöse Stimmung“ der Zeit bildtechnisch eingefangen. Selbst vor Tabuthemen wie Traumatisierte als Gewaltverursacher und vor der Sexualisierung des Nerventopos nicht zurückschreckend, bilde der Film ein facettenreiches Zeitzeugnis, das traumatische Kriegserinnerungen, sich verändernde soziokulturelle Gesellschaftsstrukturen ebenso nachzubilden suche wie den (Miss-)Erfolg unterschiedlicher politischer Führermodelle. Einen besonderen Fokus legte KÖHNE auf das Wissensobjekt Masse, das im Film als „beseelte“ Wesenheit zwischen Form- und Führbarkeit und Selbstvergessenheit sowie Panikattacke oszillierend inszeniert werde. In diesem Punkt habe die Wahrnehmung der Nachkriegs- und Nachrevolutionszeit an die ambivalente symbolische Kodierung der „Masse“ angeschlossen. Diese sei seit dem Massenpsychologiediskurs des 19. Jahrhunderts als hoch suggestibel, übererregbar und den individuellen Willen schwächend zugleich als Vorbedingung für das (temporäre) Auferstehen eines politisch handlungsfähigen Kollektivsubjekts festgesetzt worden.

BJÖRN HOFMEISTER spannte in der Abschlussdiskussion noch einmal überblicksartig den Bogen von den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf die Nervendiskurse in der Weimarer Republik bis zur ‚Rationalisierung‘ der Diskurse und der Betrachtung von Nerven als notwendige Ressource während der Kriegsmobilisierung im Nationalsozialismus. Die systemische diskursive Herangehensweise an „Nerven“ in der Nachkriegszeit stellte er als eng verbunden mit politischen Deutungsmustern und einer Instrumentalisierung durch die konservative Rechte heraus, die sich in Konkurrenz zur politischen Deutungshoheit von „Nerven“ der Linken sah. Den Fokus der Rechten auf eine angeblich erforderliche „Nervenstärke“, Durchhaltewillen im Angesicht „kommunistischer Epidemien“ und das Verbreiten der „Dolchstoßlegende“ betrachtete er als diskursiv verwoben mit der nationalistischen Ausrichtung zahlreicher Psychiater und der Pathologisierung psychisch Versehrter. Mediziner wie Ernst Rüdin und Robert Gaupp hätten dazu beigetragen, die nationalsozialistische Eugenik-, Rassen- und Psychopolitik zur Schaffung einer neuen „nervenstarken Wehrgemeinschaft“ vorzubereiten beziehungsweise voranzutreiben. Die medizinische Forschung und der Einsatz biochemischer Stoffe wie Hormone und „Pervitin“ (Methamphetamin) seien Ausdruck eines Verständnisses gewesen, das es als Notwendigkeit angesehen habe, die menschlichen (vor allem soldatischen) „Nerven“ kontrollieren und im Kriegsfall stimulieren zu können. Mit Blick auf die Psychologisierung der Kriegsplanung und -führung im Ersten und später vor und im Zweiten Weltkrieg im Zuge der sich verändernden Nervendiskurse habe das Konzept des „Totalen Kriegs“ eine Erweiterung erfahren. Das gesellschaftsumspannende Auftreten der Nervendiskurse habe zudem zu einer Neujustierung der Sicht auf das Verhältnis zwischen Heimat und Front, Individuum und Staat, Kriegsleiden und deren Verarbeitung geführt.

 

Insgesamt wiesen die 21 Beiträge der Konferenz ein hohes Maß an inhaltlicher Tiefe auf und unterlegten Forschungsfragen der letzten Jahre auf mehreren Ebenen mit neuen empirischen Belegen. Zudem wurde deutlich gemacht, dass das multifunktionale Konzept „Nerven“ Einzug in verschiedenste Gesellschaftsbereiche und -diskurse in der Kriegs- und Nachkriegszeit hielt und es somit als „entangled object“ betrachtet werden kann. Die Komplexität des Forschungsobjekts Nerven wurde ausgemessen, indem von den Vortragenden betont wurde, wie stark es die Semantik der unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen um den Ersten Weltkrieg prägte: Der Umgang mit „Nerven“ auf soldatischer und privater Ebene gestaltete sich anders als der öffentlich-propagandistische Diskurs und sorgte im Umgang mit psychisch Versehrten und ihren Leiden, vor allem auch hinsichtlich der medizinischen, teilweise pseudowissenschaftlichen Behandlungsmethoden, sowie in der politischen Interpretation des Kriegs für heterogene Verhaltens- und Interpretationsmuster. Im psychiatrischen Diskurs, bei den Soldaten an der Front oder in der Zivilbevölkerung gab es äußerst unterschiedliche soziokulturelle Facetten, wie nationalkultureller Hintergrund, Stand, Dienstgrad oder Geschlecht, die für die Wahrnehmung des Wissensobjekt „Nerven“ bedeutsam waren. Obwohl die Zerrüttung der Nerven im Alltag höchst präsent war, so waren die mit ihnen verknüpften Bedeutungsebenen zu komplex für einfache Erklärungen. Sie verlangen auch aus heutiger Perspektive eine multidisziplinäre Herangehensweise. Die Konferenz gab, überfüttert mit bedeutenden archivalischen Funden, Einblick in ebendiese Vielfalt, wobei zugleich neue Klärungsbedürfnisse entstanden wie die regen Diskussionen offenbarten.

Mit Blick auf ein kommendes Sammelwerk könnte ein nächster Schritt für die OrganisatorInnen der Konferenz sein, neben weiteren thematischen Untersuchungsbereichen wie der Kolonialpsychiatrie oder zusätzlichen Analysen zur Wechselwirkung zwischen „Nerven“, Sexualität und Geschlecht, das theoretische Rahmenfundament näher auszuarbeiten – beispielsweise durch eine tiefergehende Konzeptualisierung der methodischen Dimension „Nerven als Chiffre“. Weiterhin besteht ein großes Potential in der Ausweitung der Inter- und Transdisziplinarität der Analysen in Hinblick auf weitere medizin-, medien- und kulturwissenschaftliche sowie künstlerische Herangehensweisen, die unseren Blick auf den Ersten Weltkrieg bereits nachhaltig verändert und maßgeblich zur Erweiterung der Erkenntnisinteressen beigetragen haben. Letztendlich zeigten die Beiträge, die vielfach den nationalen Diskursrahmen überschritten, wie ergiebig nationalkulturell komparative Ansätze sein können, etwa in der literarischen Rezeptionsgeschichte des Ersten Weltkriegs oder in Rekurs auf Militärpraktiken wie den Umgang mit Deserteuren.

 

 

 

Programm:

Nerven und Krieg. Psychische Mobilisierungs- und Leidenserfahrungen in Deutschland 1900-1933

Freie Universität Berlin, 12.-13. Oktober 2017, organisiert von Gundula Gahlen, Björn Hofmeister, Christoph Nübel und Deniza Petrova

Gundula Gahlen (Freie Universität Berlin): Nerven und Krieg. Psychische Mobilisierungs- und Leidenserfahrungen in Deutschland 1900-1933: Einführung

Bernd Ulrich (Berlin): Krieg der Nerven – Krieg des Willens (Keynote)


Panel 1: Medizinische Diskurse zu Nerven und Krieg

Panelleitung: Birgit Aschmann (Humboldt-Universität zu Berlin)

Susanne Ude-Koeller (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg): Gustav Spechts „Krieg und Geistesstörung“ 1913

David Freis (Universität Münster): Psyche, Krieg und Kollektiv. Von der Massensuggestion zur Völkerpsychopathologie 1900-1933

Thomas Beddies (Institut für Geschichte der Medizin und der Ethik in der Medizin der Cha-rité, Berlin): Die Revolution als „psychopathologische Fundgrube“. Nerven und Nervenheil-kunde nach dem Ersten Weltkrieg


Panel 2: Die Nerven in der militärischen Führung

Panelleitung: Oliver Janz (Freie Universität Berlin)

Annika Mombauer (Open University London, Großbritannien): Die Nerven Helmuth von Moltkes

Gundula Gahlen (Freie Universität Berlin): Die Nerven der Offiziere als militärisches Prob-lem. Militärische Diskurse und Handlungsstrategien 1914-1918

Mark Jones (University College Dublin, Irland): Nerves and the Officers‘ Plot during the German Revolution of 1918-19. The Case from Western Germany

 

Joachim Radkau (Universität Bielefeld): Die Wende zur ‚Willenskultur‘ in der Nerventhera-pie und das nervöse Doppelgesicht des Krieges (öffentlicher Abendvortrag)

Moderation: Christoph Nübel (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam)


Panel 3: Die Nerven der Soldaten

Panelleitung: Bernd Ulrich (Berlin)

Philipp Rauh (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg): Die militärpsychiatrischen Therapiemethoden im Ersten Weltkrieg. Diskurs und Praxis

Rebecca Ayako Bennette (Middlebury College, USA): Diagnosing Dissent: Hysteria, Consci-entious Objection, and German Wartime Psychiatry, 1914 to 1918

Christoph Nübel (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam): Raumpsychologie und soldatische Kriegserfahrung im Ersten Weltkrieg


Panel 4: Die Nerven an der Heimatfront

Panelleitung: Jason Crouthamel (Grand Valley State University Michigan, USA)

Silke Fehlemann (Universität Düsseldorf): Die Nerven der „Daheimgebliebenen“

Sebastian F. Bondzio (Universität Osnabrück): Massentrauer? Das Sterben von Soldaten im Krieg, Verlusterfahrungen und seine gesellschaftlichen Nachwirkungen


Panel 5: Nervendiskurse, Mobilisierungspraktiken und politische Lernprozesse der politischen Rechten nach dem Ersten Weltkrieg

Panelleitung: Björn Hofmeister (Freie Universität Berlin)

Dennis Werberg (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr): Die Nerven der Stahlhelm-Männer. Weltkriegserinnerung und Selbstverständnis des Stahlhelm-Bundes der Frontsoldaten

Daniela Gasteiger (LMU München): Nerven und Herz. Diskurse um politische Herrschaft und politisches Handeln auf der politischen Rechten zwischen den Weltkriegen

Nils Löffelbein (Universität Frankfurt am Main); „Rentenjäger – Simulanten“ – Kriegstrau-mata und psychische Versehrtheit in Ideologie und Propaganda des Nationalsozialismus


Panel 6: Die Bedeutung von „Nerven“ in Sinnstiftungsnarrativen und medialen Deutungsmustern

Panelleitung: Uwe Puschner (Freie Universität Berlin)

Jason Crouthamel (Grand Valley State University Michigan, USA): Contested Memories and Traumatic Neurosis in Weimar and Nazi Germany

Olga Lantukhova (LMU München): Kriegsbegeisterung als Normalität und Pazifismus als Nervenschwäche. Auseinandersetzungen mit psychischen Auswirkungen des Krieges in den literarischen Darstellungen des Ersten Weltkriegs

Julia Barbara Köhne (Humboldt-Universität zu Berlin): Spiegelungen interdisziplinären Diskurswissens in Robert Reinerts Nerven (1919)

Björn Hofmeister (Freie Universität Berlin): Nerven und Krieg: Methodische Überlegungen und Schlusskommentar

 

Abschlussdiskussion

  • 1. So z.B. Christopher Clarke, The Sleepwalkers. How Europe Went to War in 1914, London 2012. Bernd Ulrich/ Thomas Fleming, Heimatfront. Zwischen Kriegsbegeisterung und Hungersnot – wie die Deutschen den Ersten Weltkrieg erlebten, München 2014.
  • 2. Hierbei handelt es sich um die Kriegstagung, welche am 22. und 23. September 1916 von dem „Deutschen Verein für Psychiatrie“ und der „Gesellschaft deutscher Nervenärzte“ in München durchgeführt wurde.
Germany troops at rest in a water-filled shell hole on the Western Front. © IWM (Q 88100), http://www.iwm.org.uk/collections/item/object/205331658
Christian Th. Müller

Zitierempfehlung

Max Alexandrin, Der Erste Weltkrieg – reine Nervensache?. Bericht über die Tagung "Nerven und Krieg. Psychische Mobilisierungs- und Leidenserfahrungen in Deutschland 1900-1933", Berlin 12-13.10.2017, in: Portal Militärgeschichte, 1. März 2018, URL: http://portal-militaergeschichte.de/node/1859. (Bitte fügen Sie in Klammern das Datum des letzten Aufrufs dieser Seite hinzu.)

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