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Einblick in das „Seelenleben“ der Soldaten. Kriegszeitungen der Jahre 1914-1918 in der Bibliothek für Zeitgeschichte

Von: 
Christian Westerhoff
DOI: 
10.15500/akm.22.12.2014
Abbildung 1: Feldzeitung „Vogesenwacht“, Nr. 10 vom 9.4.1918.

Der Erste Weltkrieg zerschnitt zahlreiche Kommunikationskanäle und trennte tausende Menschen von ihren gewohnten Informationsmedien. Millionen Soldaten hielten sich jahrelang fernab der Heimat an den verschiedenen Fronten auf, und ein Heer an Kriegs- und Zivilgefangenen fristete ein isoliertes Dasein in Lagern. Neue Kommunikationsmittel mussten in dieser Situation an die Stelle der gewohnten treten. Gleichzeitig wurde der Krieg von den Zeitgenossen als ein besonderes Ereignis und Erlebnis wahrgenommen. Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass der Erste Weltkrieg zahlreiche neue Zeitungen hervorbrachte.

Der „Große Krieg“ war der erste Krieg, in dem Soldaten selbst in großer Zahl eigene Zeitungen erstellten. Diese sollten dazu dienen, den Frontalltag aufzuheitern und das Erlebte zu verarbeiten. Auch wollten die Soldaten eine alternative Informationsquelle zu den offiziellen Berichten oder den Zeitungen aus der Heimat schaffen, die insbesondere an der Ostfront schwer zu beschaffen waren. Bei Kriegsgefangenen und Internierten dürften die Isolierung und Monotonie des Lagerlebens die Hauptgründe für die Herausgabe eigener Zeitungen gewesen sein. Im Gegensatz zu den Alliierten hielt das Deutsche Reich größere Territorien des Gegners besetzt. Für die Bevölkerung dieser Gebiete sowie die Besatzungstruppen wurden eigene Zeitungen herausgegeben. Auch in der Heimat entstanden spezielle Kriegszeitungen.

Die Soldaten-, Lager-, Besatzungs-, Firmen- und sonstigen Kriegszeitungen des Ersten Weltkriegs sind eine wichtige Quelle für die Forschung.1 Die umfangreichen Bestände der Bibliothek für Zeitgeschichte (BfZ) in der Württembergischen Landesbibliothek an solchen Kriegszeitungen werden im Folgenden genauer vorgestellt.

 

Die Bestände

Die BfZ, bzw. ihre Vorgängerinstitution, die Weltkriegsbücherei (WKB), legte von Beginn an großen Wert darauf, Feldzeitungen und andere Kriegszeitungen des Ersten Weltkriegs zu sammeln. So wurde bereits in ihrem Gründungsaufruf von 1915 hervorgehoben, dass die Bibliothek besonders an „Schützengrabenzeitungen“ interessiert sei.2 1928 führte die Bibliothek ca. 250 Feldzeitungen, 400 Gefangenenlagerzeitungen, Lazarettzeitungen, Firmenzeitungen und weitere „Kriegszeitungen der Heimat“ sowie 380 Parlamentsberichte und Amtsblätter der besetzten Gebiete aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.3 Die Feldzeitungssammlung der WKB wurde allerdings bei einem Bombenangriff im September 1944 weitgehend vernichtet und musste nach dem Zweiten Weltkrieg mühsam wieder aufgebaut werden.4 Heute besitzt die BfZ einen Bestand von mehr als 250 Titeln. Zusätzlich zu ihren eigenen Beständen bietet die BfZ ihren Nutzern einen Zugriff auf die Datenbanken „First World War“ der Firma Adam Matthew sowie „Trench Journals and Unit Magazines of the First World War“, in denen mehr als 1.500 internationale Kriegszeitungen digital abrufbar sind.  


Feldzeitungen

Bei mehr als 100 Titeln im Kriegszeitungs-Bestand der BfZ handelt es sich um Feldzeitungen, auch Soldaten- oder Schützengrabenzeitungen genannt. Bis auf wenige Ausnahmen sind es deutsche Publikationen.

Feldzeitungen waren während des Ersten Weltkriegs das Massenmedium der Soldaten an der Front. Allein die deutschen Zeitungen sollen eine Gesamtauflage von drei Millionen gehabt haben. Angesichts dieser Zahlen kann von einer flächendeckenden Versorgung der deutschen Soldaten ausgegangen werden.5

Soldatenzeitungen gab es schon vor dem Ersten Weltkrieg. Das Besondere an den seit 1914 aufkommenden Feldzeitungen bestand aber darin, dass sie – zumindest in den ersten Kriegsjahren – von Frontsoldaten selbst produziert wurden. Diese auch Schützengrabenzeitungen genannten Blätter wurden zunächst mit einfachsten Mitteln in Frontnähe hergestellt und mithilfe eines Hektographen vervielfältigt. Zu Beginn hatten sie meist nur eine geringe Auflage und Verbreitung, da sie nur für die eigene militärische Einheit bestimmt waren. Häufig entstanden sie zudem gerade in kleinen Einheiten an isolierten Frontabschnitten. Dementsprechend waren sie relativ selten und für Sammler schwer zu beschaffen. Im Laufe des Krieges professionalisierten sich die meisten Schützengrabenzeitungen, und sie erreichten bald hohe Auflagen.

Nachrichtenmeldungen werden in den Zeitungen, die an der Westfront entstanden, selten wiedergegeben, da es hier eine gute Versorgung mit deutschen Tageszeitungen gab; es überwiegen Geschichten aus dem Alltag der Soldaten. Da man sich kannte, ist die Sprache eher informell. Der Misere des Kriegsalltags wird häufig mit Spott begegnet. Durch die dahinter durchscheinende Kritik an den Verhältnissen erfüllten die Feldzeitungen eine wichtige Ventilfunktion.

Die „Hohnacker neueste Nachrichten“ gelten als erste deutsche Feldzeitung des Ersten Weltkriegs. Die später in „Der bayerische Landwehrmann“ umbenannte Zeitung wurde am 14. September 1914 von einem Feldwebel in den Vogesen gegründet. Mit 80 hektographierten Exemplaren gestartet, erreichte die Zeitung nach dem Umstieg auf die lithographische Vervielfältigung später eine Auflage von 1.500 Exemplaren. Mit der Professionalisierung wandelten sich auch Form und Inhalt der Beiträge und zunehmend entwickelte sich die Zeitung zu einem Organ der Durchhaltepropaganda der Militärführung.6 So verheißt die auf den ersten Blick friedlich erscheinende Weihnachtsausgabe vom 24.12.1915 im Innenteil eine unverminderte Fortführung des Krieges im Jahr 1916 und präsentiert einen ungebrochenen Glauben an einen deutschen Sieg. Auf einer der abgebildeten Granaten heißt es trotzig: „Wir sind immer noch obenauf!“ (Abb. 3).

Von Soldaten selbst herausgegebene Schützengrabenzeitungen bildeten jedoch nur einen kleinen Teil der Soldatenzeitungen. Bei einem Großteil handelte es sich um sogenannte Armeezeitungen, die seit Ende 1914 von größeren Formationen wie Divisionen, Armeekorps oder Armeen herausgegeben wurden. Häufig waren diese Zeitungen an Frontabschnitten mit stärkerer Truppenkonzentration anzutreffen. Die Initiative zur Gründung dieser Großblätter ging von der militärischen Führung aus. Entsprechend waren die Armeezeitungen Sprachrohr der Kommandobehörden. Die Blätter wurden mit hohem technischen Aufwand im Etappengebiet, teilweise sogar in Deutschland gedruckt und in großer Auflage verbreitet. So erschien z. B. die „Liller Kriegszeitung" Ende 1916 in einer Auflage von 110.000 Exemplaren.7 In Layout und Auflagenhöhe konnten sie zum Teil mit der zivilen Tagespresse mithalten, weshalb sie auch von der Zivilbevölkerung gelesen wurden. Besonders an der Ostfront, wo sich die Stellungen der Soldaten häufig in wenig erschlossenen Gebieten mit mangelhafter Verkehrsanbindung befanden, übernahm die Soldatenpresse oft die Funktion von Tageszeitungen. Vollzeit-Redakteure, die vom Frontdienst befreit wurden, sorgten für Professionalität. Die Armeezeitungen waren daher zwar ein Medium für Soldaten, aber nicht wirklich ein Echo von ihnen. Sie sind vielseitiger und ambitionierter angelegt als die Schützengrabenzeitungen. Mit zahlreichen, zum Teil farbigen Abbildungen ausgestattet (Abb. 1, 5) enthalten sie neben den eng auf den Soldatenalltag bezogenen Texten auch Artikel über Ereignisse in den besetzten Gebieten und im Deutschen Reich.

Eine typische Armeezeitung der Ostfront ist die „Zeitung der 10. Armee“ (Abb. 4). Auf Befehl von General Hermann von Eichhorn am 9.12.1915 in Wilna ins Leben gerufen, erschien sie zeitweise in einer Auflage von mehr als 50.000 Exemplaren. Im Vergleich zu Feldzeitungen der Westfront ist sie wesentlich textlastiger und enthält mehr Nachrichten zur militärischen, politischen und wirtschaftlichen Lage. Beilagen wie die „Liebesgabe zur Armee-Zeitung“ oder der „Beobachter“ ergänzen den Nachrichtenteil um Gedichte, Erzählungen, Abbildungen und andere Auflockerungen. Im Zuge der Novemberrevolution übernahmen die revolutionären Soldaten die Herausgabe der Zeitung, sie wurde zum „Organ des Soldatenrats“, wie sie dann im Untertitel heißt.8

Im Laufe des Jahres 1916, als im Gefolge mehrerer verlustreicher Großoffensiven die Kampfmoral zu schwinden drohte, unternahm die 3. Oberste Heeresleitung (OHL) den Versuch, das gesamte Feldzeitungswesen stärker zu kontrollieren und in den Dienst der Durchhaltepropaganda zu stellen. Bereits im März 1916 war beim Generalstab eine Feldpressestelle geschaffen worden, die Informationen sowie teilweise bereits druckfertige Artikel an die Redaktionen lieferte. Zudem mussten sämtliche Ausgaben vor Veröffentlichung vorgelegt werden. Auf diese Weise war die 3. OHL in der Lage, die Frontpresse weitgehend in ihrem Sinne zu lenken. In den nachfolgend erschienenen Ausgaben wird das Bild des tapferen und allzeit pflichttreuen Frontkämpfers stilisiert (Abb. 4).9 Auch gegen Streiks und Gerüchte (Abb. 5) wird Stimmung gemacht.


Lagerzeitungen

Mehr noch als das Leben der Soldaten in den Schützengräben war der Alltag der Kriegs- und Zivilgefangenen von Langeweile und Isolation bestimmt. Vor diesem Hintergrund stellte das Publizieren von Lagerzeitungen geradezu eine Selbsttherapie gegen lagertypische psychische Beeinträchtigungen dar. Lagerzeitungen von Kriegsgefangenen informierten und unterhielten nicht nur die Mitgefangenen, sie dienten darüber hinaus aber auch der Imagepflege gegenüber der Heimatöffentlichkeit, die große Teile der Auflagen bezog. Denn die Kriegsgefangenen befürchteten nicht zu Unrecht, als unehrenhaft abgestempelt zu werden. Im Mittelpunkt der Artikel stehen vor allem Informationen über den Kriegsverlauf, literarische Texte ("Lagerlyrik"), Allgemeinbildung und Lagerinterna. Während das Interesse an der Außenwelt in den im Verlauf des Krieges erschienenen Ausgaben immer mehr abnimmt, spielt das Geschehen im Lager eine zunehmend größere Rolle (Abb. 6).10

Der BfZ führt heute ca. 20 Gefangenenlagerzeitungen in unterschiedlichen Sprachen und aus verschiedenen Ländern. Hierunter befinden sich auch seltene Titel wie die in einem Internierungslager für deutsche Zivilinternierte auf der Ilse of Man erschienene „Lager-Laterne“, die in Deutschland nur in der BfZ nachgewiesen ist (Abb. 6). Weitere Titel sind (Erscheinungsort in Klammern):

• Le Camp de Göttingen (Göttingen, Deutschland)
• Nea Tou (Görlitz, Deutschland)
• Onze Taal (Göttingen, Deutschland)
• The Wooden City (Göttingen, Deutschland)
• Bulletin Paroissial du Camp d'Ohrdruf (Ohrdruf, Deutschland)
• Hindost¯ana (Berlin, Deutschland)
• Le Journal du Camp d'Ohrdruf (Ohrdruf, Deutschland)
• D. H. Zivilgefangenen-Halbmonatsschrift (Knockaloe, Großbritannien)
• Hinterm Stacheldraht (Islington, Großbritannien)
• Knockaloe-Lager-Zeitung (Knockaloe, Großbritannien)
• Lagerbote (Wakefield/Lofthouse Park, Großbritannien)
• Lager-Echo (Knockaloe, Großbritannien)
• Quousque tandem (Knockaloe, Großbritannien)
• Stobsiade (Stobs, Großbritannien)
• Deutsche Grüße aus den Gefangenenlagern (Bern, Schweiz)
• Deutsche Internierten-Zeitung (Bern, Schweiz)
• Journal des Internés francais (Bern, Schweiz)
• Nachrichten aus den Gefangenenlagern (Bern, Schweiz)
• Aus ernsten Tagen/Belle Ile en Mer (Bern, Schweiz)
• Der Gefangenenbote (Genf, Schweiz)
• Die Insel-Woche (Ile Longue, Frankreich)
• Montaubaner Lager-Zeitung (Montauban, Frankreich)
• Zeitung für die deutschen Kriegsgefangenen (Paris, Frankreich)
• Deutsche Zeitung (Den Haag, Niederlande)
• Lagerbote. Mitteilungen für die deutschen Internierten in Dänemark und Norwegen (Kopenhagen, Dänemark)
• Lagerfeuer (Matsuyama/Bando, Japan)


Zeitungen der besetzten Gebiete

1914/1915besetzten deutsche Truppen Belgien sowie Teile Nordfrankreichs, Polens und des Baltikums. Später kamen Rumänien, Weißrussland, die Ukraine und weitere Teile des Baltikums hinzu. In diesen Territorien gaben die deutschen Besatzungsbehörden eigene Zeitungen heraus, auch in fremden Sprachen wie z.B. die „Gazette des Ardennes“. Zielgruppen waren die deutschen Verwaltungen, die Besatzungstruppen sowie die Zivilbevölkerung des besetzten Gebiets. Ein spezielles Exemplar der Gazette des Ardennes in den Sammlungen der BfZ deutet darauf hin, dass diese Zeitungen zum Teil auch wie Flugblätter mit Flugzeugen über den feindlichen Linien abgeworfen wurden.11

An der Ostfront ersetzten auch diese Zeitungen vielfach die Tageszeitungen aus Deutschland. Sie enthalten daher einen hohen Nachrichtenteil. Neben Nachrichten aus dem Reich und von den Fronten gibt es hier Berichte über die Geschehnisse vor Ort. Die Zeitungen gewähren damit interessante Einblicke in das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben in den besetzten Territorien. Da ein Großteil der Akten der Besatzungsverwaltungen nicht erhalten ist, enthalten die Zeitungen Informationen, die in anderen Quellen nicht zu finden sind. So sind z.B. im Herbst 1916 erfolgte Zwangsrekrutierungen einheimischer Arbeitskräfte in Mitau (Jelgava, Lettland) nur über die Mitauische Zeitung nachgewiesen.12

Eine typische Zeitung für die besetzten Gebiete ist die „Kownoer Zeitung“ (Abb. 7).13 Unter der Rubrik „Aus Stadt und Land“ wird hier über Ereignisse vor Ort berichtet, z. B. über die Beschlagnahmung von Holz. Die Zeitung hat mehrere, zum Teil illustrierte Beilagen. Neben der Zeitung brachte die Redaktion auch einen Stadtführer für Kowno (Kaunas, Litauen)14 heraus.

Die BfZ verfügt über ca. 20 Zeitungen der besetzten Gebiete:

• Anzeiger für Nikolajew
• Bapaumer Zeitung am Mittag
• Belgischer Kurier
• Bialystoker Zeitung
• Bukarester Tagblatt
• Bulletin de Lille
• Deutsche Lodzer Zeitung
• Deutsche Warschauer Zeitung
• L'Événement illustré
• Gazette des Ardennes
• Grodnoer Zeitung
• Kownoer Zeitung
• Libausche Zeitung
• Mitausche Zeitung
• Rigasche Zeitung
• Ukrainische Nachrichten
• Wilnaer Zeitung


Amts- und Verordnungsblätter der besetzten Gebiete

In den von Deutschland besetzten Territorien wurden Besatzungsadministrationen eingerichtet, um die Gebiete zu verwalten und sie in den Dienst der deutschen Kriegswirtschaft zu stellen. Die Administrationen versuchten mithilfe zahlreicher Verordnungen, das Leben in den besetzten Gebieten in ihrem Sinne zu ordnen. Zur Veröffentlichung der Bestimmungen gaben sie eigene Amts- und Verordnungsblätter heraus. Die BfZ führt mehr als 20 solcher Verordnungsblätter, bei denen es sich zum größten Teil um Amtsblätter für Kreise in Russisch-Polen handelt:

• Korrespondenz Belgien
• Kreis-Blatt des Kreises Lukow
• Kreis-Blatt des Kreises Siedlce
• Kreis-Blatt des Kreises Sieradz
• Kreisblatt für den Kreis Ostrolenka
• Kreisblatt für den Kreis Warschau-Land
• Kreis-Blatt für den Verwaltungsbezirk Wloclawek
• Kreisblatt für die Kreise Konin Slupca
• Kreisblatt für die Kreise Kutno und Gostynin
• Kreisblatt für die Kreise Lowitsch und Sochatschew
• Kreisblatt für die Kreise Sokolow und Wengrow
• Kreisblatt für Lomza und Kolno
• Kreis-Blatt. Amtliches Organ für den unter deutscher Verwaltung stehenden Teil des Kreises Czenstochau
• Kreis-Blatt. Amtliches Organ für den unter Deutscher Verwaltung stehenden Teil des Kreises Wielun
• Lenczycaer Kreisblatt
• Mlawaer Zeitung
• Pultusker Zeitung
• Stadtblatt für Zdunska-Wola
• Tomaschower Amtliche Zeitung
• Verordnungsblatt des Kaiserlich Deutschen Kreischefs der Kreise Kalisch u. Turek
• Verordnungsblatt für die von deutschen Truppen besetzten Teile Livlands und Estlands
• Zgierzer Zeitung


Kriegszeitungen der Heimat

Im Deutschen Reich gaben Firmen, Verbände, Schulen, Universitäten, Kirchengemeinden und andere Einrichtungen eigene Kriegszeitungen heraus, wie z.B. die „Kriegszeitung der Musterschule“ (Frankfurt am Main), die „Kriegszeitung der Universität Tübingen“ oder die „Mitteilungen von Ihrer Firma und Ihren Kollegen“ der Ludwigsburger Kaffeemittel-Firma „Heinrich Franck Söhne“ des Gründers der BfZ Richard Franck (Abb. 8). Tageszeitungen wie der „Berliner Lokalanzeiger“ brachten Extrablätter auf den Markt, die sich speziell mit dem Krieg beschäftigten. Die BfZ verfügt über ca. 70 Kriegszeitungen von der „Heimatfront“. Die Forschung hat sich bisher kaum mit diesen Zeitungen auseinandergesetzt.15


Recherche, Erschließung und Digitalisierung


Suche über Kataloge

Die Kriegszeitungen der BfZ können auf unterschiedlichen Wegen recherchiert werden. Die BfZ arbeitet daran, ihre Kriegszeitungs-Bestände vollständig in überregionalen Katalogen wie der Zeitschriftendatenbank (ZDB)16 und dem Online-Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB)17 zu erschließen. Sie können dadurch auch über den Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK)18 sowie im Online-Katalog der Württembergischen Landesbibliothek19 recherchiert werden. Einzelne Zeitungen lassen sich über die Titelsuche recherchieren. Im Online-Katalog der Landesbibliothek kann sich der Nutzer auch alle bereits erschlossenen Kriegszeitungen als Übersicht anzeigen lassen. Diese Auflistung erhält man, wenn man in der „Erweiterten Suche“ die Kategorie „Schlagwort Sache“ wählt und nach den Schlagworten „Weltkrieg 1914-1918“ sowie „Zeitung“ sucht. Mehr als 150 Kriegszeitungen werden bereits angezeigt.


Übersicht über digitalisierte Bestände auf dem Themenportal Erster Weltkrieg

Eine alternative Übersicht über Kriegszeitungen im Bestand der BfZ findet der Nutzer auf dem „Themenportal Erster Weltkrieg“.20 In Deutschland verfügen zahlreiche Bibliotheken über Kriegszeitungen aus dem Ersten Weltkrieg. Einige Einrichtungen haben ihre Bestände in den letzten Jahren digitalisiert. Die BfZ bietet auf ihrem Themenportal Erster Weltkrieg eine alphabetische Übersicht über 70 Feld- und Besatzungszeitungen (Abb. 9)21, die von verschiedenen Institutionen digitalisiert wurden. Diejenigen Zeitungen, welche die Firma Adam Matthew aus den Beständen der BfZ erstellt hat, sind hier für registrierte Nutzer der WLB ansteuerbar.


 Digitalisierte Feldzeitungen der BfZ

Die Firma Adam Matthew hat zahlreiche Zeitungen zum Ersten Weltkrieg aus den Sammlungen der BfZ digitalisiert. Diese Zeitungen wie auch Digitalisate aus anderen Einrichtungen wie dem Imperial War Museum bietet Adam Matthew in dem Portal „First World War“ an. Für registrierte Nutzer der WLB ist der Einstieg über das Themenportal Erster Weltkrieg der BfZ unter dem Punkt „Digitale Dokumentensammlungen für Nutzer der WLB“ möglich. Die WLB ist die einzige deutsche Bibliothek, die ihren Nutzern einen kostenfreien Zugriff anbietet. In der Datenbank kann gezielt nach Titel-, Schlagwort- oder im Volltext recherchiert werden. Außerdem sind die Zeitungsartikel einzeln ansteuerbar. Die Datenbank kann über das Login auch außerhalb der Bibliothek genutzt werden.


Datenbank „Trench Journals and Unit Magazines of the First World War“

Darüber hinaus bietet die WLB ihren registrierten Nutzern als einzige Bibliothek in Deutschland einen Zugriff auf die Datenbank „Trench Journals and Unit Magazines of the First World War“ der Firma Proquest an. Mit über 1.500 Titeln aus zahlreichen Ländern steht damit die weltweit wohl größte digitale Sammlung von Kriegszeitungen zur Verfügung. Hier sind vor allem auch sehr seltene Lager- und Lazarettzeitungen der Entente zu finden. Der Großteil der Zeitungen stammt von der Westfront. Die Sammlung enthält jedoch auch Titel von der Ostfront, der Alpenfront und aus dem Nahen Osten. Die Datenbank erlaubt unter anderem Volltextsuche, PDF-Download, Druck und den Export in Literaturverwaltungsprogramme. Sie kann entweder über das Themenportal Erster Weltkrieg (unter „Kriegszeitungen“, Abb. 9)22, die Digitale Bibliothek (DBIS)23 oder den Online-Katalog der WLB angesteuert werden.

Abbildung 2: Soldaten beim Lesen von Feldzeitungen an der Westfront. Quelle: BfZ/WLB, WK1, 92.
Abbildung 3: „Der bayerische Landwehrmann“, Nr. 6 vom 24.12.1915: „Prosit Neu-Jahr“
Abbildung 4: Zeitung der 10. Armee, Nr. 216 vom 23.2.1917. Zum Geburtstag des württembergischen Königs wird der vermeintlich furchtlose deutsche Frontkämpfer als „wackerer Schwabe“ präsentiert.
Abbildung 5: Der Drahtverhau, Nr. 3, September 1918: „Das Gerücht“
Abbildung 6: Lager-Laterne, Weihnachtsausgabe 1916. Werbung für die Camp-Schneiderei des Internierungslagers Douglas auf der britischen Insel Ilse of Man.
Abbildung 7: Kownoer Zeitung, Nr. 313 vom 10.11.1916, Beiblatt: Viel Text, wenig Abbildungen.
Abbildung 8: Mitteilungen von Ihrer Firma und Ihren Kollegen, Nr. 49 vom 9.10.1915, Österreich-ungarische Ausgabe.
Abbildung 9: Übersicht „Kriegszeitungen Erster Weltkrieg“ auf dem Themenportal Erster Weltkrieg der BfZ.
Gundula Gahlen

Zitierempfehlung

Christian Westerhoff, Einblick in das „Seelenleben“ der Soldaten. Kriegszeitungen der Jahre 1914-1918 in der Bibliothek für Zeitgeschichte. Artikelserie 100 Jahre Erster Weltkrieg – 100 Jahre Bibliothek für Zeitgeschichte, hg. v. Christian Westerhoff, in: Portal Militärgeschichte, 22. Dezember 2014, URL: http://portal-militaergeschichte.de/westerhoff_kriegszeitungen. (Bitte fügen Sie in Klammern das Datum des letzten Aufrufs dieser Seite hinzu.)

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